Auswirkungen der US-Hypothekenkrise
Nicht jeder Geldmarktfonds ist ein guter Fang

Die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise haben den Ruf einer Gruppe von Investmentfonds erschüttert, die für sichere Geldanlage ohne Verluste steht. Fast jeder fünfte Geldmarktfonds hat nach Erhebungen des Analysehauses Feri im August, noch jeder zehnte Fonds hat im September Minus gemacht.

HB FRANKFURT. Im Oktober trauen sich Fondsanbieter am 102 Mrd. Euro schweren Markt allmählich von einer Bodenbildung zu sprechen. Ein genauer Blick auf die Fonds zeigt einen feinen Unterschied innerhalb der Fonds-Gruppe: Rote Zahlen haben die Geldmarktfonds geschrieben, die auf der Suche nach Extra-Rendite gewisse Risiken bei Bonität und Liquidität eingehen. Die klassischen Fonds, die vor allem in Termineinlagen, kurzfristige Staatsanleihen oder hochliquide Unternehmensanleihen (Commercial Paper) investieren, haben zuletzt zwar auch kaum Wertsteigerungen erzielt, sind aber im Plus geblieben. Anleger sollten sich die Fonds daher genau anschauen.

Viele Fonds hätten Verluste wie nie zuvor erzielt, sagt Christian Michel, Analyst beim Fondsratinghaus Feri Rating & Research. Hintergrund: Zahlreiche Fondshäuser haben vor einigen Jahren spezielle Geldmarktfonds mit Kick aufgelegt, um den attraktiven Tages- und Festgeldangeboten der Banken etwas entgegenzusetzen. Diese Fonds setzen auf besondere Renditechancen mit kurzfristigen Firmenbonds und forderungsunterlegten Wertpapieren (Asset Backed Securities, ABS).

Im Zuge der Krise mit zweitklassigen Hypothekenschulden (Subprime) sind auch die Papiere in den Fonds mit meist guter Bonität unter Druck geraten. "Dieser technisch bedingte Ausverkauf in vielen Festzins-Sektoren hat zu dramatischen Wertverlusten auf ein Niveau unterhalb des fairen Marktwerts geführt", sagt Sven Lorenz von einem der größten Geldmarktfondsanbieter in Europa, JP Morgan Asset Management. Inzwischen erkennt er allerdings eine "Stabilisierung am Markt". Auch Standard & Poor's-Analysten beobachten eine Stabilisierung am Markt und wieder steigendes Interesse von Fondsmanagern an ABS.

Der Cominvest Short Term Plus weist in der September-Bilanz von Feri mit knapp zwei Prozent das größte Minus aus. Der Fonds investiert gewichtige Teile seines Vermögens in qualitativ gute ABS und Firmenanleihen. Ähnlich steht der Euro-Flex-Plus-Fonds der Sparkassenfonds-Tochter Deka da, der sogar überwiegend in ABS guter Bonität anlegt. "Die Wertverluste sind nicht dramatisch", sagt Natalia Wolfstetter vom Ratinghaus Morningstar. Sie zeigten aber, dass gewisse Kredit- und Liquiditätsrisiken auch mal rote Zahlen bedeuten könnten. Vermutlich sei dies auch manchen Geldberatern nicht präsent gewesen.

Anleger müssen sich entscheiden: Wer kein Minus will, muss die langweiligeren, klassischen Varianten von Geldmarktfonds wählen. Genau diese scheinen derzeit besonders beliebt zu sein: Große Anbieter wie JPMAM oder Deka sprachen im Spätsommer von Abflüssen aus ihren speziellen Geldmarktfonds, aber von teils hohen Zuflüssen in klassische Produkte. Auf sehr lange Sicht hinken manche langweiligen Produkte den vermeintlich spannenderen übrigens kaum hinterher: Nach Berechnungen des Fondsverbands BVI macht der Renditenachteil über zehn Jahre hinweg bei einzelnen Fonds gerade mal 0,5 Prozent jährlich aus.

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