Anlegen in der Krise
Das Märchen von der sicheren Geldanlage

In Zeiten einer ausufernden Staatsverschuldung sind neue Steuern und Abgaben unvermeidlich. Vermögenden Anlegern wird empfohlen, Gold, Immobilien oder Grundstücke zu kaufen - möglichst weit weg von Staat und Papiergeld. Aber was bedeutet die Staatsverschuldung in Deutschland für den Privatanleger?
  • 14

MÜNCHEN. Der Staat scheint pleite. Gemeint sind nicht etwa Irland und Griechenland, sondern die ausufernden Staatsverschuldungen führender Wirtschaftsnationen wie Deutschland, USA oder auch Japan. Was dies bedeutet, wird kontrovers diskutiert: Experten sprechen vom Zusammenbruch unseres auf Papiergeld basierenden Währungssystems bis hin zu einem Totalausfall der heute noch als sicher geltenden Staatsanleihen. Vermögenden Anlegern wird empfohlen, Gold, Immobilien, landwirtschaftlichen Grund oder ähnliches zu kaufen - möglichst weit weg von Staat und Papiergeld. Aber was bedeutet die Staatsverschuldung in Deutschland für den Privatanleger?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick in die Geschichte: Vor etwa 2800 Jahren in der archaischen Welt gab es kein Privateigentum. Alle und alles gehörte dem Tyrannen. Dieser musste erst vertrieben werden, damit unser moderner Staat als eine der außerordentlichsten Erfindungen der Menschheit möglich wurde. Er entstand im alten Griechenland durch die explizite Trennung von Macht und Eigentum und stellt damit das Gegenmodell zur Tyrannis dar. Der Staat (Polis) in seiner Idealform ist selbst eigentumslos, dennoch besteht sein originärer Zweck im Schutze des Eigentums durch Militär, Polizei und Gericht. Die privaten Haushalte (Oikos) finanzieren dafür den Staat über eine Steuer.

Der Grundsatz "Ohne Staat kein Privateigentum, und ohne Privateigentum kein Staat" gilt im Übrigen noch heute. So fordert auch das Grundgesetz, dass "Eigentum verpflichtet". Gemeint ist, dass Eigentum der Gesellschaft dient, und andersherum die Gesellschaft dem Eigentum dient.

Dieser Kontext macht deutlich, warum die Bonität eines Staates nicht am Staatsvermögen oder an der Staatsverschuldung hängt, sondern am Wert seines Steuermonopols. Ölquellen als Ausnahme einmal außen vor gelassen - die Bonität eines Staates steht und fällt mit der Werthaltigkeit seines Steuermonopols, über das er die Möglichkeit hat, Privatvermögen in Staatsvermögen zu verwandeln. Daher ist zum Beispiel die Bonität Japans trotz extremer Verschuldung sehr gut. Die Privatwirtschaft ist solide. Es ist nur eine politische Entscheidung, wie stark sich der Staat über neue Abgaben saniert.

Das Gegenmodell ist Griechenland. Der Verschuldungsgrad ist deutlich unter dem Japans, aber das Steuermonopol scheint wenig wert zu sein. Ohne funktionierende Privatwirtschaft, in der die Erträge letztendlich erwirtschaftet werden, gibt es keine Staatseinnahmen via Steuern an diesen Erträgen.

Seite 1:

Das Märchen von der sicheren Geldanlage

Seite 2:

Kommentare zu " Anlegen in der Krise: Das Märchen von der sicheren Geldanlage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • immobilien und Grundstücke gehören definitiv zu den sichersten Geldanlagen. Gerade in wirtschaftlich attraktiven Ländern, in denen noch nicht zu viel spekuliert wurde. Panama erlebt seit Jahren einen enormen Wirtschaftswachstum und auch immer mehr Ausländer zieht es in dieses traumhaft schöne und sichere Land.
    http://www.panamaproperties24.com

  • Was ist mit guten, deutschen industrieanleihen ?

  • Verkehrte Sichtweise: Der im natürlichen Rechtsempfinden tief verankerte Grundwert des Eigentums geht vor dem Anspruch der vielen Habenichtse auf Teilhabe. Dieser Anspruch läuft letztendlich auf Diebstahl hinaus. Eigentum wird durch das indiviuum verteidigt und darauf gründet es sich - nicht durch den Eintrag ins Grundbuch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%