Aktienexperte Fisher
Der Bulle aus Woodside

Der Selfmade-Milliardär Ken Fisher ist Börsenoptimist. Die Finanzkrise kann ihn nicht schocken. Als omnipräsenter Experte polarisiert er die Finanzwelt, wird teilweise heftig kritisiert. Doch der Erfolg spricht für ihn: Mittlerweile 45 Milliarden Dollar verwaltet der 57-jährige Kalifornier.

FRANKFURT. Schwarz oder weiß, heiß oder kalt. Ken Fisher liebt es klar und eindeutig. Der Vermögensverwalter und Kolumnist des Handelsblatts ist mit jeder Faser seines Körpers ein Aktienoptimist, ein Bulle, wie er in Zeiten der Finanzkrise kaum zu finden ist. Der 57-Jährige spricht von Korrekturen, die steile Abstürze sind, von angsteinflößenden, scheinbar wahren Geschichten, die aber tatsächlich falsch sind. Und gleichzeitig fordert Fisher die Anleger auf, nicht in Hysterie an der Börse zu verfallen: „Dies ist eine Gelegenheit, nicht ein Problem.“ Und nebenbei wird noch ein Kursziel eingestreut, das übertragen auf den Deutschen Aktienindex bei schier unglaublichen 12 000 Punkten liegt.

Das polarisiert. Und dafür gibt er reichlich Gelegenheit. Der Bär von einem Mann mit seinen schwarzen gelockten Haaren ist quasi omnipräsent. Ob im Handelsblatt, im Wirtschaftsmagazin Forbes, in Fisher-Werbespots im Fernsehen, im Radio, im Internet oder über Postwurfsendungen im Briefkasten. Fisher, immer wieder Fisher. Wer nicht genug hat, kann sich in seine Börsenbücher vertiefen, die Renner in der Sparte Wirtschaftsbücher sind. Fisher-Allgegenwärtig.

Kein Wunder, dass sich Anleger aufregen und seine oftmals statistisch unterlegten Aktienprognosen angreifen. Ein deutscher Kritiker verurteilte kürzlich harsch seine Kolumne: „Das taugt nicht einmal zur Unterhaltung. Der Inhalt ist objektiv falsch. So etwas hört man an Stammtischen oder liest es in der Bildzeitung.“ Doch Fisher, der Mann mit der sonoren Stimme, fängt den „Abtrünnigen“ ein. Schritt für Schritt begründet er seine Meinung, führt Statistiken zu Indizes vor und an, und, das Wichtigste, er überzeugt den Kritiker.

Aber auch nackte Zahlen sprechen für Fisher: Inzwischen managt der Vermögensverwalter aus dem Nobelort Woodside in Kalifornien heraus 45 Mrd. Dollar für über 18 000 Klienten. Knapp zehn Jahre früher waren es noch vier Mrd. Dollar. Selbst mit dem heute Erreichten gibt sich der 57-Jährige nicht zufrieden. Sein Fernziel: „ein Marktanteil von drei Prozent in der Vermögensverwaltung weltweit“.

Das entspräche einer Verdreifachung des gemanagten Geldes. „Wir wollen so groß werden und die gleiche Bedeutung wie Fidelity in der Branche der Investmentfonds haben“, sagt Fisher selbstbewusst.

Er hat gut reden. Fisher Investments erzielte in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich eine Rendite von 11,5 Prozent jährlich für seine Kunden, der Morgan Stanley World Index kommt gerade einmal auf 7,9 Prozent jährlich. Das kann so bleiben, wenn seine Einschätzung zutrifft, dass die heutige Krise eine Parallele zum Jahr 1998 ist, das von der Asien-Krise, der Sorge vor einer Schwäche des russischen Rubels und der Fast-Pleite des Hedge-Fonds LTCM geprägt war. Damals zitterten Anleger und Märkte fast das ganze Jahr, bevor es in einer Kurs-Rally endete. Die Kursgewinne würden sicherlich auch seiner makellosen persönlichen Vermögensbilanz gut tun. Fest steht: Bereits heute rangiert Fisher mit 1,8 Milliarden Dollar auf Platz 271 der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner.

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