Auftrieb der türkischen Lira
Türkei-Anleihen stärken Europa-Rentenfonds

Ob und vor allem wann die Türkei der Europäischen Union beitreten darf, darüber streiten Politiker seit Jahren. Den Auftrieb der türkischen Lira konnte diese Diskussion nicht stoppen: Seit dem vergangenen Herbst stieg die Währung gegenüber dem Euro um mehr als zehn Prozent - aber auch in Polen sehen Fondsmanager gute Chancen.

HAMBURG. Kein anderes OECD-Land zahlt derzeit höhere Zinsen als die Türkei - je nach Laufzeit zwischen 15 und 18 Prozent. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass im jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich von auf europäische Renten spezialisierten Investmentfonds (Tabelle) Angebote mit hohem Türkei-Anteil weit vorn rangieren. Steven Gardyn etwa, Manager des Spitzenreiters KBC Bonds Euro Candidates der belgischen KBC Asset Management, war zwischenzeitlich zu mehr als 15 Prozent in Lira-Papieren investiert. Auch wenn er diesen Anteil in den vergangenen Wochen zugunsten polnischer Zloty-Anleihen reduziert hat, sieht Gardyn am Bosporus weiter gute Chancen. "Wenn die US-Notenbank ihre Zinssenkungspolitik fortsetzt, wird noch mehr Geld in Hochzinswährungen fließen", vermutet der KBC-Manager. Dabei könne es zwar angesichts der politischen Unsicherheiten und der militärischen Spannungen in der Region immer wieder zu vereinzelten Rückschlägen kommen, die aber dann jeweils eine gute Kaufmöglichkeit darstellten.

Auch dem auf Rang zehn liegenden Uni Euro Renta Selected Ideas von Union Investment gab der Lira-Aufschwung Rückenwind - allerdings erst seit dem 1. Mai. Zu diesem Stichtag hat Union-Manager Peter Schottmüller das Konzept des Fonds auf einen Total-Return-Ansatz umgestellt. Seither sollen Wertzuwächse nicht mehr allein aus Zinseinnahmen und Kursgewinnen resultieren, sondern auch ganz gezielt aus Währungsgeschäften. Dabei machen Lira-Papiere aktuell rund zehn Prozent des Portfolios aus. "Wirtschaftlich betrachtet läuft es in der Türkei derzeit optimal", sagt Schottmüller, verweist aber wie Gardyn auf die politische Unsicherheit. Mittelfristig überwiegen aber auch für Schottmüller die Chancen des "letzten großen Konvergenz-Spiels in Europa".

Wieder etwas aufstocken will der Union-Manager seine Bestände an Zloty-Anleihen (aktuell: drei Prozent). "Mit dem Ausgang der Parlamentswahlen vom vergangenen Sonntag dürften die Hindernisse für eine plangemäße Einführung des Euros aus dem Weg geräumt sein", sagt er. Angesichts der wieder größeren Renditeabstände hat Schottmüller auch den Bestand an Firmenanleihen auf nunmehr 15 Prozent ausgebaut. In diesem Segment bevorzugt er vor allem staatsnahe Schuldner aus Osteuropa, unter anderem Gazprom und die Stadt Moskau.

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