Bankberatung
Neue Gesetze garantieren keine bessere Beratung

Die Bankberatung soll transparenter werden: Ab 2010 haben Bankkunden sogar einen gesetzlichen Anspruch auf detaillierte Beratungsprotokolle, die das Besprochene schriftlich fixieren sollen. Die Branche könnte die Regelung mit standardisierten Angeboten umgehen.
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WASSERBURG. Nicht zum ersten Mal rumort es angesichts neuer Vorschriften in den Bankzentralen: Ab Januar 2010 gilt die neue Regelung, dass Bankberater ihren Kunden nach jedem Beratungsgespräch ein Protokoll aushändigen müssen, das den Inhalt der Beratung nachvollziehbar wiedergibt. So sieht es das Schuldverschreibungsgesetz vor, das am 5. August 2009 in Kraft getreten ist. Das Protokoll soll die Angaben und Wünsche des Anlegers sowie die daraufhin empfohlenen Produkte ebenso enthalten wie die Gründe, warum ausgerechnet diese dem Anleger empfohlen wurden. Der Gesetzgeber erhofft sich davon eine bessere Beratung. Privatanleger können mit dem Beratungsprotokoll nicht nur das Besprochene noch einmal nachvollziehen, es kann auch als Beweismittel in einem eventuellen Gerichtsverfahren dienen.

Christian Kreuser ist jedoch skeptisch, dass das neue Protokoll viel an der Grundproblematik einer oftmals nicht bedarfsgerechten Finanzberatung in Deutschland ändern wird. Er ist Private-Banking-Chef der auf Honorarberatung spezialisierten Quirin Bank: "Das Grundsatz-Thema bleibt: Ein juristisch geschulter Experte sitzt einem Laien gegenüber. Da stellt sich die Frage, ob der Kunde immer versteht, was das Beratungsprotokoll beinhaltet. Solange bei der Beratung ein Provisions-Anreiz besteht, werden die Berater meiner Meinung nach auch zukünftig in der Lage sein, das Protokoll zu ihren Gunsten zu formulieren."

Was den Banken mehr Sorgen bereiten dürfte als das Protokoll, ist das einwöchige Rücktrittsrecht, das Anleger bei telefonischer Beratung haben, sofern das Protokoll unrichtig oder unvollständig ist. Die Banken befürchten, dass es Anleger gibt, die das Rücktrittsrecht ausnutzen, indem sie die Börsenentwicklung abwarten - und dann nur bei negativer Marktentwicklung einen Rücktrittsgrund suchen.

Momentan wollen die wenigsten Banken etwas zu ihren Reaktionen auf die neue Protokollpflicht sagen, da sie noch an deren Umsetzung arbeiten. "Man kann aber davon ausgehen, dass Banken versuchen werden, den gesetzlichen Tatbestand der Anlageberatung zu meiden. Dann gelten weder Protokollpflicht noch Rücktrittsrecht", vermutet Kreuser. Er warnt Anleger davor, allzu leichtfertig die neuen Verträge zu unterschreiben, die Banken zukünftig an ihre Kunden versenden werden. Denn in diesen Verträgen solle genau das vereinbart werden.

"Bei der Wertpapierberatung wird wenig verdient, da die Kosten für Depotführung und Wertpapierhandel enorm unter Druck geraten sind. Bei den geringen Margen werden viele Banken überlegen, ob sie angesichts des Rücktrittsrechts überhaupt noch telefonische Wertpapierberatung anbieten werden," meint dazu ein Banker, der anonym bleiben möchte.

Im Investmentfonds-Bereich sind die Margen zwar etwas höher als bei Renten- und Aktienorders, aber auch hier werden sich die Banken fragen, ob sich unter den neuen Umständen ab 2010 eine individuelle Beratung für sie noch lohnt. Die Beschränkung auf zentral ausgewählte Fonds und Wertpapiere sowie auf die Hausmeinung wird die wahrscheinliche Folge sein.

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