Auf gute Zusammenarbeit
Zertifikate erwünscht

Was sich neckt, das liebt sich. Unter diesem Motto ist aus dem erbitterten Streit zwischen der Fondsbranche und der Zertifikate-Industrie eine fast schon harmonische Beziehung entstanden. Doch durch den direkten Eintritt der ersten Fondsgesellschaft in den Zertifikate-Markt hat das neue Miteinander eine völlig andere Dimension erreicht.

KÖLN. Auf der einen Seite nutzen Fondsmanager die Zertifikate zur Chance/Risiko-Optimierung ihrer Portfolios, auf der anderen Seite dienen Investmentfonds den Emittenten als Basiswerte für ihre Zertifikate. Doch durch den direkten Eintritt der ersten Fondsgesellschaft in den Zertifikate-Markt hat das neue Miteinander noch einmal eine völlig andere Dimension erreicht.

Zumal es auch noch der Fonds-Marktführer DWS ist, der über die Luxemburger Verbriefungsgesellschaft DWS Go seit einigen Monaten eigenständig Zertifikate anbietet. Durch die Zusammenarbeit mit internationalen Partnerinstituten wie beispielsweise der Société Générale, die unter gewissen Voraussetzungen ausreichende Sicherheiten hinterlegen müssen, soll das bei Zertifikaten immer wieder kritisierte Emittentenrisiko deutlich reduziert werden.

Hintergrund: Anders als Fonds sind Zertifikate keine Sondervermögen, wodurch das eingesetzte Kapital bei einem Konkurs des Emittenten nicht extra gesichert ist. Einige Vertreter der Fondsbranche haben in der Vergangenheit häufig darauf hingewiesen, dass für Anleger hier ein gewisses Risiko besteht. Gerade bei der privaten Altersvorsorge sei es wichtig, hier eine vertrauenswürdige Lösung zu finden.

Aber auch über das Bonitäts-Thema hinaus grenzt sich die DWS Go von den meisten anderen Emittenten deutlich ab. Wie bei den DWS-Fonds können Anleger auch bei den angebotenen Zertifikaten von der Expertise der hauseigenen Analysten profitieren. „Wir wollen auch hier immer das Maximum für den Kunden rausholen“, sagt Ferdinand Haas, der bei der DWS die Abteilung strukturierte Produkte leitet. Grundlage eines jeden Zertifikats ist deshalb das aktive Management des zu Grunde liegenden Basiswertes. Damit unterscheidet man sich von dem sonst in der Branche üblichen passiven Investmentansatz, bei dem in der Regel nach festen Kriterien zusammengestellte Indizes oder Baskets nachgebildet werden. Im Grunde ähneln die neuen Zertifikate der DWS Go damit den Fonds-Lösungen der DWS. Warum also Zertifikate?

Die Deutsche Bank-Tochter stellt bei ihrer Argumentation vor allem den Anlegernutzen in den Mittelpunkt. "Mit Zertifikaten können wir den Kunden neue Underlyings anbieten, die mit Fonds bislang nicht darstellbar waren", erklärt Haas, der dabei auf so „enge“ Märkte wie zum Beispiel Vietnam verweist. Gerade bei solchen Nischenmärkten machen sich auch die für den Emittenten geringeren Kosten einer Zertifikate-Lösung bemerkbar. „Die Auflegung eines Fonds lohnt sich erst bei einem Volumen von rund 100 Mill. Euro. Bei Zertifikaten reichen bereits 20 Mill. Euro“, erklärt der DWS-Experte. Zudem verweist er auf einen großen Vorteil von Zertifikaten: Während die meisten Fonds nur von steigenden Kursen profitieren, können Zertifikate auch bei fallenden oder stagnierenden Märkten positive Renditen erwirtschaften. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis einige der DWS-Fonds als Garantie- oder sonstige Zertifikate-Lösungen handelbar werden.

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Doch natürlich steckt hinter dem plötzlichen Strategiewechsel des Marktführers auch eine gehörige Portion Eigeninteresse. So stehen die Fondsgesellschaften generell vor dem Problem, dass immer mehr Anleger vor den hohen Ausgabeaufschlägen bei Investment-fonds zurückschrecken und auf kostengünstigere Lösungen wie Zertifikate oder ETFs (börsengehandelte Fonds ohne Agio) ausweichen.

Anstatt nun bei allen Fonds sukzessive die Ausgabeaufschläge zu streichen, entschied sich die DWS lieber dafür, aktiv gemanagte Zertifikate als Alternative für die kostenbewussten und eigenständig entscheidenden Anleger anzubieten. So kann das - auch für den Vertrieb - margenträchtige Fondsgeschäft weiter am Leben gehalten werden. So mancher Experte hält dies für eine Variante, die in der Branche durchaus ihre Nachahmer finden könnte.

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