Anlegen im Rückwärtsgang: Riskante Wette auf fallende Kurse

Anlegen im Rückwärtsgang
Riskante Wette auf fallende Kurse

Wenn die Märkte den Rückwärtsgang einlegen, spielen spezielle Indexfonds ihre Stärken aus. Das kann eine riskante Abwärtsspekulation zur Folge haben.
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FrankfurtAktien haben in diesem Jahr weltweit den besten Start seit 18 Jahren hingelegt, doch Experten warnen: Schon bald dürften die Schwankungen der Märkte wieder zunehmen.

So steht der gegenwärtige Optimismus an den Börsen laut Einschätzung von Analysten der Landesbank Berlin auf wackeligen Beinen: Europas Schuldenkrise sei nicht behoben und auch die Wachstumsaussichten der Industriestaaten blieben auf längere Sicht trübe. Die Gefahr von Kursrückschlägen habe daher stark zugenommen.

Viele Anleger teilen die Skepsis der Fachleute: Sie setzen derzeit auf spezielle Indexfonds, die von fallenden Börsenkursen profitieren. Doch diese Produkte bergen Tücken, die man auf den ersten Blick nicht erkennt, warnen selbst die Anbieter.

Dabei wirken die als "Short-ETF" bezeichneten Fonds gerade auf Privatanleger attraktiv, denn ihre Funktionsweise erscheint dem Nichtprofi plausibel: "Genauso wie alle börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETF), bilden sie die Entwicklung eines Aktien-, Anleihe- oder Rohstoffindexes nach", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer der ETF-Sparte der Commerzbank. "Im Gegensatz zu herkömmlichen Indexfonds orientieren sich Short-ETFs aber an speziellen Indizes, die sich spiegelverkehrt zu den Anlagemärkten entwickeln."

Beispielsweise steigt der Wert des meistgehandelten Indexfonds für Börsenpessimisten um ein Prozent, wenn der Dax an einem Tag um den gleichen Prozentsatz fällt - und umgekehrt. Das klingt simpel. Dennoch bereitet der Fonds vielen Kleinanlegern Kopfzerbrechen. Wer vor einem Jahr Anteile an diesem Produkt der Deutsche-Bank-Tochter X-Trackers gekauft hat und seitdem im Depot hält, verzeichnet mittlerweile eine Rendite von plus/minus null - obwohl der deutsche Leitindex im selben Zeitraum rund zehn Prozent eingebüßt hat und der Fonds die Verluste doch eigentlich eins zu eins in Gewinne ummünzen soll.

Die Ursache für die Lücke zwischen erwarteter und tatsächlicher Performance erläutert Eric Wiegand, ETF-Experte der Deutschen Bank: "Die exakte Umwandlung von Dax-Verlusten in Fondsgewinne ist nur auf Tagesbasis gewährleistet. Bei längerer Haltedauer kann die Entwicklung des Short-Fonds von der gegensätzlichen Wertentwicklung des Dax abweichen." Als Faustregel gelte, dass eine solche Gefahr mit den Schwankungen beim Dax zunimmt.

Schuld sind nicht etwa Konstruktionsfehler, sondern die Tücken der Prozentrechnung. Ein Beispiel veranschaulicht das Problem: Angenommen, der Dax steigt an einem Tag um 5 Prozent von 6 000 auf 6 300 Punkte, dann verliert der Short-Fonds entsprechend 5 Prozent. Büßt der Dax nun am Folgetag die zuvor gewonnenen 300 Punkte wieder ein, dann ist er wieder da, wo er zwei Tage zuvor war - hat aber bezogen auf den Stand von 6300 Punkten nur 4,8 Prozent verloren. Der Short-Fonds steigt entsprechend auch nur um 4,8 Prozent - liegt aber immer noch unter seinem Ausgangswert.

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