Baisse initiiert den Trend zu Absolute-Return-Fonds
Absolute Renditeziele sind "in"

Nach drei Jahren Börsenbaisse können Fondsbesitzer das Wort "Benchmark" vermutlich nicht mehr hören. Haben doch auch viele - zumeist - Aktienfonds, die ihren jeweiligen Vergleichsindex geschlagen haben, Verluste eingefahren.

HB FRANKFURT. Mit ihrem Buchminus im Depot sind viele Anleger wenig gewillt, ihr Kapital weiterhin massiv in Aktienfonds zu stecken. Das öffnet sie für Neues. Fondsgesellschaften haben an dieser Stelle rasch ein potenzielles Absatzfeld eruiert und fluten den Markt mit Fonds, die unabhängig von Börsenindizes und-klima mit absoluten Erträgen locken. Gemäß dem hoch modernen Absolut-Return- Ansatz versuchen Fonds, einen Ertrag zu erwirtschaften, zumindest aber das eingesetzte Kapital zu erhalten. Manche Fondshäuser versprechen sogar eine bestimmte Rendite.

Von ihrem Anlagespektrum her sind die Fonds zwar nicht eingeschränkt: Doch wer keinen Verlust machen darf, muss einen Großteil des Kapitals risikoarm etwa in Geldmarkttitel oder Anleihen anlegen. Riskantere Anlagen können nur beigemischt und müssen abgesichert werden. Ein solcher Fonds wird somit in Zeiten steigender Aktienkurse nicht mit einer Aktienfondsrendite mithalten können.

Unter dem Etikett "absolute return" bieten die Fondshäuser Produkte mit verschiedensten Strategien an. Die meisten Fonds enthalten Renten, Aktien oder beides und mischen Derivate bei.

Volatilitätsstrategie-Fonds: Fondsanbieter setzen hier stark auf den Optionsmarkt. Die Fondsmanager wetten auf Kursverläufe und kaufen oder verkaufen je nach Marktlage Puts, Calls etc. Der "DWS Vola Strategy" setzt zu einem gewichtigen Teil Anleihen ein. Die Fondsmanager wollen zudem mit Optionen und Futures, Geld verdienen, deren Prämien in Zeiten starker erwarteter Kursschwankungen hoch sind. Ihr Renditeziel gibt die DWS mit 7 % an. Ähnlich agiert auch der "Lupusalpha Volatility Return".

Mischfonds: Vorwiegend auf Anleihen, aber auch auf Aktien setzen die Fondsmanager. Beim "Activest Lux Total Return", der langfristig eine Rendite von 7 % erzielen will, sollen mit Hilfe einer "Take profit/stop loss"-Strategie kurzfristige Gewinne mitgenommen werden. Zudem setzt der Fonds Optionen ein.

Rentenfonds: Anleihen verschiedenster Laufzeiten und Bonitäten stecken in den Fonds. Der neue "Uni Euro Renta Absolute Return" soll über einen Risikopuffer gesteuert werden, der sich aus Zinsen der Bonds und Kursgewinnen definiert. Bei steigenden Zinsen schichtet der Fonds sukzessive stärker in kurz laufende Anleihen um, bei fallenden in länger laufende. Auf eine teure Kapitalgarantie verzichtet der Fonds, da das Risiko laut Union über den Risikopuffer exakt gesteuert werden kann. Als Ziele formuliert das Fondshaus, mindestens das Kapital zu erhalten und langfristig den JP Morgan Euro-Anleiheindex zu schlagen. Der "VPM Absolute Plus Optics Protect" etwa hat zu 90 % Renten im Portfolio und will das Risiko über Optionen auf Indizes und Einzelwerte absichern. Ein weiterer absatzstarker Rentenfonds, der sich nicht an einem Index orientiert, ist der "DIT Euro Bond Total Return". Der Fonds will seine Gesamtrendite aus Kupon und Kursgewinn maximieren, zielt aber nicht explizit auf Kapitalerhalt ab.

Im weiteren Sinne gehören auch Garantiefonds und Fonds mit dynamischer Absicherung zu Produkten, die fernab von Börsenindizes mindestens Verluste vermeiden wollen.

Anleger sollten zunächst abwarten, welcher Fonds ein gutes Zwölfmonats-Ergebnis erziele, rät Joachim Meyer vom bankunabhängigen Fondsanbieter Fondsconsult. "Erst die Praxis wird zeigen, ob dort, wo "absolute return" draufsteht, es auch drin ist", meint er. Anleger sollten zudem prüfen, wer ihren Wunschfonds managt. Verdächtig sei es, wenn ein Fondsmanager, der bereits einen Fonds mit relativer Benchmark schlecht gemanagt habe, nun ohne große Vorerfahrung an die schwierigeren absolute-return- Strategien herantrete. Die Anforderungen an das Fondsmanagement seien bei den komplexen Produkten sehr hoch, meint auch Lars Kolbe, Leiter Research vom Vermögensverwalter und Researchhaus Feri Trust. Mit den wenigen in Deutschland zugelassenen Hedge-Instrumenten könne ohnehin kaum ein echter Absolute- Return-Ansatz gefahren werden, moniert er. Die in den Fonds oft eingesetzten Kapitalgarantien kosteten Geld, gibt er weiter zu bedenken. Aber ohne sie könne man kaum versprechen, keinen Verlust zu machen.

Anleger sollten daher genau überlegen, wie die speziellen Fonds in die persönliche Gesamtvermögensstruktur passten, sagt Kolbe. Klassisch werden absolute-return-Fonds für konservative Anleger angeboten, die ein Renditeplus gegenüber einem Investment ohne Risiko anstreben. Im übrigen lasse sich der absolute-return- Gedanke auch über Zukäufe von Assets verwirklichen, die mit den führenden Aktien- und Anleihemärkte wenig korreliert seien, meint Kolbe. Er nennt etwa Gold- oder Rohstoff-, Immobilienfonds oder Osteuropaanleihen.

Fernab des Benchmark-Gedankens

Absolute-Return-Fonds: Fondsmanager messen ihre Performance nicht an Börsenindizes wie Dax oder Dow, sondern am Ertrag einer risikolosen Geldanlage wie Sparkontozinsen oder dem Euro-Geldmarktzinssatz Euribor. Der Absolute-Return-Ansatz stammt aus der Hedge-Funds-Welt. Risiken sichern Fondsmanager meist am Terminmarkt ab. Deutsche Fondshäuser dürfen aber viele Hedge-Funds-Geschäfte wie Leerverkäufe oder Termingeschäfte bisher nicht oder nur beschränkt tätigen.

Total-Return-Fonds: Die Fonds zielen auf stetigen positiven Ertrag ab. Der US-Rentenspezialist Pimco prägte diesen Begriff für Rentenfonds, in denen Pimco über kurz- und langfristig orientierte, teils aggressive Strategien mit verschiedensten Bonds Kursgewinne und Kupon maximieren will. Auf Kapitalerhalt kann der Anleger nicht pochen.

Garantiefonds: Anleger erhalten eine Garantie, etwa Kapitalerhalt. Die Fonds haben eine feste Anlagestruktur. Durch die Garantie, die über Derivate gekauft wird, steigt der Fondswert nur teils mit den Börsenindizes.

Fonds mit dynamischer Absicherung: Garantiefonds mit variabler Anlagestruktur und Absicherung, die Börsenentwicklungen stärker spiegeln.

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