Allianz-Fondsmanager im Interview „Es gibt keine Alternative zu Aktien“

Der Dax ist längst noch nicht am Ende, meint Thorsten Winkelmann. Im Interview erklärt der Fondsmanager von Allianz Global Investors, warum nicht nur der Aktienmarkt, sondern auch die Inflation anziehen wird.
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„Es gibt keine Alternative zu Aktien.“Thorsten Winkelmann, Fondsmanager von Allianz Global Investors, investiert auch privat in den eigenen Fonds.

„Es gibt keine Alternative zu Aktien.“

Thorsten Winkelmann, Fondsmanager von Allianz Global Investors, investiert auch privat in den eigenen Fonds.

Herr Winkelmann, der Dax hat die 8000-Punkte-Marke geschafft, der Dow Jones notiert auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Wie passt das zur Krise in Europa und den USA? Haben sich die Börsen von der Realität verabschiedet?

Winkelmann: Ganz und gar nicht. Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen sind die Kursgewinne gerechtfertigt. Aktien sind immer noch günstig bewertet. Außerdem gibt es im Moment keine Alternative zu Aktien.

Weil vermeintlich sichere Anlagen kaum noch etwas abwerfen?

So ist es. Bei großen Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen wird ein Umdenken stattfinden. Sie müssen mehr Risiken eingehen, um eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals zu erreichen - sonst könnten ihnen die Felle wegschwimmen. Das geht nicht allein mit Anleihen.

Das gilt auch für die Allianz, ihr Mutterhaus.

Die Vorgaben für Aktienquoten sind generell sehr niedrig. Einerseits sind vielen große Investoren aufgrund strenger Regulierung die Hände gebunden, andererseits waren manche vielleicht auch zu vorsichtig. Man kann jedenfalls nicht behaupten, dass diese Investoren die großen Treiber der Aktienrally gewesen wären.

Sie sagen, dass Aktien immer noch günstig bewertet sind. Allerdings haben die Börsen einen kräftigen Anstieg der Unternehmensgewinne bereits vorweggenommen. Das kommt mir sehr optimistisch vor.

Natürlich hat es Vorschusslorbeeren gegeben. Ich denke, dass die Gewinnerwartungen im Laufe des Jahres korrigiert werden müssen. Ja, Rücksetzer kann es immer geben. Aber eines muss ich mal sagen: Die Medien haben die Angewohnheit, nur das Negative zu berichten. Ständig geht es nur um Krisen, Skandale oder zu hohe Managergehälter. Über die Fortschritte wird dagegen wenig geschrieben, gerade auf Seiten der Unternehmen hat sich viel getan.

Was denn zum Beispiel?

Die Unternehmen haben ihre Schulden in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, die Bilanzen können sich sehen lassen. So viele gute Unternehmen wie derzeit finden wir selten vor. Wir investieren ohnehin nur in Unternehmen, die eine starke Position am Markt haben, die häufig global aufgestellt sind und ein organisches Umsatzwachstum vorweisen können.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielen die Notenbanken. Was würden Sie sagen, wenn ich behaupte, dass die Rally darauf beruht, dass die Zentralbanken unglaublich viel Geld in die Märkte gepumpt haben.

Das sehe ich nicht so.

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8 Kommentare zu "Allianz-Fondsmanager im Interview: „Es gibt keine Alternative zu Aktien“"

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  • Oh der Herr Rechner wieder, der Wikipedia-Gelehrte...

    "Thorsten Winkelmann sagt
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    Das Geld aus der Notenpresse wird zu höherer Inflation führen. Die Frage ist nur, wann. Zunächst ist das Geld aber fast vollständig in die Banken geflossen, wenig in die Realwirtschaft. [...] So kann natürlich keine Inflation entstehen. Erst jetzt kommt langsam etwas in der Wirtschaft an.
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    Welches "Geld aus der Notenpresse" eigentlich?

    Zwischen Januar 2010 und Januar 2013 ist die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von 1,3% gestiegen."

    Neinm das ist falsch. Die Statistik verschleiert so manches. Das Geld wird derzeit von den Banken von der EZB genommen (gibt ja praktisch kein Zins drauf), ein Großteil dieser Gelder aber wieder direkt bei der EZB geparkt. Gelder die bei der EZB geparkt werden, werden von der Geldmenge abgezogen. Wie wenn sie nicht vorhanden wären. Warum das so ist, weiß eigentlich keiner so recht. Ist wie bei der Arbeitslosenstatistik. Da wird auch alles klein gerechnet.

  • [Teil 2]

    Offensichtlich verstehen die Verfechter der Inflationsthese unter "Geld drucken" die Erhöhung der Zentralbankgeldmenge, insoweit Ihnen überhaupt die Unterschiede zwischen den verschiedenen "Arten" von Geld bewußt sind.

    Denn eine nenneswerte Erweiterung der weiteren Geldmenge M3 unter Einschluß des Giralgeldes hat ja offensichtlich nicht stattgefunden.

    Es wird nun von den Verfechtern dieser These angenommen bzw. gehofft daß sich das alte mengenmäßige Verhältnis zwischen Zentralbankgeldmenge und Giralbankgeldmenge wieder herstellt, was in der Tat inflationär wäre.

    Bloß wird dabei von den Inflationszockern leider übersehen, daß dazu auch ein Rückabwicklung der Erhöhung der Eigenkapitalanforerungen für Banken erforderlich wäre, oder eine Verstärkung des Eigenkapitals der Banken aus anderen Quellen.

    Mit ersterem sollte man nach den Erfahrungen der Finanzkrise aber in absehbarer Zukunft nicht rechnen.

    Und zu einer Verstärkung von Bankeigenkapital durch den Kapitalmarkt wird es in nennenswertem Umfang erst kommen, wenn die Banken ihre Bilanzen von zweifelhaften Aktiva gereinigt haben und gesamtwirtschaftlich die Kreditblase abgebaut worden ist.

    Die Erfahrungen die der schlechteste Banker aller Zeiten, Martin Blessing, gerade mit seiner Kapitalerhöhung macht legen davon beredt Zeugnis ab.

    Dann ist eine maßvolle Erhöhung von Bankeigenkapital nebst der damit einhergehenden Geschäftsausweitung und Steigerung der Giralgeldmenge aber nicht inflationär, weil sie von einer realwirtschaftlichen Expansion begleitet wird.

    Jedenfalls bis zur nächsten Kreditblase in 10 oder 20 Jahren.

    ...

    Daß sich ausgerechnet der Kapitalanlageguru der Allianz hier als Inflationszocker outet ist schon sehr seltsam.

    Sollte die Allianz bei derartigen Aussichten nicht bei der Commerzbank engagiert bleiben?

    Schließlich würde eine hohe Inflationsrate doch die zweifelhaften Schuldner der Commerzbank teilweise entschulden, und so die Qualität ihrer Bilanz deutlich verbessern.

  • [Teil 1]

    Thorsten Winkelmann sagt
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    Das Geld aus der Notenpresse wird zu höherer Inflation führen. Die Frage ist nur, wann. Zunächst ist das Geld aber fast vollständig in die Banken geflossen, wenig in die Realwirtschaft. [...] So kann natürlich keine Inflation entstehen. Erst jetzt kommt langsam etwas in der Wirtschaft an.
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    Welches "Geld aus der Notenpresse" eigentlich?

    Zwischen Januar 2010 und Januar 2013 ist die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von 1,3% gestiegen.

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    Thorsten Winkelmann sagt
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    Ich habe den Fehler gemacht, dass ich zu früh mit höherer Inflation gerechnet habe.
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    Der Herr Winkelmann macht vor allem den Fehler nicht zu verstehen was tatsächlich passiert (ist):

    Die Banken müssen ihre regulatorischen Eigenkapitalquoten verbessern - um sich Basel-III-gerecht aufzustellen, und weil ihre bisherigen Eigenkapitalquoten sich in der Finanzkrise als unzureichend erwiesen haben.

    Theoretisch könnten Sie das natürlich tun indem Sie das Eigenkapital erhöhen. Da sie aber nur wenig an Gewinnen haben die zur Eigenkapitalstärkung verwendet werden könnten, und der Kapitalmarkt ihren Bilanzen und Zuzkinfstaussichten (mit Berechtigung) skeptisch gegenübersteht, ist Ihnen diese Möglichkeit defakto in den meisten Fällen verbaut.

    Also bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, die regulatorischen Eigenkapitalquoten durch Bilanzverkürzung im erforderlichen Umfang zu verbessern.

    Ohne flankierende Maßnahmen der Notenbank würde das aber stark kontraktiv sein hinsichtlich des Geldumlaufs und in Folge der Konjunktur - eine schwere Rezession wenn nicht gar Depression wäre die Folge.

    Also nimmt die Zentralbank den Geschäftsbanken einen Teil ihrer Bilanzen ab.

    In Zahlen drückt sich das aus in einer steigenden Bilanzsumme der EZB (auch wenn in den letzten Monaten leicht rückläufig), und abnehmenden Bilanzsummen der Geschäftsbanken.

    Das Pendant dazu ist viel mehr M1 aber nur wenig mehr M3.

  • Interviewen Sie Herrn Winkelmann doch noch einmal, wenn der DAX im Lauf der nächsten Monate auf 6000 Punkte zurückgefallen ist. Furchtbar, diese Fondsmanager, die bei jeder Gelegenheit versuchen, die Aktienkurse hoch zu treiben.

  • In der Bilanziert der AG wird das Grundkapital ausgewiesen. Es ist die Summe alle zum Nennwert ausgegebenen Aktien. Die Emission ist der Primärhandel. Dabei tauscht die Gesellschaft mit Dritten Sachvermögen gegen Geld. Die Aktie ist die Besitzurkunde für den Anteil am Sachvermögen. Aktienkursgewinne, die danach im sekundären Handel der Anteilsscheine entstehen, sind das Handelsergebnis zwischen Dritten. Die Aktiengesellschaft hat, soweit sie keine eigenen Aktien hält, von diesem Sekundärhandel nichts. Obwohl hohe Kurse das Image der Gesellschaft entscheidend prägen, muss klar sein, dass negative Kursentwicklungen der AG keinen Bilanzschaden zufügen. Dem Aktionär muss deswegen beachten, dass ihm kein Auffangnetz bereit steht, sofern der Emittent keine Rücknahmeverpflichtung zum Nennwert vereinbart hat. Mir sind solche Vereinbarungen unbekannt. Das Unternehmerrisiko wird bereitwillig geschultert. Weitere Risiken dagegen nicht. Das gilt insbesondere für Scheinwertsteigerungen. Scheinwertsteigerungen entstehen durch die von der Werbung angetriebene individuelle Bewertungseuphorie. Kern des Geschäftsmodells der Händler ist die Förderung und Ausnutzung von Gier. Die Empfehlung als sicheres Fluchtziel in der Finanzkrise taugt nur temporär. Tatsächlich führt die vom Geldmengenwachstum getriebene Kursentwicklung zu zeitweiligen Reichtums Wachstum.
    Dieser Zuwachs wird aber nur realisiert werden, solange sich immer neue Käufer finden. Wem die Gewinnrealisierung nicht gelingt, bevor sich die Politik auf eine seriöse Geldwertpolitik besinnt, wird massiv verlieren. Aber auch Inflationspolitik kann zum Auslöser werden, falls die Kaufkraft schwindet und Umsätze preisbereinigt sinken. Die Zahlungsverpflichtungen in die Rettungsschirme werden den gleichen Negativeffekt haben, sobald die Nachfrage unserer Produkte nicht adäquat angetrieben wird. Vieles spricht für eine Korrektur.

  • Volle Zustimmung. Ergänzend werden dann von den (Grünen und/oder Linken) Politikern die Unternehmer als Sündenböcke für die Inflation angegeben, da diese ja immer mehr Gewinne erzielen möchten. Der Staat schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe:
    - Er entschuldigt sich elegant über die Inflation
    - Er steigert die Steuereinnahmen über die Steuerprogression
    - Er schiebt die Schuld den Unternehmern zu
    - Er hat somit Gründe für weitere Steuererhöhungen

  • Ich kann sicherlich nicht in die Zukunft sehen, erachte es jedoch als wahrscheinlich, dass die Notenbanken die Geldschöpfung weiter betreiben und sich auch durch eine Inflation nicht in ihren Aktivitäten beeinflussen lassen. Der Stabilisierung der hochverschuldeten Staaten wird Vorrang eingeräumt.

    Insofern würde ich mich nicht wundern wenn der Dax in nicht allzu ferner Zukunft die Marke von 10.000 Punkten anvisiert.

    Meine eigene Erfahrung als Angestellter in diversen Unternehmen und Ländern mit Geldentwertung ist die, dass die Unternehmen erhöhte Einkaufspreise nach 3 - 6 Monaten wahrnehmen, zunächst die Lieferanten in Frage stellen, Sparprogramme auflegen und nach 6 - 12 Monaten die Preise erhöhen. Preiserhöhungen werden aufgrund von Vertragslaufzeiten und Verzögerungstaktiken der Kunden nicht unverzüglich wirksam Die Unternehmensgewinne leiden 1 Jahr. Anschliessend sind diese an die Kundschaft weitergegeben. Im Falle eines Endes der Preissteigerung der Vorprodukte steigen die Gewinne wiederum 1 Jahr überproportional. Aus meiner Sicht ist es ideal Aktien zu Beginn einer Inflationsphase zu kaufen.

    Vandale

  • also für die Kinder würde ich Gold und Silber zurücklegen,natürlich nur in physischer Form.

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