Analystenzahlen
Fondsabsatz in Europa schwächelt wie noch nie

Die niedrigsten Verkaufszahlen seit Beginn der Aufzeichnungen machen der Branche zu schaffen. Nur DWS und Barclays können sich 2007 vom schlechten Trend abkoppeln. Experten prognostizieren eine Erholung frühestens für September.

FRANKFURT. Die Bilanz ist ernüchternd: Im vergangenen Jahr setzten die Investmentgesellschaften in Europa Fondsanteile im Gegenwert von netto 87,2 Mrd. Euro ab – deutlich weniger als im Vorjahr mit 346,6 Mrd. Euro. Diese Daten veröffentlichte jetzt die Londoner Analysefirma Lipper Feri. „Das ist ein Negativrekord, so niedrig waren die Verkaufszahlen seit Beginn unserer Datenerfassung vor sieben Jahren noch nie“, sagt Lipper-Feri-Geschäftsführerin Diana Mackay.

Verantwortlich für diese schlechte Bilanz sind die Trendwenden beim Absatz von Aktien- und Rentenfonds. Auf der Aktienseite flossen 2007 rund 15,6 Mrd. Euro ab, nach massiven Zuflüssen von 120 Mrd. Euro im Vorjahr. „Die Hypothekenkrise im zweiten Halbjahr verschärfte zwar die Lage, aber die Zahlen waren schon vorher schlecht, weil viele Anleger nach langer Aktienhausse Gewinne mitnahmen“, sagt Mackay. Auch die Bonds schwächelten. Hier weiteten die Investoren ihre Abzüge von 13,5 Mrd. Euro im Jahr 2006 auf 87,2 Mrd. Euro aus.

Die Flucht in sichere Geldmarktfonds in Höhe von 121 Mrd. Euro rettete die gesamte Absatzbilanz vor einem Sturz in die roten Zahlen. Allerdings gab es auch hier eine krisenbedingte Differenzierung: Die klassischen Geldmarktfonds erlebten einen Zustrom von 147,3 Mrd. Euro. Dagegen zogen die Anleger aus den in Misskredit geratenen Geldmarkprodukten mit teilweisen Beimischungen von heiklen forderungsbesicherten Papieren 26,3 Mrd. Euro ab – nach einem Plus von 40 Mrd. Euro im Vorjahr.

Ungeachtet des Branchentrends verbuchten einige Anbieter zweistellige Milliardenzuflüsse. An der Spitze stehen die Deutsche Bank und ihre Fondstochter DWS, dahinter die Anlagesparten von Barclays und Goldman Sachs (siehe „Top Ten der Gesellschaften“).

Für das laufende Jahr sind die Aussichten eher durchwachsen. „Frühestens im September könnte es besser werden, aber nur wenn sich die Märkte stabilisieren“, sagt Mackay. Henrik Takkenberg, Leiter Europavertrieb bei der DWS, erkennt länderspezifische Unterschiede für die Absatzperspektiven: „Insbesondere Spanien, Italien und die Schweiz dürften sich schwer tun, während in Großbritannien und Zentraleuropa die Nachfrage nach Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa steigen sollte.“

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