Aufsicht regelt stärkeres Assekuranz-Engagement: Versicherungen sollen Markt beleben

Aufsicht regelt stärkeres Assekuranz-Engagement
Versicherungen sollen Markt beleben

Institutionelle Anleger planen, ihre Hedge-Fonds-Investitionsquote zu verfünffachen. Nach internen Schätzungen von Marktteilnehmern würde der Hedge-Fondsmarkt um 30 Mrd. Euro wachsen, wenn nur die 70 größten der 700 deutschen Versicherungsunternehmen die fünfprozentige Investitionsquote für Alternative Investments ausnützten. In fünf Jahren könnte der deutschen Hedge-Fonds-Markt über 50 Mrd. Euro ausmachen.

HB DÜSSELDORF. Diese Schätzungen setzen aber ein konsequentes Investment der Versicherungskonzerne in Hegde-Fonds voraus, das von der seit August 2004 geltenden überarbeiteten "Verordnung über die Anlage des gebundenen Vermögens von Versicherungsunternehmen", kurz Anlageverordnung, geregelt wird.

Sie benennt die zulässigen Vermögensanlagen für Versicherungen und enthält quantitative und schuldnerbezogene Anlagegrenzen. Der neue Anlagekatalog umfasst nun auch auch Hedge-Fonds sowie strukturierte Produkte, deren Ertrag oder Rückzahlung an Hedge-Fonds gebunden ist.

Bisher war Versicherungsunternehmen ein Investment in Hedge-Fonds nur sehr beschränkt im Rahmen der von der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin gestatten Öffnungsklausel möglich - fünf und in Ausnahmefällen maximal zehn Prozent des gebundenen Vermögens durften Versicherer bislang in derartige Investments leiten.

Bis zu fünf Prozent in Hedge-Fonds

Die neue Anlageverodnung erlaubt neben dem Ausnutzen der Öffnungsklausel die direkte oder indirekte Anlage von bis zu fünf Prozent des gebundenen Vermögens in Hedge-Fonds. Diese Fonds müssen allerdings ihren Sitz Sitz im Inland oder einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) haben. Da die meisten etablierten Hedge-Fonds ihren Sitz außerhalb des EWR haben, wird ein breites Anlagespektrum ausgeklammert. In diese Hedge-Fonds kann von Versicherungsunternehmen wie bisher nur auf Grundlage der Öffnungsklausel investiert werden.

Bei einem einzelnen Dachfonds oder einem breit diversifizierten, strukturierten Produkt können sich Versicherer grundsätzlich mit bis zu fünf Prozent des gebundenen Vermögens engagieren. Aus Risikoerwägungen ist die Anlage in einen Einzelfonds auf ein Prozent begrenzt. Der jeweilige Einzelfonds selbst darf sich nicht mit mehr als 50 Prozent an andere Hedge-Fonds beteiligen. Zudem darf in maximal zwei Einzelfonds des selben Emittenten oder Fondsmanagers angelegt werden. Wegen des bestehenden Risikopotenzials fallen sämtliche direkte und indirekte Anlagen in Hedge-Fonds in die 35-prozentige Risikokapitalquote. Es ist zu erwarten, dass die Unternehmen auf Grund mangelnder Erfahrung und des erhöhten Risikopotenzials von Einzelfonds zunächst wohl vorwiegend in Dachfonds investieren.

Insgesamt ist die neue Anlageverordnung bezüglich Hedge-Fonds-Investitionen - trotz Erweiterung des Anlagespektrums - wieder nur ein erster Schritt. Weitere Liberalisierungen sind aber mit zunehmender Erfahrung von Unternehmensseite und auch von Seiten der Aufsichtsbehörde im Bereich dieses Alternativen Investments zu erwarten.

Sven Zeller ist Partner bei Clifford Chance in Frankfurt.

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