Aktien
Fondsmanager kämpfen um Privatanleger

Kleinanleger haben durch die Finanzkrise ihr Vertrauen in Fonds verloren und ziehen sich zurück. Die Investoren setzen lieber auf Sachwerte. Das ist aber nur ein Krisenherd der Fondsbranche.
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FrankfurtWohl noch nie hat die Investmentbranche unter so starkem Druck gestanden wie heute. Die eskalierende Schuldenkrise hat Mechanismen in Gang gesetzt, die dem Produktverkauf eher schaden: Die Bewegungen an den Börsen werden zunehmend hektischer, Aufseher arbeiten an stärkerer Regulierung, an den Anleihemärkten gibt es keinen risikolosen Zins und damit keine verlässlichen Einnahmeströme für Anleihebesitzer mehr, die besorgten Privatanleger ziehen sich von den Wertpapiermärkten zurück.

Es kriselt also auf den unterschiedlichsten Ebenen. Die Geldverwalter sind gleich mehrfach herausgefordert. Sie müssen beispielsweise mit verstärkten Auflagen von Aufsichtsbehörden kämpfen. „Unsere ohnehin schon streng regulierte Branche sieht sich derzeit einer Flut neuer Gesetze gegenüber“, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI. Die Liste der Vorhaben ist lang und sagt oft nur den Insidern etwas: Aifm, Ogaw, Mifid, Fatca, Dodd-Frank, Volcker-Regel und vieles mehr.

Die Portfoliomanager müssen noch mehr kämpfen als sonst – der Schuldenkrise wegen. Sie sind mit den Eingriffen von Notenbankern in die Zinsmärkte und politischen Entscheidungen über staatliche Haushaltspolitik konfrontiert. Starke Bewegungen an wichtigen Finanzmärkten sind die Folge. Deshalb haben sich viele Privatanleger von den Wertpapiermärkten zurückgezogen. Die gewachsene Risikoscheu der Anleger vertreibt große Teile der Investoren vor allem aus Aktienprodukten – die zu denen mit den höchsten Margen zählen. Sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen haben ihre Aktienquoten abgebaut. Besonders schmerzhaft ist für die Anbieter die Abkehr der Privaten, denn hier locken die höchsten Margen.

Abtrünnige Fondsanleger zieht es in zwei Richtungen. Das sind zum einen Bankeinlagen. „Lieber einen Minizins als Verlustgefahr bei Aktien oder Anleihen, so wird gedacht“, erklärt Jan Altmann, Leiter der Beratungsgesellschaft 4asset-management das Verhalten. Es ist ein europaweiter Trend. Andere Experten sehen hier auch Bankberater am Werk, die Kunden zur Umschichtung von Fondsgeldern in Bankeinlagen animieren, weil die Bank in der Finanzkrise Kapital braucht.

Gleichzeitig zieht es die Investoren bei wachsenden Schuldenbergen und steigender Inflationsangst in Sachwerte. „Die Menschen kaufen Immobilien oder Gold“, sagt Altmann. „Den Sachwertehunger konnten die Fondsgesellschaften bisher nicht stillen“, ergänzt er. Und die nicht abreißenden Meldungen um Schließungen offener Immobilienfonds haben der Branche zusätzlich geschadet.

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Immer mehr Institutionelle investieren in Publikumfonds

Kommentare zu " Aktien: Fondsmanager kämpfen um Privatanleger"

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  • Den Fondsgesellschaften fehlen eindeutig Konzepte, wie sie mit Privatanlegern umgehen wollen. Ein eindeutiges Zeichen dafür ist auch, dass in den letzten Jahren unzählige Stellen im Vertrieb und im Marketing gestrichen worden sind. Das vermeintlich ersparte Geld wurde dann in das Fondsmanagement umgeleitet, um Absolute-Return und Derivatespezialisten einzukaufen. Unter dem "Erfolg" leiden jetzt alle. Allerdings haben die Kunden keine Ansprechpartner mehr!!

  • Daß die Fondsmanager "um Privatanleger kämpfen" kann ich nicht erkennen. Sonst würden ja mal die Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren sinken. Das tun sie aber nicht - offenbar haben die Anbieter die Kundschaft nicht nötig, und beklagen sich lieber bei der Presse darüber daß ihnen die Anleger davonlaufen. Wer merkbefreit ist und denkt, in Krisenzeiten einfach weiter horrende Verwaltungsgebühren einsammeln zu müssen, statt den Privatanlegern in ähnlicher Weise entgegenzukommen wie den Großanlegern, der geht halt irgendwann Pleite. Um den ist es dann aber auch nicht schade.

  • ...und wüßten alle Privatanleger, wann welche Fondsgebühren den jeweiligen Fonds belastet werden, würden sie wahrscheinlich noch schneller ihr Erspartes dort heraus ziehen...

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