Amaranth hat sich verspekuliert
Hedge-Fonds-Verluste schüren Angst vor Finanzkrise

Die Krise des US-Hedge-Fonds Amaranth heizt die Diskussion über eine schärfere Überwachung der bisher kaum regulierten Branche an. Die Bundesbank nahm die Schieflage zum Anlass, erneut härtere Kontrollen für die Fonds zu fordern, die mittlerweile weltweit ein Vermögen von rund 1,2 Bill. Dollar kontrollieren.

HB LONDON/NEW YORK. Amaranth hat sich am Erdgasmarkt verspekuliert. Der bisherige Starhändler Brian Hunter verlor innerhalb kürzester Zeit rund fünf Mrd. Dollar. Das ist fast die Hälfte der 9,5 Mrd. Dollar, die die Gesellschaft insgesamt verwaltet. Anfang August hatte eine ähnliche Schieflage das Aus für den Hedge-Fonds Mother Rock mit einem Volumen von 400 Mill. Dollar bedeutet. Seit 2004 gaben 500 Hedge-Fonds wegen enttäuschender Wertentwicklung auf.

Erst vor kurzem hatte Steve Cohen, Chef des Hedge-Fonds SAC Capital und einer der Stars der Branche, vor einem harten Ausleseprozess gewarnt. Wegen der enormen Mittelzuflüsse würden sich immer mehr Hedge-Fonds auf eine begrenzte Zahl guter Investmentideen stürzen. Deshalb müssten die Fonds immer größere und immer längere Wetten riskieren. Seit Jahresbeginn sind den Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge über 20 Mrd. Dollar in Hedge-Fonds geflossen, die in Energie und Rohstoffe investieren. Zu den Investoren von Amaranth zählen auch die Kunden der Deutschen Bank. Ähnlich wie Morgan Stanley, Credit Suisse und andere Großbanken bietet das Frankfurter Geldhaus Anlegern Dach-Hedge-Fonds an, die einen Teil ihrer Mittel in die Amaranth-Fonds investiert haben.

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zum Ausmaß des Schadens äußern, aber zumindest ein prominenter Anbieter droht durch sein Engagement in die roten Zahlen zu rutschen. Der größte börsengelistete Dach-Hedge-Fonds, Dynamic Opportunities von Goldman Sachs, warnte seine Aktionäre, dass die Krise von Amaranth im September zu Verlusten von bis zu drei Prozent führen könnte. Die Warnung kommt nur zwei Monate, nachdem Goldman den Fonds mit einem Rekordvolumen von 400 Mill. Euro an die Londoner Börse gebracht hat.

Aus Kreisen der Deutschen Bundesbank hieß es gestern, die Krise unterstreiche die Bedeutung des Vorschlags, die Hedge-Fonds von anerkannten Ratingagenturen bewerten zu lassen. Außerdem zeige der Vorfall, dass sich Notenbanken und Bankenaufseher intensiv mit Fragen der mangelnden Transparenz von Hedge-Fonds und der Risiken für das internationale Finanzsystem befassen müssten. Bundesbank-Vorstand Edgar Meister hatte im Mai gefordert, dass die Fonds sich freiwillig von Ratingagenturen überprüfen lassen sollten. Die beiden führenden Anbieter Standard & Poor’s und Moody’s bereiten entsprechende Initiativen vor.

Die Handelsverluste von Amaranth sind die größten, seit der Hedge-Fonds Long-Term Capital Management 1998 mit Investitionen in Staatsanleihen vier Mrd. Dollar verlor. Damals organisierte die US-Notenbank eine Stützungsaktion mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Dollar, um die Stabilität Finanzsystems zu sichern. „Die Fehlspekulation von Amaranth war aber keine Gefahr für die Systemstabilität“, sagte gestern ein Londoner Hedge-Fonds-Manager. Schließlich habe der Fonds bislang alle Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kunden und Gläubigern erfüllt.

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