Aktuelle Konflikte und sinkender Ölpreis belasten die Märkte kaum
Fondsmanager sehen Osteuropa weiter positiv

Ein drastisch gesunkener Ölpreis, die Regierungskrise in Polen, Ausschreitungen in Ungarn - über mangelndes Konfliktpotenzial können sich auf Osteuropa spezialisierte Fondsmanager wahrlich nicht beschweren.

HAMBURG. Doch auch wenn die Börsen der Region von ihrem Anfang Mai markierten Hoch ein ganzes Stück weit zurückgekommen sind, so haben sie sich in den vergangenen Wochen doch erstaunlich stabil gehalten. Auf Sicht von zwölf Monaten (Stichtag: 31. August) weisen die insgesamt 46 bei Feri Rating & Research in Bad Homburg gelisteten Osteuropa-Fonds sogar immer noch zweistellige Zuwächse aus, die im Einzelfall mehr als 40 Prozent betragen (siehe Tabelle).

"Im Grunde genommen haben sich die Rahmenbedingungen für die Region nicht geändert", sagt Lars Dollmann, Manager des aktuell auf Rang zwei liegenden Deka Convergence-Aktien. "Russland kann auch mit einem Ölpreis von 40 Dollar pro Barrel gut leben, die ungarischen Haushaltsprobleme sind seit Jahren bekannt und politische Krisen haben auf die Börse nur kurzfristige Auswirkungen."

Nachdem er den Anteil des Energiesektors an seinem Portfolio bereits im Frühjahr auf aktuell 25 Prozent verringert hat, plant Dollmann derzeit keine größeren Veränderungen. Mittelfristig sehr gute Chancen sieht der Deka-Manager im Konsumbereich, aber auch in der Bau- und Immobilienbranche. So herrsche vielerorts ein großer Mangel an Ladenflächen, der Schritt für Schritt behoben werden müsse. Direktinvestitionen in den zum 1. Januar 2007 der EU beitretenden Ländern Rumänien und Bulgarien schließt Dollmann zunächst aus. "Derzeit sind diese Märkte noch zu klein und illiquide", sagt er und verweist auf Tagesumsätze von mitunter weniger als fünf Mill. Dollar. "Wir verfolgen die weitere Entwicklung aber sehr genau und sehen uns dabei auch mögliche Börsenkandidaten an."

Obwohl der von ihm verwaltete KBC Equity Fund Eastern Europe mit einem Volumen von nur 47 Mill. Euro deutlich kleiner ist als der Deka Convergence-Aktien, sieht auch Bart Daenekindt bis auf weiteres keine Möglichkeit, die mit der EU-Aufnahme verbundenen Chancen in Sofia und Bukarest zu nutzen. "Leider", fügt er hinzu, denn beide Märkte besäßen ohne Zweifel viel Potenzial.

Mit Ausnahme von Ungarn hält Daenekindt auch die übrigen Länder der Region weiter für aussichtsreich. Energieaktien machen derzeit 45 Prozent seines Portfolios aus, davon entfallen allein 28 Prozent auf die drei russischen Branchenschwergewichte Gazprom, Lukoil und Surgutneftegaz. Chancen außerhalb des Energiesektors sucht Daenekindt allerdings weniger im Konsumbereich als vielmehr bei russischen Telekom-Titeln und kleineren IT-Anbietern in Polen.

Autor: Egon Wachtendorf, Der Fonds

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