Anlageverhalten der Profis
Fondsmanager gehen nur taktische Wetten ein

Die Unsicherheit über die Entwicklung des globalen Wirtschaftswachstums überschattet Optimismus aus Rettungsaktionen für Finanzsysteme. Fondsmanager rechnen mit weiteren starken Schwankungen, sehen langfristig aber Kurspotenzial.

FRANKFURT. Fondsmanager der großen deutschen Investmenthäuser sehen mittel- bis langfristig Kurspotenzial bei Aktien - vor allem aufgrund des krisenbedingt starken Rückgangs der Kurse. Allerdings rechnen sie weiterhin mit starken Schwankungen der Kurse und kaufen daher vorsichtig und nur sehr selektiv Titel zu, wie etwa die Aktienfondsmanager von Allianz Global Investors berichten. Bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS haben die Fondsmanager den extremen Kursrutsch Ende vergangener Woche für ausgewählte Käufe genutzt.

Von einem aktuellen taktischen Übergewicht bei Aktien spricht Victor Moftakhar, Leiter Aktienfonds bei der Deka. Da die Volatilität aber extrem hoch sei, könne sich das rasch wieder ändern. So lange nicht erkennbar sei, wie stark und anhaltend der globale Wirtschaftsabschwung infolge der Finanzkrise werde, bleibe die Unsicherheit bestehen.

Auch Max Holzer, Leiter Asset Allocation bei Union Investment, rät Fondsmanagern von gemischten Portfolios aktuell Aktien leicht überzugewichten, um sehr günstige Bewertungen auszunutzen. Man setze die Hoffnung auf eine mögliche Stabilisierung der Finanzsysteme durch das Engagement der Regierungen und Notenbanken. Chancen gebe es bei niedrig bewerteten Titeln, meint er. Wichtige nachhaltige Impulse von der Konjunktur-Seite ließen hingegen noch auf sich warten.

Anleihen sehen die Fondsmanager eher unterschiedlich. Manche setzen auf weitere Kurssteigerungen im Zuge der ökonomischen Eintrübung, andere sehen hier nur noch wenig Kurspotenzial.

Extrem pessimistisch zeigten sich die internationalen Vermögensverwalter, die an der viel beachteten Umfrage von Merrill Lynch teilnehmen. Die vom 3. bis 9 Oktober befragten Fondsmanager sehen die Weltwirtschaft bereits in einer Rezession und halten die Geldpolitik der führenden Notenbanken trotz der konzertierten Zinssenkung in der vergangenen Woche noch für zu restriktiv. Daher halten die meisten ihr Geld liquide oder in Anleihen und gewichten Aktien deutlich unter.

Interessant ist, dass die Mehrheit der Vermögensverwalter Aktien inzwischen wieder für günstig bewertet hält. Dies, hohe Bargeldquoten und ein geringer Risikoappetit gehören der Erfahrung nach zu den historisch klassischen Ausgangslagen für eine Aktienmarkterholung, wie Merrill Lynch aufzeigt. Bislang fehle im Umfeld schwacher Konjunktur allerdings ein Auslöser, schreiben die Experten. Einen solchen Ruck bewirken könne aber eine Veränderung in der Wahrnehmung der geldpolitischen Bedingungen bei den Investoren.

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