Aktienbarometer fällt
Flucht aus Aktienfonds

Aktienfonds leiden derzeit unter deutlichen Mittelabflüssen, meist in Richtung der momentan beliebten Indexfonds. Das drückt die Stimmung an der Börse. Doch wahrscheinlich nicht mehr lange: Die hohe Sparquote lässt die Börsianer auf bessere Zeiten hoffen.

FRANKFURT. Das Interesse privater Anleger an Aktien schwindet mehr und mehr. Das illustrieren der jüngste Stimmungsindex der Commerzbank-Investmentgesellschaft Cominvest sowie die aktuellen Netto-Rückgaben von Fonds durch Privatanleger.

Das Aktienbarometer, das die Cominvest am Freitag erstmals der Öffentlichkeit präsentierte und bei der einmal pro Quartal 1 000 Bürger nach ihrer Einstellung zur Aktie befragt werden, verlor gegenüber der ersten, nicht veröffentlichten Erhebung im April von 100 auf 96 Punkte. Das Aktienbarometer setzt sich aus kurzfristigen Faktoren wie der gesellschaftlichen Relevanz, der Markteinschätzung, dem individuellen Anlageprofil und dem wirtschaftlichen Umfeld zusammen. Dazu fließen langfristige Faktoren wie die Marktstimmung, die finanzielle Situation, das persönliche Interesse, die Sparquote sowie die Zinsentwicklung mit ein.

Cominvest-Chef Sebastian Klein gewann den ersten Zahlen zumindest etwas positives ab, ist doch der Dax im gleichen Zeitraum um zehn Prozent gefallen.

Ganz zum Stimmungsbild passen die Netto-Rückgaben von Aktienfonds durch private und institutionelle Anleger. Die Investoren zogen laut Fondsverband BVI im Juni aus Publikums-Aktienfonds knapp 3,7 Mrd. Euro an Kapital ab (siehe Grafik). Die Abflüsse liegen damit nur knapp unter dem Top-Niveau vom März vergangenen Jahres und leicht über dem August-Wert. "Die meisten Deutschen hören auf die Empfehlungen ihrer Berater, aber die verhalten sich defensiv und bieten aktiv keine Aktienfonds an", kommentiert Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI die Zahlen. "Die Berater gehen auch wegen der Finanzkrise auf Nummer sicher. Für sie ist es einfacher, ein Zertifikat oder einen Garantiefonds zu verkaufen, " sagt er.

Die Abflüsse aus Aktienfonds sind allerdings maßgeblich geprägt durch kurzfristige Dispositionen institutioneller Anleger nach der rasant gewachsenen Popularität börsennotierter Indexfonds (ETFs). "Gerade institutionelle Investoren setzen diese Instrumente oft zu Tradingzwecken ein", erinnert ein Sprecher des größten ETF-Anbieters Barclays Global Investor. "Mit dem wachsenden ETF-Markt werden wir deshalb stärkere Schwankungen in den Mittelaufkommensstatistiken erleben." Seinen Angaben zufolge zog ein einzelner Anleger im Juni knapp zwei Mrd. Euro aus zwei Dax-ETFs ab.

Auch der gesamte Publikumsfondsabsatz im Juni lag mit einem Minus von 5,6 Mrd. Euro weit in den roten Zahlen. Dieses Niveau ist zuletzt vor vier Jahren erreicht worden. Einen maßgeblichen Beitrag zur schlechten Bilanz lieferten neben den Zahlen aus dem Aktienbereich auch die Abzüge aus Renten- und Geldmarktfonds in Höhe von 2,0 bzw. 2,4 Mrd. Euro.

Der Abfluss dieser Summen ging jedoch keineswegs in den Konsum. Ganz im Gegenteil: Die Deutschen haben zuletzt wegen der schlechten Beurteilung der wirtschaftlichen Rahmendaten sowie der Unsicherheit über ihr persönliche Zukunft ihre Sparquote deutlich erhöht. Investiert wurde indes in als sicher geltende Anlagen wie Anleihen, Geldmarktpapiere und Indexfonds (ETF).

Damit die Zahl der Aktionäre in Deutschland wieder steigt, müssten laut Cominvest-Chef Klein drei Dinge zusammen kommen. "Erstens müsste eine nachhaltige Kurserholung kommen, zweitens ein wirtschaftlicher Aufschwung und drittens müsste die Aufklärung zum Thema Aktie weitaus stärker betrieben werden", sagt er. Noch immer herrsche beispielsweise die Meinung, dass man persönlich nicht vermögend genug für Aktien ist. So glaubt ein Viertel der durch Cominvest Befragten, dass die Mindestanlage bei Aktienfonds 500 oder gar 1 000 Euro beträgt, obwohl es Sparpläne schon ab 25 Euro monatlich gibt.

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