Anlegerschützer widerspricht Insolvenzverwalter
Anwalt: Falk-Anleger haften nicht persönlich

Anleger der zahlungsunfähigen Falk-Fonds müssen nach Ansicht des Münchener Anlegeranwalts Peter Mattil nicht mit ihren gesamten Vermögen für die Folgen der Insolvenz haften. Mit dieser Auffassung widerspricht Mattil dem vorläufigen Insolvenzverwalter Josef Nachmann.

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rrl DÜSSELDORF. Nachmann hatte vor kurzem im „Handelsblatt“ erklärt, die Anleger müssten womöglich für die Verbindlichkeiten der Fonds in vollem Umfang geradestehen. Viele Anleger sind als begrenzt haftende Gesellschafter (Kommanditisten) an geschlossenen Fonds in Form einer Kommanditgesellschaft (KG) beteiligt. Damit haften sie nur in der Höhe ihrer Einlage. Im Schnitt sind Investoren mit mehreren zehntausend Euro an geschlossenen Immobilienfonds beteiligt.

Leidtragende der Schieflage der Falk-Gruppe sind mehrere tausend Anleger, die rund drei Mrd. Euro in geschlossene Falk-Immobilienfonds investiert haben. Die Münchner Gesellschaft kann Mietgarantie-Forderungen nach hohen Mietausfällen bei den Fonds-Immobilien nicht bedienen. Gesellschaften der Falk-Gruppe hatten Anfang April Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Nachmann will das Verfahren am 1. Juli eröffnen.

Mattils Kanzlei-Kollege Ralph Veil, kündigte nun an, Nachmann zum Widerruf „dieser falschen Behauptung“ aufzurufen. Komplementärin, also voll haftende Gesellschafterin der Falk-Fonds ist die von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens betroffene Falk Asset Management GmbH. Veil wirft Nachmann „Panikmache“ vor. „Wir erhalten täglich Anrufe von besorgten Anlegern, die nun wissen wollen, ob sie wegen der vermeintlichen persönlichen Haftung ihr Vermögen auf Dritte übertragen müssen.“

Mattil sagt: „Bereits Mitte März wurde das Gerücht der persönlichen Haftung von der Falk-Gruppe in die Welt gesetzt, um Anleger zu einer Abstimmung in ihrem Sinne zu beeinflussen.“ Hintergrund: Die Falk-Manager Hans Voss und Thilo Köhler bieten auf den Gesellschafterversammlungen an, mit einer Auffanggesellschaft die Verwaltung der Fondsimmobilien zu übernehmen. Gleichzeitig bietet Voss an, als Geschäftsführer einer auf Vorrat gegründeten GmbH die mit der Insolvenzeröffnung frei werdende Komplementärfunktion zu übernehmen. Anlegeranwälte werfen Voss vor, nur dann bereit zu sein, die Fonds-Geschäftsführung zu übernehmen, wenn die künftige gemeinsame Firma mit Falk-Kollege Köhler auch den Auftrag zur Fondsverwaltung bekommt. Voss weist diesen Vorwurf zurück.

Für den Fall, dass der Komplementär einer KG wegen Insolvenz ausfällt, sieht Anlegeranwalt Mattil andere Folgen als Nachmann: Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens scheidet die Komplementärin aus der Fonds-KG aus, so dass die Fonds-KG in Liquidation geht. Die Kommanditisten wählen einen Liquidator, der dann die laufenden Geschäfte beendet, die Schulden begleicht und das restliche Vermögen verkauft und den Erlös an die Gesellschafter verteilt. Können die Schulden nicht bezahlt werden, geht auch die Fonds-KG in Insolvenz. Mattil betont, dass die Anleger auch dann nicht persönlich hafteten.

Die Möglichkeit, dass die Gesellschafter selbst die Fortsetzung der Gesellschaft als offene Handelsgesellschaft beschließen, hält Mattil für „rein theoretisch“, weil es angesichts der damit verbundenen persönlichen Haftung niemals zu den dazu notwendigen einstimmigen Beschluss kommen werde.

Der kritisierte Insolvenzverwalter blieb bei seiner Darstellung. Werde die Fonds-KG, wie von ihm unterstellt, als so genannte werbende Gesellschaft ohne Komplementär fortgesetzt, werde sie zur offenen Handelsgesellschaft, deren Gesellschafter persönlich hafteten. Kommentar von Anlegeranwalt Veil: „Diese Unterstellung ist in der Praxis irrelevant.“ „Werbend“ würde die Fondsgesellschaft, wenn sie ihre Geschäfte wie bisher fortsetzte. Dies sei aber ohne Geschäftsführer nicht möglich.

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