Anleger sollen über Produktion und Finanzierung selbst entscheiden: Neue Steuerregeln machen Filmfonds zu schaffen

Anleger sollen über Produktion und Finanzierung selbst entscheiden
Neue Steuerregeln machen Filmfonds zu schaffen

Wollen sie hohe Steuervorteile nutzen, müssen Anleger gemäß des neuen Medienerlasses des Bundesfinanzministeriums Filmstoff, Regisseur und Schauspieler sowie Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdkapital für den in der Regel als KG firmierenden Fonds selbst auswählen.

DÜSSELDORF. Für Medienfonds hat mit dem Jahreswechsel eine neue Ära begonnen. Die Zeit der Übergangsfonds ist abgelaufen. Sie boten ihren Anlegern die üblichen steuerschmälernden Anfangsverluste von 100 Prozent, obwohl die Angebote die Vorgaben des jüngsten Medienerlasses nicht erfüllten. Die Voraussetzungen: Die Anleger mussten bis zum 31.12.03 beitreten und der Fonds vor dem 1.9.02 mit dem Vertrieb begonnen haben. 2003 hatten vor allem bankenunabhängige Initiatoren Übergangsfonds platziert.

Jetzt bekommt nur noch der Anleger die hohen Steuervorteile, der „wesentlichen Einflussmöglichkeiten auf die Filmproduktion hat“, steht im Medienerlass des Bundesfinanzministeriums (Az.: IV A 6 - S 2241 - 81/03). Die Idealvorstellung: Die Anleger wählen Filmstoff, Regisseur und Schauspieler sowie Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdkapital für den in der Regel als KG firmierenden Fonds aus.

Doch die Übergangsregelung zog wieder Erwarten nicht als Verkaufsargument. Viele Fonds warben weniger Geld ein als im Prospekt angekündigt. Beispiel Screenland Movieworld: Statt 43 Mill. Euro wurden es nur 15 Mill. Euro. Konkurrent Screenvest legte seinen Fonds mit der Apollo-Linie von Chorus zum Apolloscreen-Fonds zusammen. Trotzdem blieb es bei rund 24 Mill. Euro statt der ursprünglich avisierten 40 Mill. bis 120 Mill. Euro. Mit solchen Platzierungsspannen lassen sich mäßige Vertreibsergebnisse leicht kaschieren. Equity Pictures wollte laut Prospekt für Fonds II zwischen zehn Mill. und 250 Mill. Euro einwerben – es wurden 66,5 Mill. Euro. Immerhin sollen acht statt der geplanten sechs Filmprojekte damit realisiert werden. Die Risikostreuung wurde erhalten, was in solchen Fällen nicht selbstverständlich ist, wie der WWP-Studio-Hamburg- Fonds zeigt: Die Anleger sind nur an der Produktion von drei statt fünf Filmen beteiligt, weil nur 30 Mill. statt 100 Mill. Euro zur Verfügung stehen. Studio-Hamburg-Partner ING Leasing ist selbst enttäuscht: „Wir überlegen, ob Medienfonds den Aufwand rechtfertigen“, sagt Alexander Grau, Leiter Eigenkapitalvertrieb bei ING Leasing.

Ohnehin müssen Anleger nach der jüngsten Statistik des Fondsanalysten Stefan Loipfinger über Anbieter und deren Platzierungszahlen noch mit Enttäuschungen rechnen. Loipfinger listet 41 Anbieter seit 1999 auf, von denen 14 in den vergangenen Jahren, manche noch länger, keinen Euro eingeworben haben.

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