Anleger sind besorgt
Bear Stearns rettet einen seiner Hedge-Fonds

Die New Yorker Investmentbank Bear Stearns ist einem seiner zwei schwer angeschlagenen Hedge-Fonds mit einem Kredit von 3,2 Milliarden Dollar (2,4 Mrd Euro) zu Hilfe gekommen. Dies teilte Bear Stearns am Freitag in New York mit. Es handelt sich nach Darstellung von Marktkennern um die größte Rettungsaktion für einen Hedge-Fonds seit knapp einem Jahrzehnt.

HB NEW YORK. Die Wall Street hat nervös auf die Probleme bei den beiden Hedge- Fonds reagiert. Der Dow-Jones-Index gab am Freitag um 1,4 Prozent auf 13 360,26 Punkte nach. Die Bear-Stearns-Aktien fielen in der vergangenen Woche um mehr als vier Prozent auf 143,75 Dollar.

Die hausinterne Hilfsaktion galt dem Bear Stearns High Grade Structured Credit Fund (High Grade Fund). Mit der Kreditlinie wolle Bear Stearns die Finanzierung stabilisieren und die Unsicherheit im Markt verringern, erklärte Bear-Stearns-Konzernchef James E. Cayne. Für einen anderen Hedge-Fonds (Bear Stearns High Grade Structured Credit Enhanced Leveraged Fund) verhandelt die Investmentbank weiter mit den Kreditgebern und Gegenparteien.

Die Fonds, die in großem Stil im riskanten Hypotheken-Markt spekulierten, hatten angesichts erheblicher Wertverluste einen plötzlichen Ansturm nervöser Investoren verzeichnet. Die Geldgeber, darunter Merrill Lynch und die Deutsche Bank, verlangten ihrerseits zusätzliche Einschusszahlungen. Die Finanzinstitute griffen auf die als Sicherheit von den Hedge-Fonds gestellten Wertpapiere zurück und boten sie teilweise zum Verkauf an. Durch die Hilfsaktion von Bears Stearns wurde die Situation jetzt etwas entschärft.

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Finanzexperten befürchteten ein mögliches Ausufern auf den Kapitalmarkt. Besonders gefährdet war der riesige Markt für Wertpapiere, die mit riskanten Hypotheken abgesichert sind. Diese waren während des Immobilienbooms der vergangenen Jahr auch in großem Stil an Amerikaner mit schlechtem Kredit-Rating vergeben worden.

Mit dem starken Einbruch der US-Immobilienpreise und steigenden Hypothekenzinsen für die mit variablen Zinsen vergebenen Gelder sind Millionen Amerikaner mit ihren Hypothekenzahlungen in Verzug geraten. Viele haben inzwischen das Handtuch geworfen und den Banken und Kreditgebern ihre Häuser überlassen. Diese sind jetzt oft weniger wert als die darauf lastenden Hypotheken.

Hierdurch waren die von den Finanzdienstleistern offerierten komplexen Wertpapiere, die so genannten CDOs (Collaterized Debt Obligation) unter starken Druck geraten. In den CDOs sind oft Forderungen unterschiedlichster Art gebündelt, darunter riskante Hypothekenkredite, Unternehmensanleihen, Kreditkarten-Forderungen sowie andere Obligationen. Sie werden dann gestückelt und an die Investoren veräußert, wobei die Verzinsung dieser Titel je nach Risiko variiert. Der Markt für CDO-Titel hatte im vergangenen Jahr ein gewaltiges Volumen von mehr als 500 Milliarden Dollar erreicht.

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