Aktienauswahl
An Uncle Sam führt kein Weg vorbei

An US-Aktien kommt kein Anleger vorbei, auch wenn die Wirtschaft der Vereinigten Staaten schwächelt. Amerikanische Unternehmen stehen für rund 30 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung und gehören in jedes Depot. Das Problem: Deutsche Anleger verfahren allzu häufig nach dem Prinzip: "Was ich nicht kenne, kaufe ich nicht!"
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Die Konjunkturdaten in den USA sehen alles andere als rosig aus, und doch stiegen die Kurse an der Wall Street in den vergangenen Wochen kräftig an. Es scheint fast so, als ob Anleger den Bezug zur Realität verloren hätten oder die Fakten doch zumindest ignorieren würden. Denn die Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten sprechen für ein eher abnehmendes Engagement in den USA. Doch diesen Wirtschaftsraum gänzlich zu meiden, wäre die falsche Entscheidung, warnen Experten. "In jedes Portfolio gehört natürlich auch der größte Aktienmarkt der Welt, und das ist der US-Markt", sagt Thorsten Michalik, Chef von DB X-Trackers. Amerikanische Unternehmen stehen immerhin für rund 30 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung - kein anderes Land kann da mithalten. Zum Vergleich: Deutschland kommt gerade mal auf 2,6 Prozent.

Doch wirtschaftlich läuft es nicht rund in den USA. Die Sorgen vor einem Rückfall in die Rezession wachsen, denn die wirtschaftliche Erholung kommt nur mühsam voran. "Ein Wachstumsmotor im niedrigen Drehzahlbereich", urteilt das Bankhaus Lampe in seinem jüngsten Kapitalmarkt-Ausblick. Schwache Daten sind zuletzt erneut vom Arbeits- und Wohnimmobilienmarkt gekommen. "Da sich vorerst weder an der hohen Arbeitslosigkeit noch an der Eiszeit am Wohnimmobilienmarkt etwas ändern dürfte, wird die Konjunkturerholung bis zum Frühjahr 2011 wohl langsam verlaufen", schreibt Alexander Krüger, Leiter Kapitalmarktanalyse bei dem Düsseldorfer Institut.

Auch nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden die USA trotz wirtschaftlicher Erholung noch lange mit der hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben. Die Beschäftigungszahl werde frühestens 2013 wieder das Niveau erreichen, das vor der schweren Rezession der vergangenen Jahre herrschte, heißt es in dem aktuellen Wirtschaftsbericht für das Land. Die Arbeitslosenquote werde der Studie zufolge auch 2011 nicht unter den historisch hohen Wert von neun Prozent sinken. Vor Beginn der Krise lag sie noch deutlich unter fünf Prozent. Im Vergleich zu früheren Konjunkturrückgängen benötigt der Arbeitsmarkt dieses Mal 30 bis 60 Prozent mehr Zeit, um sich zu erholen.

Rezession dauerte sehr lange

Bei der Rezession habe es sich um die längste seit dem Zweiten Weltkrieg gehandelt, gab das unabhängige US-Institut National Bureau of Economic Research bekannt. Die wirtschaftliche Talfahrt habe insgesamt 18 Monate gedauert. Sie begann im Dezember 2007 und erstreckte sich bis Juni 2009, so das Ökonomen-Gremium aus Cambridge. Diese wirtschaftliche Durststrecke habe damit länger angedauert als die Rezession in den Jahren 1973 bis 1975 und 1981 und 1982, die jeweils über einen Zeitraum von 16 Monaten verliefen.

Seit Ende der Rezession komme die US-Wirtschaft allerdings vergleichsweise langsam aus dem Tal, heißt es in beiden Berichten. Ein Hauptgrund ist laut OECD die schwächere Verbrauchernachfrage. Immerhin 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entfallen auf den privaten Konsum. Das Einkommen der privaten Haushalte sei gesunken und werde vermehrt dafür genutzt, Schulden zurückzuzahlen, so die OECD. Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bezeichnen den privaten Konsum als einen "der kritischsten Punkte hinsichtlich der US-Konjunktur". Auch beim Bankhaus Lampe erwartet man nur "moderate Wachstumsbeiträge vom Konsum".

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Kommentare zu " Aktienauswahl: An Uncle Sam führt kein Weg vorbei"

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  • Deutsche Anleger verfallen immer wieder in den Fehler, Fonds zu kaufen anstelle von individuellen Aktien. Die globalisierten US-Großfirmen fabrizieren sämtlich in mehr als 100 Ländern und fuhren daher trotz Krise riesige Gewinne ein. Wenn Coca-Cola z.b. in Deutschland mal weniger verkaufte, dann umso mehr in indien und China.

  • Einer alten Wall Street-Weisheit zufolge kaufen deutsche investoren US-Aktien immer zur falschen Zeit. Sie steigen ein, wenn sie aussteigen sollten, und aus, wenn sie einsteigen sollten. Auf diese Weise verlieren sie doppelt. Tatsächlich ist es auch heute wieder so. Durch Unterschätzung der USA hat Deutschland bereits zwei Kriege verloren.

  • An Uncle Sam führt kein Weg vorbei????

    Das ist nonsense. Mit solchen Prognosen sind wir lange genug an der Nase herumgeführt worden. Da glaube ich eher der Einschätzung von Ökonomen wie Paul Craig Roberts:

    http://www.antikrieg.com/aktuell/2010_10_10_dieseptember.htm
    http://www.youtube.com/watch?v=_CqOYOCSS-A

    Die Wahrheit ist - die USA und der Dollar "haben fertig"

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