Aktienmarkt
Die Börsen-Rally der Notenbanken

Weltweit legen die Aktienindizes seit Monaten zu und haben neue Jahreshochs erreicht. Eine Reihe von Effekten der Geldpolitik der Notenbanken könnte vorübergehend eine Fortsetzung der Rally unterstützen – und anschließend für ein abruptes Ende sorgen.
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DÜSSELDORF. Viele Experten empfinden die aktuelle Börsenhausse als übertrieben. Laut Landesbank Berlin sei die Gefahr groß, "dass in den Kursen bereits ein zu hohes Maß an Konjunkturoptimismus eingepreist ist." "Dass die Luft für die Aktienmärkte immer dünner wird", stellt auch die Weberbank in einem Kommentar fest. "Gemessen an den erwarteten Gewinnen sind die Aktienmärkte schon recht teuer bewertet", begründet Aktienexperte Alexander Lukas seine Einschätzung. Den Hoffnungen auf eine baldige Wirtschaftserholung müssten bald harte Fakten folgen. Aber davon gehe die Bank nicht aus.

Trotzdem sind seit den Tiefständen im März sowohl der US-Leitindex S&P 500 als auch der Dax um mehr als 50 Prozent gestiegen. Zahlreiche Marktteilnehmer wurden von der Hausse kalt erwischt, die anfangs als vorübergehende Bärenmarktrally eingestuft wurde. So gibt es laut Norbert Empting von der Schnigge Wertpapierhandelsbank immer noch institutionelle Anleger wie Fonds, die unterinvestiert sind und unter Druck geraten, einzusteigen. Damit könnte bisher jede Korrektur im Keim erstickt worden sein. Trotzdem geraten Analysten zunehmend in Erklärungsnot. Der Anlagenotstand der Fondsmanager ist endlich, denn die Mittelzuflüsse sind überschaubar und gleichzeitig sind Aktien mittlerweile keine Schnäppchen mehr:

Der S&P 500 hat Erhebungen von Bloomberg zufolge angesichts eines aktuellen durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von über 19 die höchste Bewertung seit 2004 erreicht. Auf Basis der bereits erzielten Nettogewinne kosten die Dax-Unternehmen derzeit laut Bloomberg sogar das 40-fache ihrer eingefahrenen Erlöse. Demnach erscheinen Aktien derzeit vollkommen überteuert. Weil Börsen die Zukunft, und nicht die Gegenwart handeln, leitet solch ein rückwärts gerichtetes KGV aber leicht in die Irre. Sinnvoller ist es, die Gewinne mindestens ein Jahr im Voraus zu schätzen. Greift man dabei auf Prognosen der Deutschen Bank zurück, errechnet sich derzeit ein Dax-KGV von 20. Auch dann erscheinen Aktien aber recht teuer, denn der langfristige Mittelwert liegt hier bei 15.

Geldpolitik könnte Erklärung liefern

Der Schlüssel zum Verständnis der scheinbar unaufhaltsamen Aufwärtsbewegung liegt möglicherweise in der expansiven Geldpolitik der Notenbanken. Sie kann kurstreibende Effekte haben, die weit über Preisaufschläge aufgrund verbesserter Renditeaussichten hinausgehen. So hat die US-Notenbank Fed zur Sicherung des Finanzsystems und zur Abfederung der heftigsten Rezession seit 1947 nicht nur die Leitzinsen auf knapp über null Prozent gesenkt.

Selbst vor dem Kauf von Staatsanleihen - lange ein Tabu unter westlichen Notenbanken - wurde letztlich nicht halt gemacht. So stellte sie dem Markt auch durch Ankauf- und Beleihungsprogramme so viel "frisch gedrucktes" Geld zur Verfügung, dass ihre Bilanzsumme von knapp 800 Mrd. Dollar vor der Krise auf rund zwei Bill. Dollar anstieg. Seit Herbst vergangenen Jahres ist das Geldmengenwachstum regelrecht explodiert (siehe Grafik).

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