Anteilsaussetzung
Fonds verderben Anlegern den Genuss

Private Anleger spüren die Finanzkrise einmal mehr in ihrem Depot. Inhaber des "Cominvest Genussscheinfonds" kommen seit Dienstagabend nicht mehr an ihr Geld.

FRANKFURT. Die im Zuge des Dresdner-Bank-Verkaufs an die Commerzbank unter das Dach der Allianz-Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) geschlüpfte Cominvest hat die Ausgabe und Rücknahme der Fondsanteile vorübergehend ausgesetzt. "Genussscheine und nachrangige Anleihen können am Markt kaum noch gehandelt werden", begründet ein Vertreter der Cominvest den Schritt.

Der aktuell 150 Mio. Euro schwere Fonds litt zuletzt unter deutlichen Abflüssen und verlor in den vergangenen zwölf Monaten gut 17 Prozent an Wert (siehe Tabelle). Der Fonds, dessen Vermögen sich seit September 2008 fast halbiert hat, "ist illiquide geworden", sagt der Cominvest-Mann. Wegen "mangelnder Liquidität bei Genussscheinen, die den Handel nahezu vollständig zum Erliegen gebracht haben", hat auch HSBC Trinkaus bereits Ende September ihren Fonds "Genüsse International" bis auf weiteres geschlossen. Die anderen sechs Fonds der kleinen, speziellen Kategorie, die aktuell insgesamt rund 800 Mill. Euro verwaltet, bleiben nach Aussage der Fondsgesellschaften geöffnet.

Der größte Anbieter von Genussscheinfonds am deutschen Markt, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, berichtet trotz Abflüssen von "ausreichender Liquidität von sieben bis zehn Prozent" in ihren beiden Genussscheinfonds und in einem gemischten Rentenprodukt, das einen gewichtigen Anteil Genussscheine im Portfolio hat. Insgesamt verwaltet die DWS knapp 600 Mio. Euro in diesen drei Fonds.

Hintergrund für die jüngste Schließung ist die sich zuspitzende Situation bei sogenannten nachrangigen Anleihen, zu denen Genussscheine gehören. Die Ankündigungen einiger Banken wie der Depfa, Dresdner Bank oder der IKB, wegen ihrer dramatischen Verluste teils keine Zinsen auf nachrangige Anleihen zu zahlen und teilweise das Nominalkapital der Anleihen herabzusetzen, hat den ganzen Markt erstarren lassen. "Es gibt nahezu keine Käufer für Genussscheine mehr", sagt der Cominvest-Mann.

In der Krise litten Eigen- wie Fremdkapital (von Banken), sagt Andreas Köchling, Analyst beim Fonds-Researchhaus Feri Euro Rating. Da sei es klar, dass diese speziellen Fonds Probleme bekämen. Investoren dürften sich spätestens jetzt darüber bewusst werden, dass "Genussscheine generell eine weniger liquide Anlage sind", sagt er. Genussscheinfonds werden gemeinhin vermarktet als spezielle Produkte mit Renditekick.

Im Gegensatz zu einigen ebenfalls vorübergehend geschlossenen Fonds mit forderungsunterlegten Anleihen (Asset Backed Securities, ABS) sind bei Genussscheinfonds vor allem Privatanleger betroffen. "Genussscheinfonds sind ein typisches Produkt für Private", sagt Köchling. In der Branche sind vorübergehende Schließungen von Fonds umstritten. Befürworter weisen darauf hin, dass es in extremen Marktlagen nicht sinnvoll sei, Fonds offen zu halten und gegebenenfalls zu extrem schlechten Preisen Wertpapiere abstoßen zu müssen, um Kunden Fondsanteile abnehmen zu können. Gegner pochen hingegen auf das Recht des Kunden, täglich an sein Geld zu kommen.

Über mögliche weitere Schließungen mag in dieser extrem unsicheren Lage niemand spekulieren. Andere Kategorien von Anleihefonds dürften unter der Illiquidität der Nachranganleihen aber nicht leiden, meint Analyst Köchling. Diese Papiere würden den Portfolios meist nur beigemischt.

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