Abschreibungen
Investoren sehen bei Geldmarktfonds genau hin

Geldmarktfonds galten vor der Finanzkrise als besonders sichere Anlageform. Doch Verbriefungen haben auch bei den vermeintlich sicheren Finanzprodukten für herbe Verluste gesorgt. Etliche Fonds mussten sich vom Markt zurückziehen. Anleger sind immer noch skeptisch und sorgen sich um die zukünftige Entwicklung am Geldmarkt.

FRANKFURT. Die Finanzkrise hat Investoren schwer getroffen. Das gilt nicht nur für Aktionäre, sondern auch für Anleger, die ihr Kapital in Geldmarktfonds investiert hatten. Dabei galt das vor nicht allzu langer Zeit als vollkommen ausgeschlossen. Dass einmal Anlegergelder in den als sicher geltenden Geldmarktfonds vernichtet würden, hatte niemand auf der Rechnung.

Mittlerweile sind Anleger um eine Erfahrung reicher: Um die Renditen aufzupeppen, hatten viele Manager den Fonds Finanzprodukte wie Verbriefungen, so genannte ABS-Papiere beigemischt; jene Produkte, die in vergangenen Monaten fast die komplette Finanzwelt zum Einsturz gebracht haben. Einige Anbieter legten sogar Produkte auf, die fast ausschließlich in ABS-Papiere investierten. Doch der Plan der Fondsmanager ging schief. Im Zuge der Finanzkrise brach der Markt für ABS zusammen. Viele Fonds mussten kräftige Abschreibungen auf ihr Portfolio vornehmen. Statt passabler Gewinne verbuchten die Fondsanleger kräftige Verluste. Viele zogen ihr Geld ab.

Einige Fondsanbieter mussten daraufhin ihre Produkte vorübergehend dichtmachen, weil die Manager nicht genug Geld beschaffen konnten, um die verunsicherten Anleger auszuzahlen. Besonders heftig erwischte es im vergangenen Jahr die französische Großbank BNP Paribas, die gleich drei ihrer Fonds vorübergehend schloss.

Seither gibt es für Anleger zwei Arten von Geldmarktfonds. Die Guten, die darauf verzichtet haben in ABS-Zockerpapiere zu investieren, und die Schlechten, die dies taten.

Das Schlusslicht in der Feri-Hitliste war zuletzt der Uni-Money-Market-Euro-Corporates-Fonds. Auf Sicht von zwölf Monaten verlor er rund 37 Prozent. Auch Manager Marc Hellingrath hatte das Fondsvermögen in der Vergangenheit nicht nur in festverzinsliche Euro-Unternehmensanleihen investiert, sondern auch in die riskanteren ABS-Papiere investiert. Die größten Wertverluste musste der Fonds im dritten Quartal 2008 hinnehmen. Weit besser stehen die Fonds da, die einen großen Bogen um die ABS-Papiere gemacht haben. Die Spitzenfonds haben in den vergangenen zwölf Monaten immerhin rund vier Prozent Rendite eingefahren.

Sorgen bereitet vielen Anlegern derzeit vor allem die zukünftige Entwicklung am Geldmarkt. Nachdem die Notenbanken zuletzt die Märkte mit frischem Geld geflutet haben, steigt die Angst vor kräftig steigenden Inflationsraten, sobald sich die Weltwirtschaft wieder erholt. Geldmarktfonds würde ein solches Szenario hart treffen. Viele Fonds sichern sich daher mit so genannten Floatern ab. Die variabel verzinslichen Scheine orientieren sich am Euribor, dem Referenzzins für Interbanken-Kredite. Der Wert der Floater steigt nicht nur mit einem höheren Kreditzins der Banken untereinander, sondern ist gleichzeitig eine Art Versicherung gegen höhere Inflationsraten.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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