Autokonzern droht Herabstufung auf „Junk“-Niveau
Experten warnen vor GM-Bonds

Besitzer von Anleihen des US-Autoriesen General Motors (GM) sorgen sich um ihr Geld. Grund ist die Gewinnwarnung des Konzerns am 16. März, in dessen Folge die großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch das Unternehmen herunterstuften bzw. es mit „negativem Ausblick“ bewerteten. Damit ist eine Herabstufung der GM-Anleihen unter das sichere „Investment Grade“ und in den „Junk-Bond“-Status in greifbare Nähe gerückt.

HB DÜSSELDORF. Die wichtigsten in Euro notierenden GM-Anleihen werden in den Jahren 2013 und 2033 fällig. Der Renditeaufschlag (Spread) für die zehnjährige GM-Anleihe liegt bei rund 5,80 Prozentpunkten (580 Basispunkten) über der gleichlaufenden Bundesanleihe, der Spread der 30-Jährigen beträgt 560 Basispunkte. Auch bei Bonds der Finanztochter GMAC ist der Renditeaufschlag der 2011er Anleihe geringer als der bis 2010 laufenden. Diese flache und teilweise sogar inverse Zinskurve sei ein Hinweis, dass der Markt von einem Liquiditätsengpass ausgegangen sei, sagt Detlef Giebe von der DZ Bank. Das sei jedoch eine Überreaktion gewesen – wie auch die mittlerweile wieder steiler werdenden Zinskurve zeige.

Für den übertriebenen Kursrückgang auch am kurzen Ende sorgten Gerüchte, dass der Konzern freiwillig Insolvenz anmelden werde, um seine Pensions- und Gesundheitskostenverbindlichkeiten mit den Gläubigern zusammen restrukturieren zu können, sagt Sven Kreitmair, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Zudem habe es Spekulationen gegeben, dass womöglich kein Geld mehr in den Kassen sei. „GM verfügt momentan noch über eine ordentliche Liquidität“, sagt hingegen Giebe. Zum Bilanzstichtag verfügte GM über 23,2 Mrd. Dollar Bruttoliquidität, die Finanztochter GMAC über noch einmal 37 Mrd. Dollar. Letztere könnte zudem aufgrund seiner Kreditlinien bei den Banken auf 20 Mrd. Dollar zugreifen. „Daraus sollte GM die Verbindlichkeiten bis Februar 2006 bedienen können“, sagt Elmar Zurek, Fondsmanager bei der DWS.

Einen Unterschied zwischen den GM- und GMAC-Bonds macht nur die Ratingagentur Moody’s. Sie bewertet die Finanztochter leicht besser als den Mutterkonzern. Der Grund für die Differenzierung ist einfach: „Man geht davon aus, dass Forderungen gegenüber den Kunden der Finanztochter leichter zu verwerten sind als Forderungen gegenüber einem Industrieunternehmen“, erläutert Zurek.

Damit sind die relativ hohen Risikoaufschläge am kurzen Ende der GMAC-Kurve zurzeit „eher eine gute Kaufgelegenheit“, sagt Zurek. Allerdings: „Der Junk-Bond-Status droht allen Anleihen.“ Der DWS-Manager hält es für wahrscheinlich, dass Standard & Poor’s oder Fitch in den nächsten drei bis sechs Monaten die Bewertung aus dem sicheren „Investment Grade“ absenken und die Anleihen des Automobilkonzerns damit als Junk-Bonds – auch Schrottanleihen oder High-Yield-Bonds (hochverzinsliche Anleihen) genannt – bewerten wird.

Für eine schlechtere Bewertung spreche der für das Jahr 2005 vom Konsens erwartete Gewinn je Aktie von derzeit 75 Cent, sagt Analyst Kreitmair, das bedeute eine erneute Gewinnwarnung. Die könnte die Kurse erneut fallen lassen. „Wenn GM-Bonds zu hochverzinslichen Anleihen werden, muss man – auch nach der starken Spreadausweitung der vergangenen Tage – damit rechnen, dass sich die Renditeabstände gegenüber Staatsanleihen erneut vergrößern“, sagt Zurek von der DWS. Daher sind die Experten bei längeren Laufzeiten sehr skeptisch.

Hoffnungen setzt HVB-Analyst Kreitmair jedoch auf die Finanzsparte, die sich auf Kredite für Gewerbeimmobilien spezialisiert hat und die möglicherweise verkauft werden soll. „Durch eine damit verbundene Abtrennung dieser Aktivitäten mit einem eigenen Rating könnte deren Refinanzierung auf Konditionen im Investment-Grade verbessert werden. Das würde auch positiv auf die Profitabilität dieser Aktivitäten wirken.“

Trotz seiner düsteren Prognosen hält Zurek es für möglich, dass GM die Pleite abwenden wird. Schließlich sei es nicht völlig undenkbar, dass sich auch die US-Politik zu Wort melde, um den Traditionskonzern zu retten.

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