Anlegen in der Krise Das Märchen von der sicheren Geldanlage

In Zeiten einer ausufernden Staatsverschuldung sind neue Steuern und Abgaben unvermeidlich. Vermögenden Anlegern wird empfohlen, Gold, Immobilien oder Grundstücke zu kaufen - möglichst weit weg von Staat und Papiergeld. Aber was bedeutet die Staatsverschuldung in Deutschland für den Privatanleger?
  • Andreas Beck (Institut für Vermögensaufbau)
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Selbst sichere Industriestaaten wie Deutschland haben mit der Verschuldung zu kämpfen. Quelle: dpa

Selbst sichere Industriestaaten wie Deutschland haben mit der Verschuldung zu kämpfen.

(Foto: dpa)

MÜNCHEN. Der Staat scheint pleite. Gemeint sind nicht etwa Irland und Griechenland, sondern die ausufernden Staatsverschuldungen führender Wirtschaftsnationen wie Deutschland, USA oder auch Japan. Was dies bedeutet, wird kontrovers diskutiert: Experten sprechen vom Zusammenbruch unseres auf Papiergeld basierenden Währungssystems bis hin zu einem Totalausfall der heute noch als sicher geltenden Staatsanleihen. Vermögenden Anlegern wird empfohlen, Gold, Immobilien, landwirtschaftlichen Grund oder ähnliches zu kaufen - möglichst weit weg von Staat und Papiergeld. Aber was bedeutet die Staatsverschuldung in Deutschland für den Privatanleger?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick in die Geschichte: Vor etwa 2800 Jahren in der archaischen Welt gab es kein Privateigentum. Alle und alles gehörte dem Tyrannen. Dieser musste erst vertrieben werden, damit unser moderner Staat als eine der außerordentlichsten Erfindungen der Menschheit möglich wurde. Er entstand im alten Griechenland durch die explizite Trennung von Macht und Eigentum und stellt damit das Gegenmodell zur Tyrannis dar. Der Staat (Polis) in seiner Idealform ist selbst eigentumslos, dennoch besteht sein originärer Zweck im Schutze des Eigentums durch Militär, Polizei und Gericht. Die privaten Haushalte (Oikos) finanzieren dafür den Staat über eine Steuer.

Der Grundsatz "Ohne Staat kein Privateigentum, und ohne Privateigentum kein Staat" gilt im Übrigen noch heute. So fordert auch das Grundgesetz, dass "Eigentum verpflichtet". Gemeint ist, dass Eigentum der Gesellschaft dient, und andersherum die Gesellschaft dem Eigentum dient.

Dieser Kontext macht deutlich, warum die Bonität eines Staates nicht am Staatsvermögen oder an der Staatsverschuldung hängt, sondern am Wert seines Steuermonopols. Ölquellen als Ausnahme einmal außen vor gelassen - die Bonität eines Staates steht und fällt mit der Werthaltigkeit seines Steuermonopols, über das er die Möglichkeit hat, Privatvermögen in Staatsvermögen zu verwandeln. Daher ist zum Beispiel die Bonität Japans trotz extremer Verschuldung sehr gut. Die Privatwirtschaft ist solide. Es ist nur eine politische Entscheidung, wie stark sich der Staat über neue Abgaben saniert.

Das Gegenmodell ist Griechenland. Der Verschuldungsgrad ist deutlich unter dem Japans, aber das Steuermonopol scheint wenig wert zu sein. Ohne funktionierende Privatwirtschaft, in der die Erträge letztendlich erwirtschaftet werden, gibt es keine Staatseinnahmen via Steuern an diesen Erträgen.

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14 Kommentare zu "Anlegen in der Krise: Das Märchen von der sicheren Geldanlage"

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  • immobilien und Grundstücke gehören definitiv zu den sichersten Geldanlagen. Gerade in wirtschaftlich attraktiven Ländern, in denen noch nicht zu viel spekuliert wurde. Panama erlebt seit Jahren einen enormen Wirtschaftswachstum und auch immer mehr Ausländer zieht es in dieses traumhaft schöne und sichere Land.
    http://www.panamaproperties24.com

  • Was ist mit guten, deutschen industrieanleihen ?

  • Verkehrte Sichtweise: Der im natürlichen Rechtsempfinden tief verankerte Grundwert des Eigentums geht vor dem Anspruch der vielen Habenichtse auf Teilhabe. Dieser Anspruch läuft letztendlich auf Diebstahl hinaus. Eigentum wird durch das indiviuum verteidigt und darauf gründet es sich - nicht durch den Eintrag ins Grundbuch.

  • So etwas nennt man einen "subtilen Staatsbankrott", wenn dem Staat nichts Anderes einfällt, als dem bürger dessen Eigentum zu rauben... und dann kommt noch als Anmerkung hinzu, dass damit "politische Projekte" finanziert werden. Abenteuerlich!

  • Das Schiff sinkt.
    Die Aussage:
    'Nicht Papiergeld ist ein fragiles Konstrukt, sondern Privateigentum an sich ist fragil' spiegel fast schon die Angst der derzeit Herrschenden wieder.

    http://www.dasbewegtdiewelt.de/index.php/must-read/1798-irland-euro-zinsen-notenbanken-verschuldung-immobilien-goldsilber-ausblick-dergrosse-knall-2013-

  • Was will ich mit Wohnungen oder Häuser? Wer kann oder im Fall eines Falles noch Mieten zahlen oder die Folgen der erwähnten Zwangshypothek?

    Was nutzen mir Gold und Diamanten im Safe, wenn der Staat die banken auffordert, den inhalt der Safes zu räumen und abzuliefern?

    Was nutzt mir das Zeugs zu Hause, wenn ich es nicht umtauschen kann, weil der Staat ein Ankaufsmonopol durchsetzt und ich die Sachen vorher nicht abgeliefert habe, wie er gefordert hat?

    Was sind die Folgen einer Staatspleite? Auch dann wird bei der bevölkerung noch abkassiert, denn das Staatswesen an sich wird weiterexistieren.

    Es bleibt nur eines, sofort alles konsumieren und ausgeben oder sich im Fall eines Falles +

  • ich finde den Artikel gut.
    Grundsätzlich gilt, man kann nur von denen etwas holen,
    die etwas besitzen. in welcher Form (Enteignung,Steuern,
    z.b.Vermögenssteuer, Steuern erfinden wie den Soli - dieser ist ausbaufähig!, usw. ) spielt keine Rolle.
    Ein Vermögender mit "bekannten" Vermögen Geld auf Konten und Depots in Deutschland (Staat hat Recht auf Kontoeinsicht w/Terror)Grundbesitz sowieso, Auto kann man auch noch feststellen. Der private Goldbesitz kann nicht festgestellt werden (Ausnahme: es befindet sich im bankschließfach sicher aufbewart!lt.Experten :-) auch hier hat der Staat ein Zugriffsrecht (Sterbefall) oder er kann es sich per Gesetz (Terrorgefahr) verschaffen. bewarst du es zu Hause auf kommen Diebe...usw. 100% Sicherheit im Leben gibt es nicht!
    Darum mein Vorschlag: genieße das Leben spart nicht zuviel und wenn das Geld mal doch ausgeht, dann erhaltet ihr Hartz iV. und man muss keine Angst haben
    das man "sein" Vermögen verliert.
    interessante Lektüre:
    Die Kunst des stielvollen verarmens - Alexander von Schönburg

  • Zitat: "und versuchen, direkt an den Erträgen der Privatwirtschaft zu partizipieren", "Kauf von Aktien oder Anteilen an börsengehandelten Fonds"
    Echt?

    Noch einfacher ist es, mit Geschäftsleuten, die man kennt, eigene Verträge und Privatkredite zu machen,
    um direkt zu profitieren ohne Zwischenhändler. ;-)

  • as dem Einzelnen gehört, entscheidet nicht er selbst und auch nicht sein Anwalt, sondern allein die Gesellschaft.

    Man muß es nicht so kompliziert machen :
    wer die stärkste Armee befehligt , dem gehört die Welt,wenn er denn will.

    Das können einzelne wie Stalin, Hitler sein, oder die Staatskaste, gedeckt durch Legeslative und Executive.
    Aber wer von den dreien ist denn nun die Gesellschaft ?

  • "in Zeiten einer ausufernden Staatsverschuldung sind neue Steuern und Abgaben unvermeidlich." - stimmt nicht. Schon mal von Staatspleiten gehört? Das ist die einzige funktionierende Lösung, alles andere verschiebt das Problem nur in die Zukunft und verstärkt auch noch dazu.

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