Ausweis der Gesamtkostenquote ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn noch einige Wünsche offen bleiben
Wie der Trend zur Gebührentransparenz dem Anleger nutzt

Das ist eine gute Nachricht: Anleger werden beim Fondskauf bald einen besseren Einblick in ihre wahre Gebührenbelastung erhalten. "Es ergibt sich ein deutliches Mehr an Transparenz und Vergleichbarkeit", schwärmt Pia Schneider von der Fondsgesellschaft Deka.

HB DÜSSELDORF. Das zur Sparkassenorganisation gehörende Unternehmen hat Anfang Februar die ersten Gesamtkostenquoten ("Total Expense Ratio", TER) für ihre mehr als 200 Fonds veröffentlicht. Nach und nach wird diese Information nun in den Rechenschaftsberichten, aber auch in den Internetfondsporträts und auf der Homepage publiziert.

In Sachen Gesamtkostenquote ist Schnelligkeit Trumpf. Nach und nach wollen laut einer Umfrage der IFA - Privates Institut für Fondsanalyse - fast alle der 76 im Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zusammengeschlossenen Fondsgesellschaften die Kostensätze ihrer Fonds veröffentlichen. Allerdings will nur die Hälfte der befragten Gesellschaften dies auch in den für normale Anleger am leichtesten zugänglichen Verkaufsprospekten tun.

Mit ihren guten Absichten hat die Branche aber die richtige Richtung eingeschlagen. Fondsinvestoren haben viele Gebühren zu zahlen, von denen die meisten versteckt sind: Neben dem schon üppigen einmaligen Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % müssen sie jährlich Managementgebühren von bis zu 1,75 % des Fondswertes, Depotgebühren (für die Verwahrung der Papiere des Fonds) zwischen 0,1 und 0,4 % jährlich und natürlich noch die üblichen Transaktionskosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren im Fonds zahlen. Die "versteckten" Kosten für Verwaltung, Depot und Transaktionen erscheinen nicht einmal auf irgendeiner Rechnung: Sie werden automatisch vom Fondsvermögen abgezogen.

Künftig soll alles besser werden: Ende Oktober 2002 beschlossen die im BVI organisierten Fondsgesellschaften einen 47 Punkte umfassenden "Wohlverhaltensregeln"-Katalog. Unter anderem empfiehlt der Verband nun, den Gesamtbetrag der Kosten in Prozent des Fondsvermögens in einer Kennzahl anzugeben: der erwähnten TER. Diese Kennzahl ist bei ausländischen Fondsgesellschaften schon längst üblich.

Gesamtkostenqute ist aussagekräftiger

Für das Geschäftsjahr 2003 soll die Gesamtkostenquote erstmals von allen Gesellschaften veröffentlicht werden. Die Kennziffer fasst alle innerhalb des Geschäftsjahres in einem Fonds entstehenden Kosten zusammen. Diese Gesamtkostenbelastung wird in Prozent des durchschnittlichen Fondsvermögens angegeben. Neben der Managementvergütung und Depotbankvergütung fließen also auch Prüfungskosten oder die Kosten für den Druck der Rechenschaftsberichte ein. "Die Gesamtkostenquote ist weit aussagekräftiger als die reine jährliche Managementgebühr, die bisher veröffentlicht werden musste", sagt Ed Moisson vom britischen Researchhaus Fitzrovia, einem Vorreiter des TER-Konzeptes.

Für den Anleger bietet die neue Kennzahl klare Vorteile, denn die Kostenunterschiede zwischen den Fonds sind offenbar groß. Nach einer ersten IFA-Untersuchung auf Basis von 700 Fonds von 15 Fondsgesellschaften kassieren Aktienfonds durchschnittlich 1,73 % des Fondsvolumens an Gebühren. Die Spanne liegt zwischen 0,41 und 3,43 %. Das heißt: Der teuerste Fonds muss drei Prozentpunkte mehr Rendite pro Jahr einfahren, damit sich das Investment im Vergleich zum günstigsten Fonds lohnt. Ähnliche Differenzen, wenn auch auf niedrigerem Niveau, gibt es bei Rentenfonds.

Bei allen Vorteilen hat die neue Kennzahl auch ihre Grenzen. "Der Anleger muss genau darauf achten, was dahinter steht", warnt Schneider. So bleibt der beim Kauf der Fonds einmalig fällige Ausgabeaufschlag bei der Gesamtkostenquote außen vor. Außerdem differiert die TER nach Fondsalter, Volumen oder Anlageschwerpunkten.

Grundsätzlich nicht enthalten in der Gesamtkostenquote sind erfolgsabhängige Vergütungen. Immerhin: "Fast alle der befragten Gesellschaften, die Fonds mit Erfolgsgebühren anbieten, wollen diesen Posten gesondert ausweisen", sagt Michael Mann von IFA. Dies entspricht der BVI-Empfehlung.

Nur ein erster Schritt

Noch gravierender ist, dass auch die Transaktionskosten, also die Banken- und Brokerspesen sowie-provisionen für den Kauf und Verkauf der Wertpapiere, nicht in die Kennzahl einfließen. "Weil die Transaktionskosten fehlen, ist das TER-Konzept nur ein erster Schritt in Richtung Kostentransparenz", sagt Min Sun, Managing Partner des Fondsresearchhauses Feri Trust.

Dagegen verteidigt Andreas Fink vom BVI das Konzept: "Die Transaktionskosten werden von vielen Gesellschaften auch intern nicht separat ausgewiesen, und bei vielen Börsengeschäften zwischen Profis wäre dies auch schwierig." So würden große Aktienpakete oder Anleihen häufig provisionsfrei zu Nettopreisen erworben. Sollte sich ein Fonds gar vorab auf eine Obergrenze für die TER inklusive Transaktionskosten festlegen müssen, könnte sich dies sogar kontraproduktiv auf die Performance auswirken, warnt Fink: "Bei wichtigen Ereignissen, die ein erhöhtes Trading notwendig machen, hat der Fonds eher einen negativen Anreiz dies auch zu tun."

Immerhin: Zwei der von IFA befragten Fondsgesellschaften (UBS, Indexchange) erheben so genannte "All-in-Fees". Dabei handelt es sich um Gesamtgebühren, die alle anfallenden Kosten zu Lasten des Fonds - einschließlich der Transaktionskosten - erfassen. "Die Fonds haben damit keinen Anreiz mehr, durch häufiges Trading Einnahmen für den Anbieter zu generieren", nennt Sun einen Vorteil für Anleger.

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