Ausgetrockneter Mark
Immer mehr Fonds ziehen die Notbremse

Die Reihe der Fonds, die wegen des ausgetrockneten Marktes als Folge der US-Immobilienkrise nicht mehr funktionsfähig sind, wird immer länger. Am Donnerstag hat die französische Großbank BNP Paribas abgekündigt, drei Fonds zu schließen. Die Nachricht brachte europaweit die Finanzwerte unter starken Druck.

PARIS / FRANKFURT. Die französische Großbank BNP Paribas hat am Donnerstag die Märkte mit der Nachricht geschockt, dass der Vermögensverwalter der Gruppe drei Fonds im Wert von 1,6 Mrd. Euro schließt. Als Grund nannte die Großbank „das Verschwinden jeglicher Transaktionen in einigen Marktsegmenten“ für verbriefte Kredite und damit die „quasi totale Illiquidität“. Damit wird die Reihe der Fonds, die wegen eines ausgetrockneten Marktes nicht mehr funktionsfähig sind, immer länger. Die Fonds legen in Papieren an, in denen zumindest teilweise forderungsbesicherte US-Hypothekenanleihen geringer Bonität („Subprime“) stecken.

Die Krise schlägt bereits auf die allgemeine Stimmung durch. Am Donnerstag machten Spekulationen über Mittelabzüge in Höhe von 500 Mill. Euro beim derzeit 2,7 Mrd. Euro schweren „DWS ABS Fund“ die Runde. Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS räumte zwar Abflüsse ein, wollte die Größenordnung aber nicht kommentieren. Der nicht im Subprime-Segment engagierte Fonds soll offen bleiben, hieß es.

Die Nachricht über die international vertriebenen BNP-Produkte brachte europaweit Finanzwerte unter starken Druck. Denn noch am 1. August hatte Bank-Chef Baudouin Prot bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen gesagt, die Liquidität der Fonds sei „vollkommen gesichert“. „Die Liquidität ist in dieser Woche schlagartig zusammengebrochen“, erklärte der Sprecher von BNP Paribas Investment Partner den Widerspruch zwischen der plötzlichen Fondsschließung und den Versicherungen des Top-Managements.

Betroffen sind die Fonds „Parvest Dynamic ABS“, „BNP Paribas ABS Euribor“ und „BNP Paribas ABS Eonia“. Die französische Großbank betonte, dass die Fonds keinen Zahlungsausfall oder keine Rating-Abstufung zu beklagen hätten. „Die Schuldner der verbrieften Kredite leisten ihre Zinszahlungen,“ sagte der Sprecher. Daher sehen die Franzosen das totale Fernbleiben von Käufern dieser Papiere als eine übertriebene Panikreaktion an. Das Volumen der drei Fonds habe am 27. Juli noch rund zwei Mrd. Euro betragen und ist damit bisher um rund 0,4 Mrd. Euro geschmolzen. Das sei überwiegend auf Verkäufe von Investoren zurückzuführen, hieß es.

Anders als Axa Investment Managers (Axa IM) will nun BNP Paribas seinen Kunden keine Fondsanteile auf eigene Rechnung abnehmen. Bereits Ende Juli hatte der Vermögensverwalter von Europas zweitgrößtem Versicherer zwei Fonds vorübergehend geschlossen. Auch die Fondstochter von Oddo hatte drei Fonds dichtgemacht. Trotz der Liquiditätsprobleme bietet Axa IM an, die Anteile auf eigene Rechnung zurückzugeben. Laut Axa ist bei beiden Fonds seit Ende Juni das Volumen von 900 Mill. auf rund 400 Mill. Euro gesunken. Dabei hat Axa laut Finanzvorstand Denis Duverne für 300 Mill. Euro Anteile übernommen, 200 Mill. Euro des Volumenrückgangs erklärten sich aus Wertverlusten. Außerhalb Frankreichs schloss in dieser Woche auch ein von Sal. Oppenheim betreuter Fonds in Österreich.

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