Absatzstatistik
Anleger greifen wieder bei Fonds zu

Vor allem professionelle Investoren wie Dachfonds-Manager oder auch vermögende Privatanleger legen sich wieder Fonds mit Firmenanleihen und Schwellenländeraktienfonds ins Depot.

FRANKFURT. Das lässt Fondsanbieter mit starken Produkten dieser Art wie Blackrock oder Schroders in der jüngsten Absatzbilanz für Europa im Juni nach vorn rücken, wie der Fondsdatenanbieter Lipper FMI in London feststellt. Die Absatzbilanz liegt dem Handelsblatt Deutschland-exklusiv vor. Das Gros privater Anleger hält sich aber nach Einschätzungen aus der Branche noch stark zurück.

Aktienfonds waren nach dem verkaufsstarken Monat Mai im Juni erneut Absatztreiber in ganz Europa. Die Anbieter setzten Dividendentitelfonds für gut sieben Mrd. Euro ab, Anleihefonds für 4,1 Mrd. Euro und Mischfonds für 2,7 Mrd. Euro. Hohe Abflüsse aus Geldmarktfonds drückten den Gesamtabsatz allerdings ins Minus.

"Vermögende Privatanleger kehren an die Märkte zurück", sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin von Lipper FMI. Der Juni, zwar traditionell wegen der beginnenden Urlaubszeit ein schwächerer Monat, stütze aber den Trend zu Aktien- und speziellen Anleihefonds, sagt sie. Im ersten Halbjahr 2009 verkauften Anbieter in Europa netto insgesamt Fondsanteile für knapp 56 Mrd. Euro. Ein Jahr zuvor hatten Anleger noch 20 Mrd. Euro abgezogen.

Drei Arten von Fonds stehen im Blick der Investoren: Schwellenländeraktienfonds, die wegen relativ gut laufender Märkte Kapital anziehen. Schroders-Deutschlandchef Achim Küssner erkennt "großes Interesse an Asien-Fonds". Zweitens setzen Anleger wegen gesunkener Zinsen statt auf Spareinlagen und Geldmarktfonds auf Firmenanleihefonds. Auch Mischfonds sind gefragt. Beliebt bleiben zudem passiv gemanagte, indexabbildende Fonds (ETFs), wenngleich diese im Juni europaweit Abflüsse verbuchten. Im ersten Halbjahr legten Anleger dort aber per Saldo elf Mrd. Euro an. In Deutschland dominieren ETFs den Absatz von Aktienfonds.

Dagegen leiden Geldmarktfonds 2009 massiv unter niedrigen Zinsen, aber auch unter ihrem Imageverlust in der Krise. Zahlreiche Fonds hatten unter anderem krisenbedingt illiquide Papiere im Portfolio, dadurch Verlust gemacht und dem Ruf des als sicher geltenden Segments geschadet. In Deutschland können die Fonds zudem seit Beginn der Abgeltungsteuer nicht mehr als Steuersparprodukt verkauft werden. Geldmarktfonds haben die deutsche Halbjahresbilanz bei Wertpapierfonds sogar ins Minus gezogen. Branchenexperten sprechen von einem regelrechten "Ausbluten der Geldmarktfonds." In Europa gelangte mit 21 Mrd. Euro nur ein Sechstel des Geldes des ersten Halbjahres 2008 in die Fonds.

In der Fondsbranche erkennt man einen Trend zurück zu aktiv gemanagten Fonds. "Alles hängt von den Märkten ab, aber 2009 kann ein Jahr der aktiven Verwalter werden", meint Mackay. Anleger suchten wieder nach Extrarendite, Zuflüsse zu ETFs normalisierten sich. "Die Frage ist aber, wann Banken die breite Masse Privater zurück gewinnen", sagt sie. Einen "heißen Herbst" erwartet Andrej Brodnik, Deutschlandchef von Blackrock: "Hohe Festgeld-Summen werden fällig, Anleger müssen das Geld anlegen."

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