Allianz legt Abstimmungsverhalten offen: Fondsbranche streitet um mehr Transparenz

Allianz legt Abstimmungsverhalten offen
Fondsbranche streitet um mehr Transparenz

Der Plan der Allianz-Fondssparten, ihr Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen von diesem Jahr an offen zu legen, belebt die Diskussion um die Kontrolle von Unternehmen durch Fonds.

rez FRANKFURT/M. Während Wissenschaftler und Aktionärsschützer den Schritt begrüßen, halten der europäische Fondsverband Fefsi wie auch Fonds-Insider wenig davon und arbeiten an „einer besseren Lösung“.

So rechnet Ulrich Hommel, Professor für Unternehmensfinanzierung und Kapitalmärkte an der European Business School in Oestrich-Winkel, damit, dass auch andere Fondsanbieter erkennen, dass die Durchschlagskraft bei Unternehmen durch ein Veröffentlichung der Abstimmungsergebnisse stärker wird. „Der zunehmende Druck auf die Unternehmen dürfte die Bereitschaft erhöhen, auf die Anliegen der Fonds einzugehen.“ Auch Jürgen Kurz, Sprecher der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), meint, dass der Vorstoß der Beginn von mehr Transparenz für Fonds-Anleger ist. Allerdings müssten alle großen deutschen Fondshäuser mitmachen.

Große deutsche Fondshäuser äußern sich bislang dagegen zurückhaltend. Einige wie die Deka schließen aber eine Veröffentlichung nicht aus. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS kritisiert hingegen das Vorhaben des Konkurrenten. „Wir tun das nicht, um zu verhindern, dass wir uns mehr mit der Veröffentlichung als mit der Sache, der Kritik am Unternehmen, beschäftigen müssen“, sagt DWS-Sprecher Claus Gruber. Anlegerschützer Kurz lässt das nicht gelten: „Das klingt nach Mauscheleien im Hinterzimmer“, sagt er. Denn die Kritik an Unternehmen werde durch die Veröffentlichung der Abstimmung noch schärfer.

Auch Union Investment ist nach Aussage von Vorstandsmitglied Wolfgang Mansfeld gegen eine generelle Veröffentlichung. Die dadurch verursachten Diskussionen könnten dazu führen, dass Fondsmanager nicht mehr im Sinne der Anleger stimmten. Die Union veröffentliche besondere Abstimmungsergebnisse, bei denen man öffentliches Interesse vermute.

Im Detail hält Kurz den Plan der Allianz, am Ende der Hauptversammlungs-Saison alle Abstimmungen zu veröffentlichen, für weniger sinnvoll. Besser sei es, Anleger zeitnah zu informieren, meint er. Das Argument mancher Fondshäuser, eine Veröffentlichung sei zu aufwändig, greift seiner Ansicht nach nicht. „Es reicht, nur die Gegenstimmen darzustellen“, sagt er. Über die meist wenig spektakulären Zustimmungen könne man gebündelt berichten.

An einer Alternative für mehr Transparenz für Investoren arbeitet Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance Kodex und Aufsichtsratsmitglied der DWS. „Die Pläne der Allianz sehen nett aus, nützen dem Anleger aber nicht genug“, sagt er. Denn Investoren erhielten mehrere tausend Einzelinformationen ohne Erläuterung. Besser sei es, wenn Fondsanbieter einmal im Jahr grundsätzlich ihre Politik darstellten und in besonderen Fällen ihre Abstimmung qualifiziert begründeten, schlägt er vor. Ein solcher Ansatz werde im Frühjahr veröffentlicht.

Der Fefsi wirkt in die gleich Richtung. Er will einen Vorschlag für mehr Transparenz mit der EU-Wertpapieraufsicht CESR verhandeln, die bei Zustimmung für die Mitgliedstaaten bindend würde, wie Fefsi-Präsident Mansfeld sagt. Demnach sollen Fondsgesellschaften erstens ihr Stimmrecht aktiv wahrnehmen. Zweitens sollen Fondsanbieter ihre Grundsätze für das Abstimmungsverhalten haben und veröffentlichen. Eine generelle Veröffentlichung von Abstimmungen auf Hauptversammlungen lehne der Fefsi aber ebenfalls ab, sagt Mansfeld.

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