Anlagebetrug
Hedge-Fonds-Manager unter Beschuss

Erst fehlten 65 Milliarden Dollar bei Bernard Madoff, dann flog Galleon-Chef Raj Rajaratnam auf und bildete den Anfang einer Verhaftungsserie. Seit Wochen schlagen die amerikanischen Behörden bei Hedge-Fonds zu. US-Ermittler nahmen nun weitere mutmaßliche Anlagebetrüger fest. EU-Politiker fordern wegen der Skandale eine noch schärfere Aufsicht der Branche.
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asd/mm/rut/sos NEW YORK Ende vergangener Woche allein gab es 15 neue Anklagen im Zusammenhang mit Insider-Handel. Betroffen sind Hedge-Fonds-Manager genau so wie Anwälte, Unternehmer und ein Analyst. Eine Rolle spielen dabei offenbar Wegwerf-Handys und Bargeld, das in Papiertüten weitergereicht wird – als Dank für illegale Informationen.

Fünf der Angeklagten haben sich bereits schuldig bekannt und sind bereit auszupacken. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge könnte deshalb auch einer der größten und erfolgreichsten amerikanischen Hedge-Fonds, SAC Captial Advisors, ins Visier der Ermittler geraten.

Schon seit dem Madoff-Skandal will US-Präsident Barack Obama die Hedge-Fonds an die Leine nehmen. Sie sollen sich genauso wie private Beteiligungsgesellschaften künftig bei der Börsenaufsicht SEC registrieren müssen. Dafür haben sie ein Jahr Zeit.

Doch nicht nur in den USA gerät die Branche unter Druck. Immer mehr Regulierer wollen den bislang weitgehend unregulierten Fonds die Daumenschrauben anlegen: Nach den jüngsten Betrugsskandalen bei Hedge-Fonds wird im Europaparlament die Forderung laut, die Finanzbranche noch strenger als bisher geplant zu regulieren. „Hedge-Fonds-Manager sollten dazu verpflichtet werden, sich selbst an ihrem Fonds zu beteiligen. Ein gewisser Grad an Eigenhaftung muss sein“, sagte Europaparlamentarier Burkhard Balz (CDU).

Der bisherige Richtlinienentwurf der EU-Kommission zu Hedge-Fonds und Private Equity enthält eine solche Eigenhaftung der Fondsmanager nicht. „Es wird jetzt im Parlament aber diskutiert, diesen Punkt in den Richtlinientext aufzunehmen“, sagte Balz.

Bislang plant EU-Kommissar Charlie McCreevy neue Regeln für Hedge-Fonds mit Aktiva von 100 Mio. Euro aufwärts. Die träfen vor allem die Manager: Jeder dritte müsste sich demnach bei der Finanzaufsicht seines Heimatlandes registrieren lassen und seine Geschäftstätigkeit sowie das Risikomanagement gegenüber Aufsehern und Investoren offenlegen. „Transparenz bei Hedge-Fonds ist oberstes Gebot für den Anlegerschutz“, sagt auch Europaparlamentarier Werner Langen (CDU).

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