ABN Amro
Fonds-Bestseller wird generalüberholt

Für die Investment-Tochter der niederländischen ABN Amro war Freitag, der 13. April, wirklich ein schwarzer Tag: An diesem Datum gab eines der Zugpferde des Hauses, Fondsmanager Raphael Kassin, seinen Abschied bekannt. Denn der Managementwechsel schwächt das Schwellenländer-Produkt von ABN Amro.

HAMBURG. Der populäre Verwalter des ABN Amro Global Emerging Markets Bond Fund wechselt Anfang Juli zur Bank Credit Suisse. Beim größten und erfolgreichsten Schwellenländer-Rentenfonds in Deutschland hinterlässt Kassin zweifellos eine Lücke. Schließlich gelang es ihm in den vergangenen Jahren immer wieder, seinen Fonds in den Ranglisten ganz nach oben zu bugsieren. Auch im jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich liegt die Euro-Tranche des ABN Amro Global Emerging Markets Bond mit einem Wertzuwachs von 13,03 Prozent auf Rang eins.

Das Geheimnis von Kassins Erfolg: Statt sich an gängigen Marktindizes zu orientieren, investierte er ausschließlich dort, wo er kurzfristig das größte Potenzial sah. So machten argentinische Anleihen zuletzt 32 Prozent seines Portfolios aus. Im Vergleichsindex Merrill Lynch Global Emerging Market sind es dagegen nur zwei Prozent.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird ABN Amros weltweiter Rentenchef Paul Abberley den Bestseller betreuen. „In Zukunft wird das Portfolio nicht mehr so konzentriert sein wie früher", kündigt er bereits Veränderungen an. So sollen einzelne Regionen künftig nicht mehr als 20 Prozent ausmachen. Seine Begründung: Das Umfeld für Schwellenländer-Renten sei schwieriger geworden. Das verlange nach größerer Risikostreuung.

Analysten zufolge wird es der ABN Amro Global Emerging Markets schwer haben, ohne Kassin an seine Erfolgsgeschichte anknüpfen. "Der Fonds wird seine tolle Wertentwicklung nicht fortsetzen", sagt Thomas Portig von der Vermögensberatung H.C.M. Capital Management.

Im Gegensatz zu Abberley hält er das Umfeld für Renten aus Schwellenländern nach wie vor für günstig. "Selbst wenn es schlechter werden sollte, könnten nur aktive Wetten Mehrwert gegenüber der Marktentwicklung bringen", sagt er. Das angekündigte breitere Portfolio sieht Portig jedoch als Anzeichen für das Gegenteil, nämlich eine Annäherung an den Vergleichsindex.

„Die historische Performance kommt gerade aus der einzigartigen Konzentration", sagt auch Thierry Feltgen von Fund Market in Luxemburg. Mit der angekündigten Strategie werde der Fonds vergleichbarer mit anderen Produkten. Dabei hätten andere Fonds einen Vorteil: Sie könnten eine Historie mit einheitlicher Strategie vorweisen. ABN Amro müsse diese nun neu aufbauen. "Das wird zu weiteren Kapitalabflüssen führen", sagt Feltgen.

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