"Absolut sicher"
Fonds-Anleger geraten in die Teldafax-Affäre

Die Affäre um den Stromanbieter erreicht nun auch Anleger am Kapitalmarkt. Ohne dass diese davon wussten, floss ihr Geld in das Unternehmen: Der Fonds Debi Select versprach eine "absolut sichere" Anlage - und investierte in Teldafax.
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DÜSSELDORF. Von der Schieflage des größten unabhängigen Stromanbieters Deutschlands, Teldafax, sind nach Informationen des Handelsblatts nicht nur die 700 000 Kunden des Unternehmens betroffen. Auch das Geld zahlreicher Anleger floss seit 2007 über Umwege an Teldafax, ohne dass die Anleger davon etwas wussten.

Teldafax befindet sich in einer schweren finanziellen Krise, das Unternehmen schreibt seit Jahren Verluste, 2009 blieb es vorübergehend Stromsteuern in Höhe von 28 Mio. Euro schuldig und konnte seine Raten als Trikotsponsor von Bayer 04 Leverkusen nicht rechtzeitig bezahlen. Aktuell verweigert die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO wegen fehlender Informationen Teldafax noch immer die Testate für die Jahresabschlüsse 2008 und 2009.

In dieses schlingernde Unternehmen flossen seit 2007 Gelder der nichtsahnenden Anleger. Sie investierten ihr Geld, ab 3 000 Euro aufwärts, in Fonds der unabhängigen Debi Select Gruppe aus Landshut. Das Unternehmen ist seit Ende der 90er-Jahre aktiv.

"Ein spannendes Geschäftsfeld und überdurchschnittliche Renditen"

Debi Select pries seine Fonds unter dem Stichwort "Spezialfactoring" an. Beim Factoring erwirbt ein Finanzdienstleister Forderungen von Unternehmen, die diese gegen ihre Kunden haben. Das Unternehmen muss nicht warten, bis die Forderungen fällig werden, sondern erhält unmittelbar Geld. Die Factoringgesellschaft wiederum verdient an der Gebühr. Debi Select versprach seinen Anlegern den Zugang zu einem "spannenden Geschäftsfeld mit überdurchschnittlichen Renditen".

"Die Risiken des Factorings liegen in der gegebenenfalls fehlenden Bonität des Schuldners", heißt es warnend in einem Infoblatt von Debi Select. Dann folgt die Beruhigung: Debi Select investiere nur in Factoring-Vorgänge, die "absolut sicher" seien. Doch wie kann ein Investment "absolut sicher" sein, wenn nicht einmal genug Informationen über Teldafax vorliegen, um einen Jahresabschluss zu testieren?

Fonds-Vertriebsleiter Josef Geltinger sagte auf Anfrage, der Fonds habe keinen Einfluss auf die Unternehmen, in die das Geld fließt. Die Auswahl sei Sache der Factoring-Firmen, mit denen Debi Select zusammenarbeite. Geltinger könne daher nicht sagen, wie viel Geld von Debi Select an Teldafax ging. Insgesamt sind nach seinen Angaben allein 2009 rund 40 Mio. Euro von Anlegern eingesammelt worden. Die Renditeziele würden erfüllt.

Sobald das Geld die Konten der Anleger verließ, ging es einen komplizierten Weg. Debi Select reichte zweistellige Millionenbeträge aus seinem Fonds an seine Tochter Main Factoring in Frankfurt. Die Main Factoring schloss dann ihrerseits Darlehensverträge mit der Swiss-Fact Schweizer Factoring AG in Zug. Interne Unterlagen zeigen, dass die Gelder schließlich als Schuldverschreibungen bei der Teldafax-Gruppe landeten. Und hier führte ein Mann die Geschicke, der früher selbst im Fondsgeschäft tätig war und wegen Betrug eine Gefängnisstrafe kassierte: Michael Josten.

Josten, geboren 1953, begann seine Karriere als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Landshut - dort, wo heute Debi Select ansässig ist. In den 90er-Jahren baute Josten die Secur-Finanz-Gruppe auf. Sie brach 1999 zusammen, Tausende von Anlegern verloren mit den geschlossenen Immobilienfonds von Josten Millionen von Euro. Die Behörden ermittelten acht Jahre.

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  • wenn die Leute ihr Geld irgendwelchem Holding, investor an vertrauen, habe ich immmer den Eindruck, dass ihnen ihr Geld vom Himmel gefallen sind, statt es hart verdient zu haben.

    Sogar nach der Finanzkrise gibt es immer Menschen, die glauben, dass sie am Finanzmarkt was zurueckholen koennen, wenn sie ihr Geld am Fremdhand vorher mal geben. Wann kann ahnungsloses Lamm den Wolf uebertreffen? Nicht mal in Maerchenland.

    ich lege lieber mein Geld in der Sparkasse. Zinsenverlust nehme ich in Kauf, besser als alles verloren, da ich ganz bewusst bin, dass ich kein Supermann bin.

  • Tiefgehende Recherche bzw. veröffentlichte zugespielte informationen, so was möchte man auch öfter über andere Firmen hören, möglichst bevor es zu spät ist.
    Gut, daß Hb sich das traut.
    Aber was deutsche Gerichte hier zulassen, kann nur Empörung hervorrufen.

  • wechseln ist ein klax---- armer Rudi

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