Auswirkungen der Abgeltungsteuer
Kritik an Fondsgebühren

Hinter den Kulissen der Anlagebranche beginnt eine Debatte über die künftige Gebühren- und Absatzpolitik. Vor dem Hintergrund möglicher Auswirkungen der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer ist nach Einschätzung einiger Marktbeobachtern zu erwarten, dass Fondsanbieter ihre geforderten Sätze erhöhen.

FRANKFURT. Zudem könnten Banken und Vertriebe im Verkauf auf Produkte mit höheren Margen umschwenken. Verschärft wird die Diskussion noch durch die gestiegenen Kapitalbedürfnisse der Banken im Zuge der Kreditkrise. „Die Berater stehen unter enormem Druck, ihre Provisionseinnahmen zu erhöhen“, sagt der Vertreter einer Fondsgesellschaft. „Der Verkaufsdruck am Bankschalter ist enorm“, bestätigt Rüdiger Sälzle, Vorstand von Fonds Consult Asset Management.

Hinter den steuerlichen Überlegungen steht unter anderem die Idee des sogenannten Bestandsschutzes für Investmentfonds: Wer noch bis zum Jahresende sein Vermögen langfristig anlegt, beispielsweise in flexibel agierende Dach- und Mischfonds, muss bei späterer Anteilsrückgabe die im Fonds angefallenen Kursgewinne nicht versteuern.

Sollten Privatanleger diese Chance nutzen, würde es bis zum Jahresende zu einem Ansturm auf Fondsprodukte kommen, dem allerdings eine Flaute folgen könnte. Das wäre ein Problem für Banken und Vertriebe, denn deren Einnahmen – maßgeblich die Ausgabeaufschläge – würden nach der steuerlich getriebenen Sonderkonjunktur in diesem Jahr ab dem kommenden Jahr absacken.

Bisher vereinnahmen die Banken neben dem Aufschlag von beispielsweise fünf Prozent bei Aktienfonds auch Teile der Managementgebühr von durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr (siehe „Die Fondskosten steigen“). „Auch unabhängig von der Abgeltungsteuer wird der Aufschlag weniger wichtig, er ist aus Kundensicht immer mehr Verhandlungssache“, sagt Dirk Arning vom Finanzinformationsdienst Drescher & Cie.

Als Einnahmequelle wichtiger werden dagegen die laufenden Gebühren. „Diesen Trend beobachten wir seit Jahren, er könnte durch die Abgeltungsteuer weiter gestützt werden“, sagt Ed Moisson, Fondsanalyst und Gebührenexperte bei der Londoner Researchfirma Lipper.

Motor steigender Managementgebühren waren in den vergangenen Jahren die wachsenden Ansprüche der Banken und Vertriebe, die immer höhere Anteile an diesen Sätzen forderten. Banken und Vertriebe kassieren inzwischen mindestens die Hälfte der Managementgebühr. „Dem Verlust an Ausgabeaufschlag kann man beispielsweise durch höhere Verwaltungsgebühren entgegenwirken“, sagt Christian Kreuser, bei der unabhängigen Quirin Bank zuständig für Privatkunden. „Wo die Einnahmen anfallen, ist konzernintern egal, denn viele Fondsgesellschaften sind Töchter von Banken oder Versicherungen.“ Vertreter großer Fondshäuser winken ab. „Es gibt keinen Spielraum für Gebührenanhebungen“, sagt einer von ihnen. Doch Sälzle hält das für denkbar: „Die Erhöhung würde dann an die Vertriebe fließen.“

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