Anleger müssen in vielen Fällen bis zum Jahresende handeln, um Schadenersatz zu fordern
Nicht nur bei Filmfonds droht Verjährung

Kapitalanleger, die Schadensersatz etwa wegen falscher Beratung geltend machen wollen, müssen sich beeilen: Denn das Anfang 2002 in Kraft getretene Schuldrechtsmodernisierungsgesetz hat die Verjährungsfrist für solche Fälle von 30 auf drei Jahre gesenkt. Die Uhr tickt ab dem Zeitpunkt, an dem der Anleger von seinen Ansprüchen erfährt, zum Beispiel durch negative Veröffentlichungen.

DÜSSELDORF. Anwälte raten deshalb dringend, noch in diesem Jahr Ansprüche gegen Anlageberater und Vermittler etwa von Immobilien- oder Filmfonds geltend zu machen.

Kompliziert wird es, wenn Anleger Ansprüche, die vor dem Jahr 2002 entstanden sind, geltend machen wollen. Der auf die Vertretung von Immobilienanlegern spezialisierte Heidelberger Rechtsanwalt Mathias Nittel rät deshalb: „Insbesondere Anleger, die davor Steuersparanlagen erworben haben und das Gefühl haben, falsch beraten worden zu sein, sollten dringend die Verjährung von Ansprüchen prüfen lassen.“

Zu den typischen Steuersparanlagen, mit denen Hunderte von Investoren Ärger haben, gehören Immobilienfonds und Wohnungen zur Kapitalanlage sowie Filmfonds. Vor allem die in den 90er-Jahren in Ostdeutschland gekauften Immobilien erwirtschaften kaum die Ausschüttungen, die Anlegern in Aussicht gestellt wurden, weil der Markt dort vollkommen zusammengebrochen ist.

Vielfach finanzierten die Anleger ihre Fondseinlagen auch noch durch Bankdarlehen und sind in Existenznöten, weil die Ausschüttungen ausbleiben und ihnen deshalb das Geld für Zins und Tilgung fehlt. Auch diesen Anlegern kann unter bestimmten Umständen geholfen werden. Sie haben Nittel zufolge in diesem Jahr noch die Chance, in den Jahren 2001 und 2002 gezahlte Zinsen zurückzufordern. Etwa dann, wenn ein Treuhänder für den Anleger einen Darlehensvertrag im Rahmen eines Immobiliengeschäftes abgeschlossen hat. Denn der Treuhänder muss nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs Rechtsanwalt oder Notar sein. „Ist er das nicht, ist die vom Anleger erteilte Vollmacht nichtig“, sagt Carsten Hormann, Immobilienrechtler der Kanzlei Hammonds in Berlin.

Vielfach steht Anlegern auch Schadensersatz zu, wenn in einem Verkaufsprospekt falsche Angaben gemacht worden sind. Dies ist aus Sicht von Anlegeranwälten etwa bei Filmfonds von Cinerenta der Fall. Katja Fohrer von der Münchener Kanzlei Mattil & Kollegen wirft dem Anbieter vor, in den Prospekten für die von 1998 bis 2000 vertriebenen Fonds Nr. 2 und 3 das Verlustrisiko falsch dargestellt zu haben. Die Ansprüche macht sie im Zuge der neuen Verjährungsfrist gegen den Prospektprüfer Resulta und gegen die Contor Treuhandgesellschaft geltend, die die rechtmäßige Verwendung der Anlegergelder überprüft hat.

Seite 1:

Nicht nur bei Filmfonds droht Verjährung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%