Anna Ho im Interview
„Der Markt hängt an der Gier und der Angst der Investoren“

Anleger sollten mit Investments in China vorsichtig sein, sagt die prominente Fondsmanagerin Anna Ho im Interview. Welche Risiken drohen und wie Privatanleger vom China-Boom profitieren können.
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Die chinesische Volkswirtschaft wächst zwar seit Jahren überdurchschnittlich. Doch Aktienanleger konnten davon kaum profitieren. So legte der Aktienindex MSCI China im vergangenen Jahr nur moderat zu. Auch die Drei-Jahres-Bilanz ist wenig überzeugend. Warum soll sich ein Investment in China lohnen?


Zumindest kurzfristig ist die Liquidität der wichtigste Treiber der Performance auf dem Aktienmarkt – und nicht die Veränderungen von grundlegenden Konjunkturdaten. Und die Liquidität hängt letztlich an der Gier und der Angst der Investoren. Ich glaube daher nicht daran, dass der Aktienmarkt vor allem mit der Entwicklung vom Bruttoinlandsprodukt korreliert. Wichtiger ist meiner Meinung nach das Risiko einer Volkswirtschaft – etwa Unsicherheiten bezüglich politischer Veränderungen, das Risiko plötzlicher Gesetzesänderungen oder wie transparent unterm Strich informiert wird.

Wie entwickeln sich die Aktienmärkte in China?

Obwohl wir daher in Zukunft davon ausgehen, dass sich das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts etwas abbremst, dürfte sich der Aktienmarkt besser entwickeln. Denn die politische Stabilität scheint anzuhalten. Politische Kursänderungen kommen weniger abrupt und auch bei Unternehmen verbessert sich die Informationspolitik. Als Aktienmarkt steht China in der kommenden Dekade vor einer Neubewertung. Die Wirtschaftsstruktur wird stabiler und ausgewogen. Daher sollten Investoren weniger auf die Höhe des Bruttoinlandsprodukts achten als auf die Struktur und die Nachhaltigkeit des Wachstums.


Welche Ratschläge können Sie Privatanlegern geben, die auf eigene Faust in China investieren möchten?


Investoren sollten langfristig denken, wenn sie in China investieren. Gleichzeitig lohnt es sich, eine aktive Anlagestrategie zu verfolgen. Aktien lediglich zu kaufen und zu halten geht mit hoher Wahrscheinlichkeit schief. Denn China ist eine schnell wachsende Volkswirtschaft, in der sich in jeder Hinsicht rasch Veränderungen ergeben können. Der Lebenszyklus von Unternehmen ist erheblich kürzer als in entwickelten Ökonomien.

Vor allem die hohe Volatilität vieler Aktien schreckt europäische Investoren ab.

Einerseits gibt es in China eine Menge Kaufgelegenheiten für Aktien, die unterbewertet sind. Andererseits sind die Risiken höher. Die Märkte schwanken stark, weil China immer noch als Emerging Market gesehen wird. Der Börsenplatz wird der Peripherie zugeordnet, auch weil die Gewichtung in weltweiten Indizes gering ist. Die globalen Zu- und Abflüsse übertreiben weiterhin die Volatilitäten. Ich rate Anlegern, bewusst Fondsmanager mit einem konsistenten Investmentstil auszusuchen.

Kommentare zu " Anna Ho im Interview: „Der Markt hängt an der Gier und der Angst der Investoren“"

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  • Schön zu wissen, dass sie 20 Jahre Erfahrung hat. Gerade Personen, die in diesen Jahrzehnten gelernt und studiert haben, sind doch Lineardenker überhaupt!!

    Das System steht am Abgrund und nur die ewiggestrigen wie diese Frau HO, denken ihren linearen Scheiß weiter. Scheuklappen werden den Menschen auch schließlich beigebracht.

    Woher soll auch eine Frau Ho wissen, was Geld eigentlich für eine Aufgabe haben soll.
    Menschen des alten Eisens wissen dies noch ganz genau und diese habe schon vor Jahren ihre freien Kapitalanlagen in Sachwerte investiert, da sie wissen, was uns allen in den nächsten Monaten blüht.

  • Gegen diese Schönmalerei ist einiges einzuwenden, was Investoren beachten sollten:
    - Stabilität: China ist eine Diktatur, die ihre Herrschaft immer wieder mit brutalster Gewalt sichert und Kritiker gewaltsam abwürgt. Zudem wächst die Schere zwischen der kleinen Schicht der Superreichen und der großen Masse der Armen, von den Wanderarbeitern gar nicht zu reden. Und nach der großflächigen, bis heute deutlich nachwirkenden Ausrottung der kulturellen Tradition und ihrer Vertreter die Identität auf tönernen Füßen. Ein für alle verbindliches Wertesystem gibt es nicht. Ob sich solch ein System noch lange an der Macht halten kann, ist fragwürdig.
    - Transparenz: Fraglos nicht gegeben. Informationen werden unterdrückt, Kritiker systematisch zum Schweigen gebracht.
    - Vertrauenswürdigkeit: Alle mir bekannten Auslandsinvestoren klagen über Vertragsbrüche, Werkspionage und undurchdringliche Seilschaften. Sicher, die gibt es überall, aber in China offenbar besonders häufig. Hierzu passt auch die riesige PR-Maschinerie, die China in Gang gesetzt hat, um westliche Medien und Journalisten gezielt zu beeinflussen. Das bleibt weder unbemerkt, noch ist es sonderlich vertrauenerweckend.
    - Umwelt: Es gibt nur wenige Regionen, in der die Umwelt derart schnell, großflächig und nachhaltig vernichtet wird wie in China, von dem unsäglichen Umgang mit Tieren ganz zu schweigen. Auch hier werden Kritiker brutal zum Schweigen gebracht. Die finanziellen Folgen durch Umweltkatastrophen und Boden- und Wasservergiftung sind bereits heute sichtbar.

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