Betrugsvorwürfe
Hedge-Fonds im Visier der Ermittler

Die Skandale rund um Hedge-Fonds-Unternehmen wollen nicht abreißen. Nach zahlreichen Betrugsfällen bei Investmentfirmen ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen den deutschen Gründer des K1-Fonds, den 50-jährigen Helmut Kiener.
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sos/mm/ret/HB FRANKFURT/LONDON. Der Hedge-Fonds K1 ist ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, wurden am Mittwoch Büros und Privatwohnungen durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Würzburg bestätigte zwar, dass sie gegen den Gründer des Fonds, den 50-jährigen Helmut Kiener, wegen des Verdachts der Untreue und des Betruges ermittelt, Einzelheiten wollte Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen aber nicht preisgeben.

K1 ist auf den British Virgin Islands registriert. Nach eigenen Angaben verwaltet der Fonds rund eine Mrd. Dollar. K1 war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Mitarbeiter von Kieners Vertriebsfirma sagte der Nachrichtenagentur Reuters jedoch, es habe eine Anzeige gegen K1 gegeben. Die Ermittler hätten die Wohn- und Geschäftsräume Kieners durchsucht und Akten sowie Computer mitgenommen. Barclays erklärte gegenüber der Reuters, mit den zuständigen Behörden zu kooperieren.

Kiener und der von ihm gegründete Fonds stehen im Verdacht, mehrere Banken, darunter Barclays, JP Morgan Chase und BNP Paribas um rund 400 Mio. Dollar geprellt zu haben.

Amerikanische und europäische Strafverfolger prüfen, ob K1 sich bei Banken Kredite erschlichen hat, um das Volumen seiner Fonds aufzublähen. Dazu soll Geld über ein Netzwerk verschiedener Firmen in Großbritannien, den USA und anderen Ländern geflossen sein. Kiener verwaltet für seine Investoren einen sogenannten Dachfonds, der in unterschiedliche Hedge-Fonds investiert. Im Internet wirbt K1 mit dem Argument für sich, dass die hauseigenen Fonds bis auf das Krisenjahr 2008 13 Jahre lang positive Renditen erwirtschaftet hätten. Für dieses Jahr weisen Kieners Fonds eine Performance von rund zwölf Prozent aus.

Die Deutsche Finanzaufsicht BaFin versucht bereits seit 2001, Kiener daran zu hindern, seine Fonds an deutsche Investoren zu vertreiben. Die Aufseher strengten mehrere Verfahren gegen den Gründer selbst und eine Reihe seiner Tochtergesellschaften an. Einige dieser Verfahren gewannen die Regulierer, andere sind noch anhängig. Zwei Gesellschaften K1 Global Ltd und K1 Invest ltd. gelang es allerdings, vor Gericht eine Aufhebung der BaFin-Verbote durchzusetzen.

Nach dem Skandal um den Milliardenbetrüger Bernhard Madoff und den Verdacht auf Insiderhandel in großem Stil beim US-Hedge-Fonds Galleon sind die spekulativen Fonds zunehmend ins Gerede gekommen. Strafverfolger rund um den Globus versuchen nach der Finanzkrise verstärkt, dubiosen Investoren und Anlagebetrügern auf die Schliche zu kommen.

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