Anlageprofi zu Dividendenfonds
„Dividenden bieten nicht automatisch Sicherheit"

Sparzinsen sind abgeschafft, Dividenden sollen die Ertragslücke füllen. Der Manager des größten Dividendenfonds erklärt, warum offensive Strategien zuletzt erfolgreicher waren und womit Anleger künftig rechnen müssen.
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Dividenden sind ein Modethema in der Anlagebranche. Wer hier nach Orientierung sucht, der spricht idealerweise mit jemandem, der schon vor den modischen Zeiten dabei war. Zu den wenigen alten Hasen zählt Thomas Schüßler. Der 44-jährige steuert seit zehn Jahren bei Deutsche Asset & Wealth Management den größten Dividendenfonds, den „DWS Top Dividende“.

Herr Schüßler, Sie sind einer der dienstältesten Fondsmanager für das Anlagethema Dividenden. Was ist heute anders als zu der Zeit als Sie begannen?
Ich betreue den Fonds seit zehn Jahren, hatte mich vorher auf Value-Aktien und damit unterbewertete Titel konzentriert – beide Themen liegen ja eng beieinander. Aber zur Startzeit gab es nur wenige Dividendenfonds. Das Thema kam erst richtig hoch in der heißen Phase der Finanzkrise 2008. Danach wurden die meisten Fonds für das Thema aufgelegt.

Was bedeutet das aus Anlegersicht?
Die Börsen laufen jetzt seit sechs Jahren nach oben. Die meisten Fondsmanager für Dividendenprodukte haben demnach noch keine schlechte Marktphase durchgemacht.

Das heißt, Anleger müssen vorsichtig sein?
Bei den älteren Fonds kann man zumindest abschätzen, wie die sich in einer schwierigen Marktphase verhalten. Bei den später aufgelegten Produkten ist das kaum möglich.

Anleger sollten also auf das Auflagedatum schauen?
Ja, aber das bedeutet nicht: Einen älteren Fonds sollte man kaufen, bei einem jüngeren vorsichtiger sein. Wichtiger ist: Dividendenfonds scheinen entweder eine vorsichtige oder offensive Grundhaltung beim Investieren zu haben. In den Ranglisten über die vergangenen Jahre stehen die oben, die nach 2008 gut aussahen, also tendenziell offensiv anlegen.

Gilt das nicht für Aktienfonds generell?
In der Tat gilt das häufig. Aber Dividendenfonds betrachten Anleger noch einmal anders. Das Stichwort Dividende suggeriert ihnen eine gewisse Sicherheit, einen Risikopuffer. Sie erwarten, dass ein Dividendenfonds in schwierigen Börsenzeiten weniger verliert als ein normaler Aktienfonds. Aber das ist eben nicht automatisch so.

Sie haben das wichtige Börsencrash-Jahr 2008 erwähnt. Hat sich danach so etwas wie ein Hype um Dividendenfonds gebildet?
Das Interesse ist stark gestiegen, es wurden viele Produkte aufgelegt mit teilweise hohen Volumina. Es liegt natürlich am Zinsumfeld. Wir haben eine durch die Geldpolitik induzierte Blase am Anleihemarkt. Auf der anderen Seite sind Aktien heute auch deutlich teurer als vor Jahren. Aber solide Dividendentitel haben meiner Meinung nach kein übermäßig großes Risiko im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten.

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