Arabischer Fonds bewegt die Aktienkurse
Mysteriöse Investoren

Die Nachricht, dass ein Investmentfonds einen Teil der Münchener Rück übernehmen möchte, schlug hohe Wellen. Wer genau sich hinter dem Arabic Finance Circle (AFC) verbirgt, ist nach wie vor weitgehend unklar – ebenso wie die Frage, ob die angekündigten Beteiligungen tatsächlich stattfinden. Die Finanzwelt rätselt über die ungewöhnlichen Geldgeber aus dem Nahen Osten.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Saeed Sharif hat dieser Tage viel zu tun. 30 bis 40 Anfragen von Brokern, Anlageberatern und Finanzinstituten hat der 32-Jährige seit Freitag erhalten – von den vielen Medienanrufen einmal ganz abgesehen. Mit einem einseitigen Schreiben hat Sharif sich und den privaten Investmentfonds Arabic Finance Circle (AFC) in die Finanzschlagzeilen gebracht. Denn am Freitag ließ Sharif, der Sprecher des AFC, über eine Wiener PR-Agentur mitteilen, besagter Fonds wolle Aktien von Münchener Rück, Comdirect und dem österreichischen Industrieunternehmen A-Tec Industries kaufen. Völlig gegen die Gepflogenheiten der Branche nannte er gleich noch Preise, die die sechs arabischen Finanziers, die hinter AFC stehen, bereit seien zu zahlen.

Niemand in der Finanzwelt kennt AFC, doch die Ankündigung trieb die Aktienkurse der drei Unternehmen hoch – am stärksten den der Comdirect, von der nur wenige Aktien im Streubesitz gehandelt werden. Um 25 Prozent stieg der Kurs im vorbörslichen Handel am Montag; zum Handelsschluss lag die Aktie noch knapp elf Prozent im Plus.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA prüfe den Vorgang routinemäßig, sagte ein Sprecher. Bei der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin wartet man noch ab, ob im Laufe der Woche mehr Informationen des Fonds folgen – oder er tatsächlich die Aktien kauft. Noch stehen Banken, Unternehmen und Aufsicht dem Vorgang ratlos gegenüber. Ist das Ganze ein großer Bluff – oder das etwas unbedarfte Vorgehen von reichen Privatinvestoren, die einfach noch keine Erfahrung damit haben, wie sie ihr Ölgeld professionell in Europa anlegen?

Sharif zufolge haben sechs Geldgeber den 30-Milliarden-Dollar-Fonds, dessen Sitz Wien sein soll, vor rund sechs Wochen gegründet. Zwei stammten aus Saudi-Arabien, einer aus Abu Dhabi, drei weitere kenne er selbst nicht, erzählt er am Telefon. Die Investoren wollten anonym bleiben, um sich vor Anfragen zu schützen. Sie seien besonders an im Dax notierten Unternehmen interessiert. Bisher sei aber noch keine Aktie gekauft worden. Weder Banker in Dubai noch in Deutschland haben jemals vom AFC gehört.

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