Anlagestrategie
Keine Angst vor Aktien

Mit frischen Geld hat die US-Notenbank die heimische Wirtschaft angebtrieben. Nun beteuern die Notenbanker, die verabreichte Überdosis Liquidität rechtzeitig wieder zu absorbieren bevor Inflationsängste aufkommen. Anleger sollten misstrauisch sein und ihr Geld möglichst inflationssicher anlegen - auch in Unternehmenanteile. Ein Gastbeitrag von Kurt von Storch und Dirk Schmitt.
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KÖLN. Die US-Notenbank wird in den kommenden Monaten weitere Staatsanleihen im Umfang von 600 Mrd. US-Dollar aufkaufen und so ihre Bilanzsumme weiter ausdehnen. Damit beteiligt sich die Fed mit druckfrischen Dollarnoten an der Finanzierung des Staatsdefizits, de facto läuft die Gelddruckmaschinerie auf Hochtouren.

Zwar beteuern die Notenbanker, die verabreichte Überdosis Liquidität beim Aufkeimen von Inflationserwartungen rechtzeitig wieder zu absorbieren. Doch vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise wirkt das wie ein Lippenbekenntnis. Der mit einem Stopp der Anleihekäufe verbundene Zinsanstieg würde die fiskalischen Sünder in den Ruin treiben. Da zudem ein rigider Sparkurs am Widerstand der betroffenen Interessengruppen scheitern dürfte, erscheint ein geordneter Ausstieg aus der destruktiven Politik des billigen Geldes quasi ausgeschlossen.

Die Geldmengenexpansion wird sich über kurz oder lang in steigenden Verbraucherpreisen niederschlagen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie sie ihr Vermögen schützen können. Zunächst sollten sich Investoren vom Trugschluss verabschieden, Staatsanleihen seien risikolos und Aktien riskant. Möglicherweise hängt diese "Aktienphobie" mit den traumatischen Erfahrungen zweier Crashs in Folge zusammen, so dass die täglich schwankende Börsennotiz selbst den Aktien stabiler Unternehmen den Anschein spekulativer Unstetigkeit verleiht. Die reflexartige Flucht in vermeintlich "sichere" Staatsanleihen dürfte sich aber schon bald als verhängnisvoll erweisen, wenn manche Staaten ihre Schulden nicht mehr bedienen können oder sich die Geldschwemme in einer spürbar höheren Inflation entlädt. Der kontinuierliche Anstieg des Krisenbarometers Gold ist ein unübersehbares Zeichen dafür, dass das Vertrauen verloren geht.

Sachwerte statt Nominalwerte lautet die Devise. Die Erkenntnis, dass Sachwerte die in diesem Umfeld beste Anlage sind und das dazu auch rentierliches Sachkapital in Form von Aktien zählt, hat den Kursen zuletzt starken Auftrieb verliehen. Wichtige institutionelle Anlegergruppen haben noch enormen Nachholbedarf bei ihren Aktienengagements. Dennoch sollte das aktuelle Kursniveau gut nach unten abgesichert sein. Dafür spricht die Geldschwemme der Notenbanken.

Allerdings wäre es töricht, jetzt etwa durch den Kauf von Indexzertifikaten blind in Aktien zu investieren. Nach dem Motto "Qualität ist Trumpf" sollte das Hauptaugenmerk auf Aktien erstklassiger, global agierender Unternehmen mit hoher Dividendenrendite liegen, die aufgrund ihres Sachwertcharakters und ihrer globalen Diversifikation sicherer sein dürften als die Staatsanleihen ihres Heimatlandes.

Fazit: Die Staatsschuldenkrise lässt Aktieninvestments in anderem Licht erscheinen. Gerade die Beteiligung an einem Unternehmen sollte durch die Kombination von laufendem Ertrag und inflationsindexierter Kursentwicklung neben Gold, Rohstoffen und Immobilien den bestmöglichen Schutzschirm für das Vermögen bieten. Dafür muss man mit einer stärkeren Schwankung seiner Geldanlage leben.

Kurt von Storch ist Vorstand und Dirk Schmitt ist Investment Analyst bei der Flossbach & von Storch AG.

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