Anleihemarkt in Fernost soll gestärkt werden
Asiens Notenbanker gründen Bond-Fonds

Elf fernöstliche Zentralbanken haben sich auf die Gründung eines gemeinsamen Anleihefonds geeinigt. Damit wollen sie nach eigenen Angaben die Entwicklung der regionalen Rentenmärkte fördern und Asien unabhängiger von internationalem Kapital machen.

HONGKONG. Die Initiatoren sehen den Fonds gleichzeitig als ersten Schritt, um ihre riesigen Währungsreserven vermehrt in der eigenen Region zu investieren. Bisher legen sie den Löwenanteil ihrer Devisenreserven in US-Staatsanleihen an.

In der ersten Phase wird der so genannte Asian Bond Fund (ABF) mit 1 Mrd. $ aus Zentralbankreserven ausgestattet. Das Geld soll in Dollar-Staatsanleihen aus China, Hongkong, Indonesien, Südkorea, Malaysia, Singapur, Thailand und den Philippinen angelegt werden. Außerdem investieren Japan, Australien und Neuseeland in den Fonds. Gemanagt wird er von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, Initiator des ABF, äußerte sich „überzeugt, dass dem Fonds bald mehr Kapital zufließt und sich weitere Länder daran beteiligen“.

Optimisten sehen das Projekt als Vorläufer für eine größere finanz- und währungspolitische Zusammenarbeit in der Region. Diese könnte in einen seit der Asienkrise geplanten, aber nie verwirklichten Asiatischen Währungsfonds nach dem Vorbild des Internationalen Währungsfonds (IWF) münden oder gar in eine asiatische Gemeinschaftswährung.

Einem „Asien-Dollar“ geben die meisten Beobachter allerdings kaum eine Chance – angesichts mangelnder politischer Integration und der großen wirtschaftlichen Kluft in der Region. Aus denselben Gründen sehen Skeptiker auch in der Auflage des asiatischen Bond-Fonds nur eine symbolische Initiative, mit der die Region finanzielle Unabhängigkeit signalisieren will. Für eine spürbare Diversifizierung der Zentralbankreserven sei der ABF mit 1 Mrd. $ zu klein ausgestattet. Der begrenzte Markt für asiatischen Dollar-Bonds wäre aber auch nicht in der Lage, einen größeren Anteil der 1,2 Billionen Dollar an Reserven aufzunehmen, auf denen die Währungshüter der Region sitzen.

Größere Auswirkungen hätte der Fonds, wenn er aufgestockt und sein Mandat wie geplant auf den Kauf von Bonds in lokalen Währungen ausgedehnt würde. „Das würde auch die Entwicklung eines regionalen Bondmarktes stärker voranbringen“, meint Martin Hohensee, Anleihe-Stratege der Deutschen Bank in Singapur. In der jetzigen Form erwartet Hohensee von dem Fonds keine große Liquiditätsspritze und „nur mäßige Auswirkungen auf asiatische Anleihekurse“. Er könne sich aber als zusätzlicher Grund dafür erweisen, dass asiatische Anleihen weiterhin höhere Kurse erzielten, als es ihre Kreditratings nahe legten.

Die Nachfrage nach asiatischen Bonds ist derzeit hoch, das Angebot aber knapp. Denn Anleihen spielen bei der Kapitalbeschaffung in der Region traditionell eine untergeordnete Rolle. Staatliche Emittenten dominieren den Markt; Unternehmen finanzieren sich zum Großteil über Kredite oder die Börse. Die Gefahr großer Abhängigkeit von Fremdwährungskrediten war in der Asienkrise zu Tage getreten. Seitdem bemühen sich die Regierungen der Region um eine Stärkung der lokalen Anleihemärkte. Die Länder brauchen größere, liquidere Bondmärkte zudem, wollen sie ihre rasant anschwellenden Währungsreserven künftig tatsächlich stärker vor Ort anlegen.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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