Aktienmarkt
Wenn fallende Kurse klingelnde Kassen bringen

Fallende Kurse gleich Gewinn - diese einfache Formel des "Leerverkaufs" galt lange nur institutionelle Investoren. Mittlerweile können auch Privatanleger auf einfache Weise von sinkenden Kursen profitieren: Neben Derivaten gibt es dafür auch Indexfonds wie die so genannten Short-ETFs.
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KÖLN. Eine der beliebtesten Profi-Strategien am Aktienmarkt ist der so genannte Leerverkauf, mit dem Anleger bei fallenden Kursen Gewinne erzielen können. Allerdings war dieser Ansatz lange Zeit nur institutionellen Investoren vorbehalten. Das hat sich geändert. Mittlerweile können auch Privatanleger auf einfache Weise auf fallende Kurse setzen. Neben Derivaten stehen ihnen dazu seit Mitte 2007 auch Indexfonds zur Verfügung. Die entsprechenden Angebote heißen Short-ETFs. "Short-ETFs sind auch für Privatanleger ein interessantes Produkt", sagt Henning Seeler, Fondsexperte bei der Comdirect. "Allerdings ist ihre Konstruktion nicht ganz so einfach wie die eines klassischen Long-ETFs. Wer hier investiert, sollte die Funktionsweise gut kennen."

Grundsätzlich entwickelt sich ein entsprechender Exchange Traded Fund - kurz ETF - so, als würde der zu Grunde liegende Index leer verkauft. Ein Beispiel: Würde der Kauf aller Aktien des Index 100 Euro kosten, leiht der Emittent sich diese Aktien und verkauft sie sofort weiter. Fällt der Kurs im Tagesverlauf auf 98 Euro, kauft er sie wieder und gibt sie an den Verleiher zurück. Die zwei beim Einkauf gesparten Euro sind - abzüglich Leihgebühr - der Gewinn. Hinzu kommt, dass die beim Verkauf eingenommenen 100 Euro zusammen mit dem vom Anleger eingezahlten Geld ähnlich einem Festgeldkonto verzinst werden. Zusätzlich zur negativen Kursentwicklung des Basiswerts erhält der Anleger eine Verzinsung auf das doppelte eingezahlte Geld.

Einfach die Entwicklung des Index mit minus eins zu multiplizieren reicht nicht, um die Performance des Short-ETF zu berechnen. Noch komplizierter wird es, wenn man die Zeitabstände betrachtet, in denen der ETF berechnet wird. Üblich ist es, den Negativ-Index so zu berechnen, als würde jeden Tag ein Leerverkauf abgeschlossen. Der Faktor, mit dem der Index multipliziert wird, beträgt also jeden Tag von neuem wieder minus eins. Ein Beispiel: Der Basiswert steigt innerhalb eines Tages von 100 auf 110 Punkte. Der Short-ETF fällt deshalb von 100 auf 90 Punkte. Fällt am nächsten Tag der Index wieder auf 100, steigt der Short-ETF nur auf rund 98,2 Punkte. Denn seine Steigerung ist lediglich so groß, wie der (Tages-)Verlust des Index. Der Fall von 110 auf 100 entspricht rund 9,1 Prozent. Und 9,1 Prozent von 90 entspricht einer Steigerung von rund 8,2 Punkten. Je länger der Betrachtungszeitraum, desto weiter liegen Wertentwicklung des ETF und des Basis-Index voneinander entfernt.

Experte Seeler rechnet damit, dass Short-ETFs trotz Komplexität beim Privatanleger ankommen werden: "Sie sind kein Produkt für Buy-and-hold-Strategien. Die Entwicklung wird der bei klassischen ETFs ähneln: Je mehr Anleger ihre Funktionsweise kennen, desto mehr Käufer werden sie auch finden."

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