Behörden, Staatsanwälte und Politiker wollen die skandalgeplagte Branche schärfer regulieren
US-Aufsicht nimmt Fonds an die Leine

Die US-Börsenaufsicht SEC will die Fondsbranche stärker regulieren. Eine fünfköpfige SEC- Kommission um Chef William Donaldson hat gestern drei Reformvorschläge diskutiert und der Öffentlichkeit als Entwurf vorgestellt. Nach einer Anhörungsphase will die SEC den Entwurf überarbeiten und die Regeln endgültig verabschieden.

NEW YORK. Wichtigster Vorschlag der Börsenaufsicht ist die Einführung eines Annahmeschlusses von 16 Uhr für alle Kauf- und Verkaufsaufträge von Fonds. Damit würde dem so genannten Späthandel entgegengewirkt. Gemeint ist das illegale Handeln von Fondsanteilen nach der offiziellen Preisfeststellung zum US-Börsenschluss um 16 Uhr zum alten Tageskurs. Damit konnten einige Investoren verbotenerweise von Gewinn- und Konjunkturinformationen profitieren, die erst später eintrafen. Ihr Gewinn ging zu Lasten der langfristig engagierten Investoren.

Bislang sammeln Abrechnungsdienstleister ihre Fondsaufträge und geben sie oft erst nach 16 Uhr an die einzelnen Fondsfirmen. Sie müssen dabei bestätigen, dass sie die Orders bereits vor Börsenschluss erhielten. Ein „harter“ Annahmeschluss würde ein Schlupfloch für möglichen Betrug stopfen.

Mit dem Maßnahmenpaket reagiert die SEC auf die Skandalwelle in der Fondsbranche, die fast täglich weiterrollt. So wurde gestern bekannt, dass der Gründerchef des Fondshauses Strong Financial, Richard Strong, seinen Posten aufgibt und seinen Mehrheitsanteil verkauft. Gegen Strong laufen Ermittlungen, weil er angeblich auf eigene Rechnung seine Fonds handelte und den Investoren dabei schadete. Zudem verlor der fünftgrößte US- Fondsanbieter, Putnam Investments, mit dem Lebensmittelkonzern Unilever vorgestern einen weiteren Großkunden. Putnam ist im Zuge der Skandale ins Visier der SEC geraten.

„Alle Institutionen bemühen sich derzeit, den Eindruck zu vermittteln, dass sie sich um die Probleme kümmern und den Laden in den Griff bekommen“, sagte Don Phillips vom Fondsanalysebüro Morningstar der Agentur Bloomberg. Neben der SEC will auch der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer weit reichende Reformen bei den US-Fonds durchsetzen. Zudem liegen vor dem US-Senat und dem Repräsentantenhaus insgesamt drei Gesetzentwürfe, die eine schärfere Regulierung der 7,1 Billionen Dollar schweren Branche fordern. Die Folgen betreffen auch Deutschland. Denn zahlreiche US-Fondsanbieter agieren auch hier zu Lande, und die Reformen könnten zum Vorbild für andere Länder werden.

Radikale Vorschläge von Staatsanwalt Spitzer

„Klar ist, dass der Fondsbranche sehr weit reichende Änderungen bevorstehen“, sagt Phil Edwards, Leiter der Fondsanalyse bei der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in New York. Unklar sei, welche öffentliche Institution dabei die Führungsrolle übernehmen werde.

Während die gestern beratenen Reformvorhaben der SEC kaum umstritten sind, gelten einige Vorschläge des Staatsanwalts Spitzer als radikal. So sollen Fondsanbieter bei den Gebühren nicht mehr zwischen Privatanlegern und institutionellen Kunden wie etwa milliardenschweren Pensionsfonds unterscheiden dürfen. „Derzeit zahlen Privatanleger deutlich höhere Gebühren“, sagt Spitzer, „künftig soll für alle der gleiche niedrige Kostensatz gelten.“ Außerdem verlangt Spitzer, dass Fondsfirmen die kassierten Verwaltungsgebühren zurückzahlen für Zeiträume, in denen sie nachweislich unsaubere Praktiken duldeten. Spitzer hat die weiter reichenden Forderungen zur Bedingung für außergerichtliche Einigungen mit Fondsgesellschaften erklärt, gegen die er ermittelt.

Falls Spitzer sich durchsetzt, müssen die Fonds ihr Geschäftsmodell neu überdenken. Denn: „Die Kosten für den Vertrieb und das Marketing sind im Privatkundengeschäft höher als bei Institutionellen“, sagt Neal Epstein, Partner der New Yorker Vermögensverwaltung Overture Asset Management und Autor mehrerer Studien über die Fondsbranche.

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