Altersvorsorge
Fondsanbieter setzen auf neue Regierungskoalition

Die Fondsbranche hofft auf bessere Förderung ihrer Altersvorsorgeprodukte durch die neue Koalition. Doch die Versicherer laufen Sturm gegen die Gleichstellung verschiedener Versicherungs- und Fondsprodukte: Nicht jede Form des Sparens tauge zur Altersvorsorge.
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FRANKFURT. "Wir begrüßen das Ziel der neuen Bundesregierung, die Wachstumskräfte zu stärken und den Bürgern mehr Netto vom Brutto zu überlassen. Die Bürger brauchen mehr finanziellen Spielraum, auch um privat vorsorgen zu können", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbands BVI. "In diesem Zusammenhang will die Koalition prüfen, die geförderte Altersvorsorge zu entbürokratisieren und zu flexibilisieren sowie Selbstständige in die Riester-Rente einzubeziehen. Dazu sollte aus unserer Sicht auch eine Dynamisierung der Riester-Rente im Gleichschritt mit dem Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze gehören."

Die staatlich geförderte, private Altersrente ist für Versicherer und Fondsanbieter interessant: Die Verträge bescheren ihnen über Jahrzehnte hinweg stete Zuflüsse von inzwischen mehr als 12 Millionen Menschen.

In Berlin bemühen sich Lobbyisten beider Seiten um die Politik. Die Fondslobbyisten pochen auf einheitliche Steuerregeln und Transparenz für alle Produkte. Sie fordern "echte Wahlmöglichkeiten in der betrieblichen Altersvorsorge". Die Versicherer wollen "eine enge Definition kapitalgedeckter geförderter Altersvorsorge", damit das Einkommen "bis zum Lebensende sicher" sei.

"Bei kapitalgedeckten Lebens- und Rentenversicherungen gelten auch in Zeiten der Kapitalmarktkrise vertragliche Garantien weiter, und Versicherte werden wie in den Jahren zuvor an den erwirtschafteten Überschüssen beteiligt", argumentieren die Versicherer. Für eine "steuerliche Gleichstellung" der Anlagearten hatte der Fondsverband BVI bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer gekämpft. Die damalige Bundesregierung hatte Lebensversicherungen in bestimmten Fällen von der Abgeltungsteuer ausgenommen. Während auf Erträge von Fondssparplänen die 25-prozentige Steuer anfällt, werden die Erträge von Lebensversicherungen zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert.

Das Argument der Versicherer, die Policen böten mehr Sicherheit bei Börsenverlusten, lässt die Fondsbranche nicht gelten: Anleger sollten selbst wählen können, ob sie eine Kapitalgarantie wünschten. Wem dies wichtig sei, der könne in Fonds mit Garantie ansparen. Das zweite Argument der Versicherer: Nur Policen böten Absicherung gegen biometrische Risiken wie das der Langlebigkeit. Der Gesetzgeber habe mit dem Jahressteuergesetz Anfang 2009 "deutlich gemacht, dass er unter Altersvorsorge mehr als Sparen versteht", so der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Auch in der betrieblichen Altersvorsorge fordert die Branche "mehr Wahlfreiheit für Arbeitnehmer". So spricht sich der BVI für ein Pendant zur Direktversicherung aus - einen Direktfonds. Arbeitnehmer sollten steuer- und sozialversicherungsfrei über Entgeltumwandlung in Fonds sparen dürfen. Diese könnten nach Vorbild der Riester-Rente eine Kapitalgarantie bieten. In Unternehmen ohne Versorgungskasse nutzen Arbeitnehmer bislang oft die Direktversicherung. Hier sieht die Fondsindustrie Absatzpotenzial. Das wollen die Versicherer verhindern. Der GDV verweist auf die USA, wo intensiv über falsch betriebene Altersvorsorge debattiert wird. "In den USA wird gerade über die Abschaffung der dort weit verbreiteten 401(k)-Pläne diskutiert. Weil viele Pensionäre über solche aktienbasierten Konten vorgesorgt haben, müssen sie jetzt ihren Ruhestand verschieben und weiter arbeiten", moniert Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer des GdV. "Es wäre absurd, wenn ausgerechnet nach dem zweiten Jahrhundert-Crash in Deutschland die Leute für ihre Altersvorsorge im großen Stil in Aktien getrieben werden sollten."

Überdies fordert der BVI gleiche Transparenz für alle Anlageprodukte. Laut GDV betone der Koalitionsvertrag mit Blick auf den Verbraucherschutz die Vorbildfunktion der Versicherungswirtschaft etwa bei Qualifikation und Berufshaftpflicht.

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