Besserung für Anleger nicht in Sicht
Fondsanbieter kassieren in Europa ab

Fondsanleger bekommen in den USA mehr für ihr Geld als in Europa. Tom Mann von der Beratungsfirma Constellation in New York schätzt, dass die Investmentgesellschaften europäischen Kunden 15 bis 30 Prozent mehr Gebühren berechnen als amerikanischen. Erhebliche Kostenunterschiede belegen auch Vergleichsstatistiken. Und trotz häufig schlechterer Renditen drehen die europäischen Investmentfonds derzeit weiter an der Preisschraube.

DÜSSELDORF. Nach Angaben des Ifa-Instituts für Fondsanalyse in Bad Homburg kassieren in Deutschland aufgelegte Aktienfonds im Mittel 1,41 Prozent des Depotwerts an laufenden Managementgebühren. Auf diesen Satz kann man noch einmal etwa ein Fünftel an allgemeinen Verwaltungs- und Renditegebühren aufschlagen. Das ergibt jährliche Gesamtkosten von knapp 1,7 Prozent. Dabei sind allerdings Ausgabeaufschläge und Transaktionskosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren nicht mitgerechnet . In den USA beträgt die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) bei Aktienfonds im Schnitt dagegen nur 1,5 Prozent. Das allein bedeutet einen Gebührenunterschied von mehr als 13 Prozent.

Hinzu kommt: In den USA ist die Auswahl an Fonds ohne Ausgabeaufschlag wesentlich größer. US-Anleger stecken rund 13 Prozent ihrer Investments in solche No-Load Fonds. Die Fondsgesellschaft Vanguard etwa ist regelmäßig die Nummer eins oder zwei, wenn es um Mittelzuflüsse geht. Vanguard nimmt keine Ausgabe- oder Rückgabeaufschläge und kassiert bei aktiv gemanagten Fonds Managementgebühren von lediglich 0,33 Prozent. Vergleichbare Angebote sind in Europa praktisch nicht vorhanden.

Und was für europäische Anleger besonders bedauerlich ist: US-Fondsgesellschaften, die ihre Produkte auf beiden Märkten anbieten, haben sich an das höhere Kostenniveau in Europa angepasst. Die Fondsratinagentur Morningstar nennt zwei aufschlussreiche Beispiele: Der Fidelity Europe Fund etwa wird in den USA ohne Ausgabeaufschlag und zu Managementgebühren von 0,6 Prozent angeboten. Erst wenn der Anleger den Fonds wieder verkauft, sind noch einmal Gebühren von 1 Prozent fällig. Beim vergleichbaren Fidelity European Aggressive Fund, der in Europa angeboten wird, sind allein schon die Managementgebühren mit jährlich 1,5 Prozent deutlich höher. Außerdem ist ein Ausgabeaufschlag von 5,25 Prozent fällig.

Zweites Beispiel: Der Templeton Growth (Euro) Fund A nimmt in Europa Managementgebühren von 1,50 Prozent und einen Ausgabeaufschlag von 5,25 Prozent. Die vergleichbare US- Version weist Managementgebühren von nur 0,61 Prozent aus. Der Ausgabeaufschlag ist mit 5,75 Prozent allerdings höher.

Unter dem Strich werden nach Angaben von Morningstar deutschen Fondsanlegern, die ihr Investment fünf Jahre lang halten, jährlich bis zu vier Prozent ihres Depotwerts für Gebühren abgezwackt. Da bleibt nur in ausgeprägten Boomzeiten noch etwas übrig.

„Die europäischen Märkte sind zersplittert und haben eine verkrustete Vertriebsstruktur“, sagt Fondsanalyst Kai Wiecking von Morningstar Deutschland. Zwar ist in Europa die Gesamtzahl der Fonds mit insgesamt 31 000 größer als in den USA mit 8 000; doch das liegt offenbar daran, dass in jedem europäischenLand die Banken eigene Fonds auflegen und jedes Land „seine eigene Mentalität hat“, wie Ed Moisson vom Fondsanalyseinstitut Fitzrovia in London beobachtet. Die örtlichen Banken machten in den einzelnen europäischen Ländern rund 90 Prozent des Fondsabsatzes unter sich aus, schätzt Wiecking. Die amerikanische Vanguard-Gruppe hat jetzt zwar mehrere Vertriebsverträge mit europäischen Direktbanken abgeschlossen, doch sie bleibt, was ihre Eroberungschancen auf dem europäischen Markt betrifft, vorsichtig: „Mit den übrigen Banken hier zu verhandeln, ist eine Herausforderung“, lautet der Kommentar von Francois Passant von Vanguard in Brüssel.

Obwohl die Zahl der europäischen Fonds groß ist, unterscheiden sie sich kaum in der Anlagestrategie. 81 Prozent aller in Europa angebotenen Fonds konzentrierten sich auf großkapitalisierte Aktien, sagt Wiecking von Morningstar. Nebenwerte-Produkte oder wertorientierte Fonds machten nur einen verschwindend geringen Teil des Angebots aus.

Die Chance, dass europäische Anleger bald ein besseres Angebot haben und weniger dafür zahlen, ist gering. „Die Gebühren in Deutschland steigen kontinuierlich an“, beobachtet Fitzrovia-Analyst Moisson. Auch das Ifa-Institut für Fondsanalyse registriert trotz der über Jahre gesunkenen Aktienkurse einen Anstieg der erfolgsabhängigen Gebühren: „Solche Erfolgsgebühren werden zunehmend sogar fällig, wenn der Fonds Verluste macht“, stellt Kerstin Beul von Ifa fest. Es werde einfach ein Index oder das Abschneiden Konkurrenz als Messlatte genommen.

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