Award-Geflüster
Tattoos, Schwindler und ein Dax bei 7.700 Punkten

Öl und Aktien waren zentrale Themen auf den Fund Awards, aber längst nicht die einzigen: Warum wir Werte brauchen, wieso wir den Briten voraus sind und was hinter dem „Frankfurt – New York Stock Exchange“-Menü steckt.
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FrankfurtMozarts „Kleine Nachtmusik“ nicht im Konzertsaal, sondern als Klingelton. Tattoos nicht mehr bei Seeleuten, sondern bei der Frau des Bundespräsidenten. Und Männer, die ihrer Automarke treuer sind als ihrer Partnerin. Es sind verrückte Zeiten, weshalb Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart seiner Dinner-Rede auch den Titel „Das ist doch nicht normal“ gab. Zu alledem hat die Welt, wie wir sie von früher kannten, völlig ihren Halt verloren. Familie, Kirche und lebenslanger Job als Gewährträger dafür gibt es längst nicht mehr in der bisherigen Form.

Es waren deutliche Worte, die sich die versammelte Gemeinde der Geldmanager anhören musste. Wenigstens einige dieser altbewährten Werte sollte man sich erhalten, mahnte Steingart. Verlässliche Bindungen sollte es ebenso weiter geben wie das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns. Und er machte Hoffnung. Die Briten beispielsweise – die nicht gerade den Ruf haben, besonders Deutschland-freundlich zu sein – bewundern uns gerade dieser Tage wegen der schonungslosen Art, Dinge zu bewerten. Nicht zu Unrecht hat der angesehene „Economist“ gerade erst „Vorsprung durch Panik“ getitelt.

Gut lachen hatte Jens Wilhelm, Vorstand von Union Investment. Das Fondshaus der Genossenschaftsbanken hatte diesmal alle anderen in den Schatten gestellt. Die Stimmung an der Börse? „Bestens.“ Der Dax? „Bald bei 7 700 Punkten, und zwar früher, als alle denken.“ Die Unruhen in Nordafrika und das erneute Beben in Japan? „Im Moment nur mit geringem Einfluss auf die Märkte." Zumal doch der Ifo-Index auf neue Höhen steigt und die Arbeitslosigkeit so niedrig ist, dass sie kaum noch spürbar ist. Selbst den Ölpreis von über 120 Dollar je Fass stecken die Anleger weg. „Nur an der Zapfsäule, da tut es ziemlich weh.“ Das liege auch an der Mentalität der Deutschen, die selbst in besten Zeiten nie aufhörten zu jammern.

Wer vermutet, es würden sich nur Fondsmanager dafür interessieren, wer die Besten aus ihren Reihen sind, der irrt. Auch jede Menge Menschen aus deren beruflichem Umfeld waren dabei. „Friends and Family“ würde man dies bei Aktienplatzierungen vermutlich nennen. „Wir wollen mal sehen, was diejenigen, die wir beraten, daraus gemacht haben“, sagte Magnus Graf von Schlieffen, der bei Bank of America Merrill Lynch mit seinem zwölfköpfigen Team vielversprechende Aktien herausfiltert, die die Fonds kaufen sollen. Ob denn einer der von ihm beratenen Fonds auch einen Preis abgeräumt hat? „Wir dürfen leider nichts zu unseren Kunden sagen“, räumte er vielsagend ein.

Als „Frankfurt – New York Stock Exchange“-Menü waren die Kreationen von Radisson-SAS-Chefkoch Oliver Schakow im Programm angekündigt. Ob sich dieser Titel noch halten ließe, wollte mancher Fondsmanager angesichts der jüngsten Entwicklungen im Fusionspoker der beiden Börsen wissen. Steht doch der Zusammenschluss seit dieser Woche mehr denn je auf der Kippe. Dass neben Spezialitäten von der Wall Street auch solche vom Frankfurter Börsenplatz gereicht wurden, kam jedenfalls gut an. Ein „New York – New York“-Menü wäre dann doch zu einseitig, hieß es.

Zufall oder gewollt? Zur Tradition geworden ist es mittlerweile schon, dass just zu dem Zeitpunkt, an dem Morningstar und Handelsblatt ihren „Award der Fondsbranche“ vergeben, nebenan am Messegelände die weltweit bedeutendste Musikmesse stattfindet. Im Hotel vermischen sich dann beide Gruppen, wobei meist schon optisch erkennbar ist, wer welchem Lager zuzuordnen ist. Hier die Herren und Damen im Gibson- oder Fender-T-Shirt und meist schwarzen Leder, dort das Publikum in Anzug und Kostüm. Purer Zufall war es bestimmt, dass die Band, die bei der After-Dinner-Party die Gäste unterhielt, den Namen „Die Schwindler“ trug. Assoziationen zur Fondsbranche sollten damit nicht geweckt werden.

Kommentare zu " Award-Geflüster: Tattoos, Schwindler und ein Dax bei 7.700 Punkten"

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  • Der Käufer von den ach so tollen Fonds verdient zuletzt - wenn überhaupt.
    Die Börse ist künstlich hochgezogen und der tiefe Absturz kommt bestimmt sehr bald.
    Wer das nicht kapiert hat kann ja sein Geld vernichten....

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