Anlagestrategie
Dividendenfonds sprudeln nicht mehr

Die Krise stellt bewährte Strategien auf den Kopf. Bisher galt: Dividendenstarke Aktien spielen ihre Stärke vor allem in schwachen Börsenphasen aus. Heute hinken Fonds und Zertifikate mit dividendenstarken Aktien dem Gesamtmarkt hinterher. Besonders Bankentitel belasten das Portfolio.

DÜSSELDORF. Fonds und Zertifikate mit dividendenstarken Aktien als Anlageschwerpunkt hinken dem Gesamtmarkt seit Beginn der Finanzkrise deutlich hinterher. Das hat viele Anleger überrascht, denn historisch spielte die so genannte Dividendenstrategie - also die Investition in die dividendenstärksten Werte des jeweiligen Anlageuniversums - ihre Stärken vor allem in schwachen Börsenphasen aus. Dann zählen für Investoren Ausschüttungen in Form von Dividenden mehr als Umsatz- und Gewinnwachstum. Zudem gelten Aktien mit planbaren und attraktiven Dividendenrenditen als abgesichert gegenüber hohen Kursverlusten.

Derzeit sind diese historischen Phänomene aber auf den Kopf gestellt. Anleger orientierten sich wieder stärker am Gewinnwachstum denn am Substanzwert der Aktien, beobachtet Fondsanalyst Werner Hedrich von Morningstar Deutschland. Ein weiterer Grund: "Die Dividendenstrategie lieferte in den vergangenen Monaten nur unterdurchschnittliche Erträge, weil die Finanzwerte in den meisten Dividendenfonds hoch gewichtet sind", sagt Hedrich.

Aus Bank - und Versicherungstiteln aber sind viele Anleger geflüchtet. Hohe Dividendenrenditen von deutlich mehr als fünf Prozent konnten sie bisher nicht locken, da sie Zweifel an der Nachhaltigkeit der Ausschüttungen über die kommenden Jahre hegen. Auf Grund der optisch attraktiven Dividendenrenditen griffen dagegen zahlreiche Dividendenfonds bei Finanzwerten beherzt zu und haben nun entsprechende Einbußen erlitten. Folglich ist auch die Gewichtung der Finanztitel der entscheidende Wettbewerbsfaktor im Vergleich von Kursentwicklung und Perspektiven europäischer Dividendenfonds. "Vor allem quantitativ verwaltete Investmentfonds litten unter der sehr schwachen Kursentwicklung des Finanzsektors", sagt Jan Richter, Analyst der Münchener Fondsconsult. Diese Fonds hätten zurzeit gegen den Trend hohe Positionen in Finanzwerten aufgebaut.

Die Spanne der aktuellen Gewichtung von Finanzwerten in europäischen Dividendenfonds und-indizes reicht von 20 Prozent des Fondsvermögens im DWS European Dividend Plus bis zu 58 Prozent im strikt passiv zusammengesetzten Dividendenauswahlindex Euro Stoxx Select 30, der als Indexfonds (ETF) und von verschiedenen Emittenten als Zertifikat verbrieft ist. Zum Vergleich: In den Standardwerteindizes Stoxx 50 für Europa und Euro Stoxx 50 für die Eurozone beträgt die Gewichtung der Finanzwerte derzeit jeweils rund 35 Prozent.

Mit einer aktuellen Gewichtung von 27 Prozent für Finanzwerte agiert Berndt Maisch als Manager des 1999 gegründeten und mit 1,9 Mrd. Euro volumenstärksten europäischen Dividendenfonds schon seit gut einem Jahr eher vorsichtig. Die Vorsicht brachte den Fonds an die Spitze der aktiv verwalteten Europa-Dividendenfonds über drei Jahre. Allerdings hat Maisch nach eigenen Angaben im März Bankwerte wie BNP Paribas, die spanische Bank BSCH sowie die italienische Unicredit zugekauft, die nun alle drei in die zehn größten Positionen des Fonds aufgerückt sind. Bei der Titelauswahl stützt er sich auch auf die Meinung des Anleihenfondsmanagements und hat besonders die Risiken der Banken im Auge. "Die Kunst, Banken zu bewerten, war wohl noch nie so schwierig wie derzeit", sagt Maisch.

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