Anleger parken ihr Geld und meiden Aktien- und Rentenprodukte
Geldmarktfonds beleben das Geschäft der Anbieter in Europa

Die Anbieter von Publikumsfonds in Europa hoffen auf eine verstärkte Nachfrage im zweiten Halbjahr. Der Start in die zweite Jahreshälfte verlief nach jüngsten Daten bereits positiv. Die Investmentgesellschaften setzten im Juli netto für knapp 9,6 Milliarden Euro Anteilsscheine ab.

FRANKFURT/M. Das war ein deutlicher Aufschwung gegenüber den Netto-Rückgaben in Höhe von 3,8 Mrd. Euro im Vormonat, wie aus Daten des Londoner Analysehauses Feri Fund Market Information (Feri FMI) hervorgeht. Allerdings bevorzugten die Investoren risikoarme Anlagen wie Geldmarktfonds. Denn drei Viertel des Geldes floss in Produkte französischer Anbieter. Und dabei handelt es sich vor allem um Geldmarktfonds.

Die Auswertung der Feri-FMI-Daten, die dem Handelsblatt vorliegen, basiert auf den monatlichen Netto-Gesamtverkäufen der auf Privatanleger ausgerichteten Publikumsfonds in Europa, wobei Dachfonds zur Vermeidung von Doppelzählungen nicht berücksichtigt sind.

Beim Gesamtabsatz führt die französische Banques Populaires Group unter Führung ihrer Vermögensverwaltungstochter Natexis Asset Management mit knapp 2,2 Mrd. Euro (siehe obere Tabelle). In den Top Ten der Absatzgewinner finden sich weitere französische Adressen. „Aber auch ausländische Anbieter wie HSBC und die deutsche WestLB tauchen vor allem wegen ihrer französischen Geldmarktfonds auf vorderen Plätzen auf“, sagt Feri-FMI-Chefin Diana Mackay.

Das Geschäft mit Geldmarktfonds in Frankreich unterliegt laut Mackay starken saisonalen Schwankungen. Das mache sich statistisch gerade in Monaten mit relativ bescheidenem Fondsabsatz in Gesamteuropa bemerkbar. Der Einfluss sei umso stärker, als fast die Hälfte des ohnehin großen französischen Marktes den Geldmarktprodukten zuzurechnen sei.

„Bei den saisonalen Absatzmustern spielen Dispositionen von Unternehmen und Versicherungen eine wichtige Rolle. Anfang Juli beispielsweise macht sich das traditionell durch Zuflüsse bemerkbar “, bemerkt Dominique Sabassier, Chef-Anlagestratege von Natexis in Paris.

Der ebenfalls in der französischen Hauptstadt ansässige Jean-Paul Malpuech verweist zusätzlich auf die Gesamtmarktsituation. „Heute verfügen viele Investoren über hohe Liquiditätsbestände und agieren auf den Finanzmärkten extrem vorsichtig“, sagt der Geschäftsführer der WestLB Asset Management Frankreich. Er prognostiziert: „Man kann annehmen, dass es in einem Umfeld auch nur moderaten Wachstums erneut Investments in Rentenfonds gibt, daher mit Mittelabflüssen aus dem Geldmarkt im zweiten Halbjahr zu rechnen wäre.“

In der unteren Tabelle ist ein Teil der Gesamtdaten ausgegliedert. Sie beschränkt sich auf die Produkte mit ausdrücklich europäischem und damit grenzüberschreitenden Verkaufsansatz, was beim parallelen Angebot in mindestens fünf Ländern unterstellt wird. Hier sind Geldmarktfonds ausdrücklich ausgenommen, weil das Geschäft – dominiert von institutionellen Großanlegern – überdurchschnittlich zu Buche schlagen und die Übersicht daher verzerren würde.

Beim grenzüberschreitenden Verkauf mussten die Anbieter im Juli Netto-Rückgaben im Gesamtvolumen von 1,7 Mrd. Euro verkraften. Gegen diese Tendenz konnten sich beispielsweise die zur italienischen Unicredito gehörende Pioneer Investments und die britische Schroder Investment Management mit 0,3 Milliarden beziehungsweise 0,2 Mrd. Euro an Verkäufen behaupten.

„Getrieben wird unser Absatz schon seit einigen Monaten vor allem von den Fonds mit Schwerpunkt europäische Aktien und europäische Anleihen“, sagt Gavin Ralston. Der Leiter des europäischen Vertriebs bei Schroder in London macht der Gesamtbranche Hoffnung auf bessere Verkaufszahlen. Er rechnet für die nächste Zukunft mit einer verstärkten Investorennachfrage nach europäischen und internationalen Aktienprodukten

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