Anleger sollen Filme selbst auswählen
Der Fiskus liefert neue Regieanweisungen

Ob Produktionsfonds oder leasingähnliches Angebot - eines hatten Filmfonds früher immer gemeinsam: Ein Initiator wählt Drehbücher aus, organisiert die Filmherstellung, schreibt einen Prospekt mit möglichst positiven Erfolgsprognosen und schickt Finanzvermittler in das Rennen um die Gunst der Anleger. Doch dies geht nur noch mit Fonds, die unter die sogenannte Übergangsregelung fallen.

rrl DÜSSELDORF. Für Angebote, die heute frisch auf den Markt kommen, gelten neue Regieanweisungen vom Fiskus. Die hohen Steuervorteile bekommt nur noch ein Anleger, der „wesentliche Einflussmöglichkeiten auf die Filmproduktion hat.“ So steht es im jüngsten Medienerlass des Finanzministeriums (Az.: IV A 6 - S 2241 - 81/03). Dabei stellt sich das Ministerium eigentlich vor, dass die Anleger den Film samt Regisseur und Hauptdarsteller auswählen und über den Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdkapital entscheiden.

Wohl wissend, dass eine Gruppe von mehreren hundert Filmlaien damit überfordert wäre, schnell Entscheidungen zu treffen, sieht der Erlass vor, dass ein „von den Gesellschaftern selbst aus ihrer Mitte gewählter Beirat“ für die Anleger entscheidet. Dabei dürfen weder Initiator noch ihm nahe stehende Personen – wozu auch die Treuhänder gehören, über die die meisten Anleger Fonds beitreten – diesem Beirat angehören. Die Versammlung darf frühestens einberufen werden, wenn die Hälfte des Kapitals eingezahlt ist. Doch wenn man den Beirat aus einer Schar von Filmlaien wählt, sitzen im Beirat wiederum nur Laien. Deshalb schlägt Christof Schmidt, Anwalt für Steuerrecht bei der Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft vor: „Um dem Beirat kompetente Entscheidungen zu ermöglichen, kann und sollte der Fondsinitiator ihm einen mit Filmexperten besetzten Fachbeirat zur Seite stellen.“

Dennoch besteht der Verdacht, dass es auch dann mit der Entscheidungsfreiheit der Anleger nicht weit her sein wird. Raimund Franken, Filmfondsanalyst der Beratungsfirma RMC Rinke Medien Consult GmbH, meint: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Warner oder Paramount vorschreiben lassen, mit welchem Hauptdarsteller ein Film zu besetzen ist.“

Die in den nächsten Tagen stattfindenden Gesellschafterversammlungen haben denn vermutlich eher die Aufgabe, aus vorgestellten Projekten diejenigen abzuwählen, denen die Initiatoren die geringeren Erfolgsaussichten zubilligen und Beiräte zu inthronisieren. Das würde zwar dem Erlass widersprechen, könnte aber in diesem Jahr noch einmal gut gehen: „Ich glaube nicht, dass die jetzt angebotenen Fonds platzen, weil sie vermutlich zuvor mit den Finanzämtern besprochen wurden“ , sagt Franken.

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