Anlagerisiken stecken im Detail: Beratung muss den richtigen Weg zeigen

Anlagerisiken stecken im Detail
Beratung muss den richtigen Weg zeigen

Auch Privatanleger können mittlerweile ohne weiteres Einzelfonds erwerben. Zwar dürfen die Anbieter für diese Fonds nicht öffentlich werben. Sie dürfen dieser privaten Kundengruppe aber Einzelfonds im Rahmen von Privatplatzierungen anbieten. Was also sollen Anleger berücksichtigen, wenn sie über den Einstieg in die Anlageklasse Hedge-Fonds nachdenken?

HB DÜSSELDORF. Man kann nicht alles haben - diese Einsicht gilt, wie so oft im Leben, auch beim Hedge-Fonds-Investment. Setzt der Investor auf Diversifikation, auch wenn er die mit weniger Transparenz und und niedrigerer Wertentwicklung bezahlen muss? Oder wählt er doch lieber die klare Ausrichtung, verbunden mit größeren Investmentrisiken und höherer Volatilität?

Schon mit der Überlegung, ob ein Dachfonds die Risiken des Hedge-Fonds-Investments wirklich reduziert, beginnt der eigentliche Auswahlprozess. Und auf den sollte der Investor die nötige Sorgfalt verwenden: Ein Dachfonds, der ein deutliches Schwergewicht in einer einzelnen oder nur wenigen, aber eng miteinander verbundenen Hedge-Fonds-Strategien hat, wird vermutlich kein großes Diversifizierungspotenzial aufweisen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die zusätzlichen Kosten für das aktive Management dieses Fonds durch positive Effekte auf Seiten der Volatilität wettgemacht werden.

Dem gegenüber ist die Entscheidung für einen Einzelfonds eine klare Aussage für eine bestimmte Strategie. Doch die muss im Kontext erwarteter Marktentwicklungen wie auch des Gesamtportfolios geprüft werden. Wie viel Ertrag für wie viel Risiko? Diese Grundfrage stellt sich hier wie bei jedem anderen Investment. Der simple Zusammenhang gilt auch bei Hedge-Fonds: je größer der Ertrag, desto höher das Risiko.

Sorgfältige Produktauswahl erforderlich

Immer sollte eine klare Unterscheidung der beiden Investmentmöglichkeiten die Entscheidungsgrundlage bilden. Dachfonds sollen nachweisbar diversifiziert sein und auf ein realistisches Ertragsziel hin arbeiten. Einzelfonds sollten sich hingegen durch eine klare Anlagestrategie definieren und diese seit ihrer Gründung verfolgen.

Was so selbstverständlich klingt, fordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit bei der Produktauswahl. Denn längst gibt es Dachfonds, die eine Fokussierung auf eine oder wenige Strategien aufweisen. Ebenso sind Einzelfonds erhältlich, die ihren Anlagestil ändern, sobald die Marktgegebenheiten dies opportun erscheinen lassen. Aus der Sicht des Hedge-Fonds-Managers mag das sinnvoll erscheinen. Für Investoren kann dies aber zu unerfreulichen Überraschungen führen.

Anforderungen an das Beratungsgespräch

Aus diesen Gründen sollte vor einem Investment das Beratergespräch einige wichtige Fragen beantworten. So ist die genaue Kenntnis der Investment-Richtlinien des empfohlenen Dachfonds empfehlenswert. Zudem sollte klar festgelegt sein, wie das Management über verschiedene Hedge-Fonds-Strategien diversifizieren kann. Im Fall der Strategieaufteilung sollte der Anleger darüber aufgeklärt werden, in welchen Grenzen sich diese bewegen darf.

Mit Blick auf die Auswahl der Einzelfonds sollte der Anleger vorab erfahren, ob dem Fonds-Management eine freie Auswahl der Hedge-Fonds möglich ist oder ob sich diese nur auf die hauseigenen Produkte der Dachfondsgesellschaft beschränkt. Ebenso wichtig ist die genaue Auflistung der mit dem Investment verbunden Kosten und deren Auswirkung auf die prognostizierte Wertentwicklung: Wurde sie mit oder ohne diesen Posten berechnet? Letztlich ist natürlich auch die Erfahrung des Managements von großer Bedeutung. Erst nach Beantwortung dieser Fragen kann sich zeigen, ob der empfohlene Dachfonds die Aufgabe der Diversifikation und die geplante Wertentwicklung auch erreichen kann.

Und bei der Bewertung von Einzelfonds? Anleger sollten grundsätzlich darauf achten, wie sich der Einzelfonds im Vergleich mit seinen Wettbewerbern entwickelt. Ein wichtiges Indiz einer großen Expertise und einer erfolgreichen, systematisch ausgebauten Strategie lässt sich an der Wertentwicklung des Fonds ablesen.

Vergleich mit der eigenen Portfolio-Struktur wichtig

Doch nicht nur die Fonds-Gestaltung ist bedeutsam, der Anleger sollte auch prüfen, ob der empfohlene Hedge-Fonds in die eigene Portfolio-Struktur passt - handelt es sich eher um einen Fonds mit einer aggressiven oder mit einer konservativen Strategie? Und natürlich muss auch beim Einzelfonds über die Erfahrung des Managements, die verfolgte Anlagestrategie sowie eine wirksame Risikokontrolle Klarheit herrschen.

Für beide Fälle ist gleichermaßen wichtig: Wie fließen die Informationen, und in welchen Abständen erhält der Investor Nachricht über die Entwicklung seiner Anlage? Und schon beim Einstieg sollte sich der Anleger nicht nur darüber aufklären lassen, wie sich der Einstieg in das Investment gestaltet, sondern auch darüber, wie der Mittelabzug im Detail aussieht. Dieser Aufwand lohnt, denn Hedge-Fonds bieten eine gute Diversifikation im Portfolio und die Möglichkeit, den Gesamtertrag zu verbessern.

Die meisten deutschen Banken, die Dachfonds anbieten, haben hierfür erfahrene externe Berater unter Vertrag genommen und Punkt für Punkt auf die oben beschriebenen Kriterien verpflichtet. Trotzdem gilt es für diese Häuser, ebenso wie beim klassischen Investment, dass Information, Auswahl und Entscheidung in Hinblick auf die Ziele des Investors und seiner vorhandenen Portfoliostruktur erfolgen muss, damit das neue Investment für den Anleger Sinn ergibt.

Klaus-Wilhelm Hornberg ist Produktmanager der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft mbH in Köln.

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