Anleger fordern Schadenersatz
Staatsanwälte lassen VIP-Medienfonds-Chef schmoren

Die Staatsanwaltschaft München hat noch immer keine Anklage gegen den geschäftsführenden Gesellschafter der VIP-Medienfonds-Gruppe, Andreas Schmid, erhoben. Schmid sitzt seit Ende September 2005 in Untersuchungshaft. Ihm wird Steuerhinterziehung mittels von VIP aufgelegter Filmfonds vorgeworfen.

DÜSSELDORF. Für Schmids Verteidiger Jörg Weigell ist die lange Untersuchungshaft „nicht nachvollziehbar“. Nach seinen Worten hatte die Staatsanwaltschaft für Anfang August die Anklageerhebung avisiert.

VIP stieg in den Jahren 2004 und 2005 mit einem so genannten Garantie-Modell zum größten Filmfondsanbieter in Deutschland auf. Insgesamt warb VIP – vorwiegend mit Hilfe der Commerzbank – 750 Mill. Euro bei 13 000 Anlegern ein. Im Raum steht der Vorwurf, dass Anlegergeld überwiegend nicht in Filme investiert worden ist, sondern an Banken zur Vorfinanzierung der Ausschüttungsgarantien floss. Dann wären Steuervorteile nicht gerechtfertigt.

In der Fondsbranche wird vermutet, dass an Schmid ein Exempel statuiert werden soll, zumal andere Filmfonds-Anbieter ihren Kunden mit ähnlichen Konstruktionen Steuervorteile verschafft haben. Ein Beobachter des Verfahrens sagte dem Handelsblatt: „Je länger die Ermittlungen dauern, desto größer wird der Rechtfertigungsdruck, der auf der Staatsanwaltschaft lastet.“

Ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft erklärte: „Die Anklage ist in Vorbereitung.“ Die lange Dauer der Ermittlungen rechtfertigte er mit der Höhe des hinterzogenen Betrags, ohne diesen zu nennen. Legt man Berechnungen der Kanzlei KTAG Rechtsanwälte zugrunde, handelt es sich um 160 Mill. Euro. Diesen Betrag müssten Anleger der Filmfonds VIP 3 und VIP 4 an den Fiskus nachzahlen, wenn die gewährten Steuervorteile nachträglich aberkannt würden. Deswegen haben inzwischen mehrere Kanzleien Prospekthaftungsklagen gegen VIP und die Hypo-Vereinsbank (HVB) sowie gegen die Commerzbank wegen fehlerhafter Anlegerberatung angestrengt. Ziel der Klagen ist die Rückzahlung der Einlagen.

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