Anlageskandal
Liechtenstein vernimmt Vater der Justizministerin

Im Zuge der Untersuchungen gegen den mutmaßlichen deutschen Anlagebetrüger Helmut Kiener ermittelt die Staatsanwaltschaft im direkten Umfeld der Justizministerin von Liechtenstein. Der Vater der Justizministerin war als Direktor der Vertriebsgesellschaft K1 Fund Distribution tätig. Mehrere hundert Mio. Euro sollen in dem Anlageskandal verschwunden sein.
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HAMBURG/FRANKFURT. Der Vater von Justizministerin Aurelia Frick, Anton Frick, bestätigte dem Handelsblatt, dass er über mehrere Stunden hinweg von liechtensteinischen Behördenmitarbeitern vernommen worden sei. Anton Frick bestritt jedoch jegliche Schuld in dem Anlageskandal um Kieners K1-Fonds, in dem mehrere hundert Mio. Euro verschwunden sein sollen. Kiener sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft in Würzburg. Die deutschen und liechtensteinischen Behörden kooperieren.

Der Vater der Justizministerin geriet deshalb ins Visier der Ermittler, weil er ab Dezember 2008 als Direktor der Vertriebsgesellschaft K1 Fund Distribution in London tätig war. Sie hatte kaum operatives Geschäft, gehörte jedoch zum Kiener-Netz. Die Staatsanwaltschaft Liechtenstein wollte nicht sagen, ob Frick als Zeuge oder als Verdächtiger vernommen wurde und ob sie Unterlagen bei Frick beschlagnahmte. Diese Frage könne er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht beantworten, sagte Staatsanwalt Robert Wallner.

Ermittlungen wegen Verdachts auf Betrug und Geldwäsche

Er gab nur an, es werde insgesamt gegen fünf Personen wegen Verdachts auf Betrug und Geldwäsche ermittelt. Unklar ist, warum gegen die Justizministerin Aurelia Frick ausdrücklich nicht ermittelt wird. Sie war von August bis Dezember 2008 Direktorin bei K1 Fund Distribution, also Vorgängerin ihres Vaters.

Beide, Aurelia und Anton Frick, geben an, Helmut Kiener nicht zu kennen und erst im Nachhinein durch die Presse erfahren zu haben, dass es sich bei K1 Fund Distribution um eine Vertriebsgesellschaft von Kieners K1-Fonds handelte. Die Frage, warum Aurelia Frick, die seit März 2009 Justizministerin von Liechtenstein ist, nicht wenigstens eine Suchmaschinenabfrage über K1 machte, bevor sie für den Jahresabschluss von K1 Fund Distribution verantwortlich zeichnete, konnte ein Regierungssprecher nicht beantworten. Eine solche Abfrage hätte unter anderem ergeben, dass die deutsche Finanzaufsicht Kiener schon 2001 untersagt hatte, für seine K1-Fonds Geld einzusammeln.

Nach Angaben der Fricks kamen sie zu K1 über einen Bekannten, nämlich Frank Weber, den Geschäftsführer der Swiss Select Asset Management AG. Weber war zugleich Gesellschafter von K1 Fund Distribution. Er erklärt, die Ermittlungen in Sachen K1 seien ein großer Irrtum. "Es gab nachweislich keinen Betrug und keine Geldwäsche", sagt Weber. Seine Vermutung ist, dass Kieners K1- Fonds deshalb hohe Verluste gemacht haben, weil sie mit sehr viel Fremdkapital arbeiteten.

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